Rückblick

Das war das Jahr in Ostfriesland

| 30.12.2021 19:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 25 Minuten
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Die Corona-Pandemie beherrschte im Jahr 2021 die Nachrichten in Ostfriesland. Doch es gab 2021 auch Nachrichten über Corona hinaus. Die Redaktion hat eine Auswahl zusammengestellt.

Welche Themen haben uns 2021 besonders beschäftigt? Welche Ereignisse haben uns in den vergangenen zwölf Monaten bewegt? Welchen Herausforderungen mussten wir uns stellen? Das Ende des Jahres ist auch für die Redaktion ein Anlass, die vergangenen Monate Revue passieren zu lassen. Chefredakteur Joachim Braun und fünf Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ressorts werfen einen persönlichen Blick zurück auf ein Jahr, das alles war, aber gewiss nicht langweilig.

Ein Jahr, in dem wir viel gelernt haben

Von Joachim Braun, Chefredaktion

Das war ein Jahr zum Abgewöhnen, finden Sie nicht auch? Ein Jahr zwischen zweiter, dritter und vierter Welle, zwischen Lockdown und Pandemie-Leugnung. Zwischen ganz viel Home-Office und kaum Home-Office. Corona, so heißt es, wirkte für unser Land als „Booster“: Probleme, die schon da waren, wurden noch größer. Und das, was wir gut beherrschen, hat sich bestätigt. Zum Beispiel, dass wir in einer politisch stabilen Demokratie leben mit einer Mehrheit der Menschen, die in unsere Institutionen vertrauen. Nicht unbedingt immer in die Politik, mit Recht, denn die war in diesem Wahljahr zu oft mit sich selbst beschäftigt.

Wie meine Kolleginnen und Kollegen die journalistischen Herausforderungen bewältigt haben, macht mich stolz. Denn selten zuvor standen wir so im Feuer, bekämpft und beschimpft von jenen Menschen, die weder Impfungen akzeptieren noch die sonstigen Corona-Maßnahmen. Das war anstrengend und zwang uns immer wieder dazu, die eigenen Standpunkte zu überprüfen. Ist das, was wir schreiben, richtig? Lassen wir uns instrumentalisieren? Welchen Quellen vertrauen wir? Und: Genügen wir unserem Auftrag, die ganze Vielfalt unserer Gesellschaft abzubilden?

Ich denke, wir haben 2021 viel gelernt.

Medizinskandal endet tragisch

Von Petra Herterich, Mantelredaktion

Die Aufarbeitung eines Medizin-Skandals am Klinikum Leer findet 2021 ein abruptes Ende – ein Thema, das Redakteurin Petra Herterich besonders beschäftigt. Archivfoto: Ortgies
Die Aufarbeitung eines Medizin-Skandals am Klinikum Leer findet 2021 ein abruptes Ende – ein Thema, das Redakteurin Petra Herterich besonders beschäftigt. Archivfoto: Ortgies

Die Geschichte, die mich in diesem Jahr am meisten bewegt hat, hat tatsächlich gar nichts mit Corona zu tun. Ihr Anfang liegt auch schon weit zurück. Mehr als sieben Jahre ist es her, dass mich jemand anrief und etwas über defekte Bandscheibenimplantate erzählte, die angeblich am Klinikum Leer verwendet worden seien.

Meine Recherche begann und am Ende offenbarte sich ein Medizinskandal, der bundesweit Schlagzeilen machte. Im Fokus: Ein Mediziner, seinerzeit noch Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie am Klinikum Leer, ein Implantathersteller, der später Pleite ging, und ein weiterer in der Schweiz, von dem sich der Mediziner laut Staatsanwaltschaft bestechen ließ. Es dauerte fast sieben Jahre, bis der längst entlassene Chefarzt sich in diesem Sommer wegen Körperverletzung in mehr als 50 Fällen vor dem Leeraner Amtsgericht verantworten musste – er wurde freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft kündigte Berufung an. Zuletzt stand der 57-Jährige wegen Vorteilsnahme, Bestechung und Bestechlichkeit in insgesamt 89 Fällen vor dem Auricher Landgericht. Am 14. November starb er plötzlich. Und damit endet die Geschichte auf tragische Weise – gegen Tote wird nicht ermittelt und nicht prozessiert.

Bei mir bleibt ein ungutes Gefühl zurück, weil das letzte Kapitel nun nicht mehr geschrieben wird. Und weil es in diesem Fall nur Verlierer gab. Egal, wie ein richterliches Urteil auch ausfällt: Sieben lange Jahre darauf warten zu müssen, ist an sich schon eine Strafe – für Kläger und Beklagten. Das zermürbt alle Betroffenen. Da muss die Justiz in Zukunft einfach schneller werden.

Eine bewegende Geschichte – ganz ohne Corona

Von Daniel Noglik, Zentralredaktion

In Berumerfehn richtet ein Tornado im August 2021 enorme Schäden an. Seinen Besuch vor Ort am Tag danach wird Reporter Daniel Noglik wohl nie vergessen. Archivfoto: Noglik
In Berumerfehn richtet ein Tornado im August 2021 enorme Schäden an. Seinen Besuch vor Ort am Tag danach wird Reporter Daniel Noglik wohl nie vergessen. Archivfoto: Noglik

Die allermeisten Texte, die ich in diesem Jahr geschrieben habe, hatten etwas mit der Corona-Pandemie zu tun: Chaos bei der Impfstoff-Zuteilung, Unwahrheiten der Landesregierung, gefälschte Impfpässe, Pseudo-Zertifikate und so weiter. Besonders bewegt hat mich aber eine Geschichte, die mit der Pandemie überhaupt nichts zu tun hatte: Mitte August fegt ein Tornado über den kleinen Ort Berumerfehn, versetzt die Menschen in Todesangst und lässt sie mit zerstörten Häusern zurück. Mitten in der Nacht schreibt mir die Chefin, ob ich am nächsten Morgen in Großheide sein könne. Fotograf Klaus Ortgies und ich machen uns ein paar Stunden später auf den Weg.

Nach langer Schreibtischarbeit mit coronabedingt wirklich seltenen Terminen vor Ort lockt die Aussicht auf eine spannende Reportage. Das Bild, das sich uns in Berumerfehn bietet, ist spannend, keine Frage. Doch es ist auch grausam. Die Menschen stehen weinend vor dem, was von ihrem Zuhause noch übrig ist. Sie schieben Schutt von rechts nach links, nur um sich abzulenken, um nicht zur Ruhe zu kommen und zu realisieren, was passiert ist.

Wie geht man als Journalist damit um? Wie geht man auf Menschen zu, die wahrscheinlich gerade Besseres zu tun haben, als mit dir über ihre Gefühle zu reden? Wir haben beobachtet. Beobachtet und gewartet, dass die Menschen sich uns öffnen. Danke für dieses Vertrauen. Mehr als einmal musste ich ordentlich schlucken – etwa, als uns erzählt wurde, dass eine junge Frau es gerade so aus einem Haus geschafft hatte.

Zurück im Kaninchenbau der Schwurbler

Von Claus Hock, Bezirksredaktion Emden-Norden

Was sind das für Menschen, die - wie hier in Emden - gegen die Corona-Impfungen auf die Straße gehen? Eine Frage, die Redakteur Claus Hoch in diesem Jahr umtreibt. Archivfoto: J. Doden
Was sind das für Menschen, die - wie hier in Emden - gegen die Corona-Impfungen auf die Straße gehen? Eine Frage, die Redakteur Claus Hoch in diesem Jahr umtreibt. Archivfoto: J. Doden

Die Zahl der Texte, die ich in diesem Jahr über die Corona-Leugner veröffentlicht habe, ist übersichtlich. Ostfriesland war lange ein ruhiges Pflaster, vor allem nach der Auflösung von Querdenken-Ostfriesland. Kurz bestand die leichte Hoffnung, dass das so bleibt. Aber nein, die Schwurbler kommen wieder aus ihrem Kaninchenbau.

Beschäftigt man sich mit den Corona-Leugnern, „Impfkritikern“ und „Querdenkern“, ist es wie bei Alice im Wunderland. Man steigt hinab in einen Kaninchenbau, nur: Am Ende wartet ein anderes „Wunderland“. Eines, in dem alle Figuren so drauf sind wie der Märzhase im Buch von Lewis Carroll. Oft werde ich, auch von Kolleginnen und Kollegen, gefragt, warum ich dieser lauten Minderheit so viel von meiner (Frei-) Zeit widme. Ganz einfach: Die Erzählungen, Behauptungen und oft schlicht Lügen der Querdenker-Märzhasen werden in ihren Telegram-Chats, weitestgehend unbeobachtet von Öffentlichkeit und Mitläufern, immer abstruser und immer gefährlicher. Die „Bewegung“ radikalisiert sich allerortens in ihrem Kern zusehends, das wurde vor den Weihnachtstagen wieder deutlich, auch wenn man in Ostfriesland auch hier noch etwas hinterherhinkt.

2022 wird also für mich so weitergehen, wie 2021 endete: mit Artikeln rund um Akteure und Hintergründe der dritten Welle der „Querdenker“. Zurück in den Kaninchenbau. Wir werden berichten.

Hilfsorganisationen rückten in den Fokus

Von Andreas Ellinger, Zentralredaktion

Die Corona-Krise hat auch 2021 Missstände in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft offensichtlich werden lassen. In mein Blickfeld sind insbesondere Organisationen geraten, die den Ruf haben, Gutes zu tun und deshalb fast sakrosankt zu sein scheinen: Hilfsorganisationen – allen voran das DRK. Im Zuge der Corona-Impfungen hat sich herausgestellt, dass der dortige Umgang mit Mitarbeitern teilweise fragwürdig bis skandalös ist. Der damalige Rettungsdienst-Geschäftsführer des Leeraner DRK-Kreisverbands, Hary Feldmann, machte buchstäblich den Anfang – bei den Impfungen. Er genehmigte sich zu früh eine Impfdosis. Damit brachte er bei vielen unzufriedenen Einsatzkräften das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen. Ich habe noch nie so viele Informanten in einer Firma gehabt wie in der Leeraner Rettungsdienst GmbH. Es kam unter anderem heraus, dass Rettungskräfte nicht regelmäßig auf Corona-Infektionen getestet, 24-Stunden-Dienste geschoben und Mitarbeiter unter Druck gesetzt wurden. DRK-Honoratioren hielten zunächst ihre schützende Hand über den Geschäftsführer – Unterstützung kam aus der Führung der einflussreichen Kreis-SPD. Die Machenschaften eines weiteren DRK-Kreisverbands kamen ans Licht, nachdem eine Krankenschwester im Friesländer Impfzentrum ein paar Spritzen mit zu wenig Impfstoff gefüllt hatte. Das Jeverländer DRK rechnete Stundenpauschalen mit dem Landkreis ab, von denen sich nur ein Teil in den Löhnen der Beschäftigten niederschlug. Antworten von DRK und Maltesern im Emsland legten nahe, dass bei deren Impfzentrums-Mitarbeitern auch mehr in die Lohntüte gehört hätte.

Gutes tun bei DRK, Maltesern und Co. unzählige ehrenamtlich Engagierte und Beschäftigte – die Grenzen zwischen Haupt- und Ehrenamt verlaufen teilweise fließend. Es ist im Interesse der Allgemeinheit, dass sie von den Chefs fair behandelt werden – auf dass sie an ihrer wertvollen Arbeit für die Allgemeinheit nicht die Freude verlieren.

Solidarität aus Ostfriesland, die bewegt

Von Hannah Weiden, Volontärin

Bei der Hochwasserkatastrophe im Juli werden die Städte Stolberg und Eschweiler schwer getroffen. Die Leser spenden fast 300.000 Euro. Hannah Weiden erlebt bei der Verteilung der Spenden im Herbst enorme Dankbarkeit. Archivfoto: Becker/DPA
Bei der Hochwasserkatastrophe im Juli werden die Städte Stolberg und Eschweiler schwer getroffen. Die Leser spenden fast 300.000 Euro. Hannah Weiden erlebt bei der Verteilung der Spenden im Herbst enorme Dankbarkeit. Archivfoto: Becker/DPA

Welche zerstörerische Kraft die Natur haben kann, zeigte sich Mitte Juli dieses Jahres. Unzählige Orte im Westen Deutschlands wurden von einer regelrechten Flutwelle überrascht. 184 Menschen verloren dabei ihr Leben – weitaus mehr ihr Haus, ihre Wohnung, ihr Hab und Gut und ihre Lebensgrundlage. Was folgte, bewegt. Aus ganz Deutschland, auch aus Ostfriesland, machten sich Menschen auf den Weg, um zu helfen.

Doch auch diejenigen, die nicht persönlich mit anpackten, solidarisierten sich in tausendfacher Form. Wie die Leserinnen und Leser dieser Zeitung. Über das Hilfswerk „Ein Herz für Ostfriesland“ konnten wir rund 300.000 Euro für die Flutopfer sammeln. Mit den Kollegen der Aachener Zeitung, in deren Verbreitungsgebiet die Städte Eschweiler und Stolberg besonders hart getroffen wurden, berichteten wir über die Situation vor Ort. Die Artikel berührten mich. Schicksale wurden greifbar.

Als wir uns dann im Oktober selber ein Bild von der Lage in Stolberg und Eschweiler machten, fehlten mir so manches Mal die Worte. Jeder einzelne Spenden-Cent wird dort gebraucht und ist dort mehr als gut aufgehoben. Danke dafür, liebe Leserinnen und Leser!

Weitere Ereignisse

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Friesenbrücke war "Flop des Jahres"
22.12.2021

Retter vom Rajen

Schrecksekunde im März: Eine 81 Jahre alte Rhauderfehnerin fährt nach dem Besuch ihrer Freundin am Rajen in Rhauderfehn rückwärts von der Einfahrt – und landet mit dem Wagen im Kanal. Michaela Wist, die zu dem Zeitpunkt im sechsten Monat schwanger ist, kommt zufällig an der Unfallstelle vorbei. Die Rhauderfehnerin reagiert sofort, steigt in den Kanal und schwimmt zum Auto. Ihr kommt Jannes Ammann, ebenfalls aus Rhauderfehn, zur Hilfe. Gemeinsam gelingt es ihnen, die Frau zu retten.

Gaststätte wird abgerissen

Im Februar wird die Gaststätte Strücklinger Hof im Ortskern des Saterländer Ortsteils Strücklingen abgerissen. Foto: Fertig
Im Februar wird die Gaststätte Strücklinger Hof im Ortskern des Saterländer Ortsteils Strücklingen abgerissen. Foto: Fertig
In Strücklingen wird im Februar das Traditionslokal Strücklinger Hof abgerissen. Das Gasthaus, das zuletzt in vierter Generation 45 Jahre von Maria und Bernhard Helmke geführt worden war, hatte seit 1863 im Ortskern bestanden. Es war Stammlokal etlicher Vereine und Anlaufstelle für viele Menschen. Viele Feste und Bälle waren dort gefeiert worden. Als Helmkes keinen Nachfolger fanden, verkauften sie Haus und Grundstück an einen Investor aus Quakenbrück. Der lässt das Gebäude abreißen, um dort Wohnbebauung zu errichten.

Osterfehn bekommt Gemeindezentrum

Im März ist das neue Vereins- und Gemeindezentrum in Ostrhauderfehn eröffnet worden. Foto: Zein
Im März ist das neue Vereins- und Gemeindezentrum in Ostrhauderfehn eröffnet worden. Foto: Zein
In der Gemeinde Ostrhauderfehn ist im März das Vereins- und Gemeindezentrum an der Kirchstraße eröffnet worden. Die Kosten für das Projekt betragen insgesamt 2,3 Millionen Euro. Etwa die Hälfte davon wird durch Zuschüsse finanziert, den Rest übernimmt die Gemeinde. In dem Gebäude sind viele Vereine beheimatet. Zudem finden dort politische Sitzungen statt.

DRK: Hary Feldmann entlassen

Kein Scherz: Am 1. April wird Hary Feldmann, der Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes, entlassen. Den genauen Grund will der DRK-Kreisverband Leer nicht nennen. Allerdings war Feldmann zuvor heftig in die Kritik geraten. Er hatte sich Anfang des Jahres als einer der Ersten beim Rettungsdienst gegen das Corona-Virus impfen lassen. Gleichzeitig waren Rettungssanitäter im Einsatz, die weder getestet noch geimpft waren. Nach dem Skandal um seine frühzeitige Impfung setzt Feldmann seine Mitarbeiter unter Druck, sich testen und impfen lassen zu müssen. Prompt müssen zahlreiche Rettungsdienst-Beschäftigte in Quarantäne. Erst nach monatelangem Tauziehen werden Konsequenzen gezogen.

Sedelsberg: Urteil im Totschlagsprozess

Tatort eines Totschlags: In der Nähe des Saterländer Lehrpfads am Ufer der Sagter Ems erstach im September 2020 ein 29-jähriger Friesoyther einen anderen Mann. Foto: Fertig
Tatort eines Totschlags: In der Nähe des Saterländer Lehrpfads am Ufer der Sagter Ems erstach im September 2020 ein 29-jähriger Friesoyther einen anderen Mann. Foto: Fertig
Zu 13 Jahren Haft wird im März ein 29-jähriger Friesoyther verurteilt. Er hatte im September 2020 am Ufer der Sagter Ems in Sedelsberg einen 51-Jährigen mit einem Messer angegriffen. Der Attackierte, der von Spaziergängern gefunden worden war, erlag noch am Tatort seinen schweren Verletzungen. Die Schwurgerichtskammer des Oldenburger Landgerichts verurteilt den Friesoyther wegen Totschlags. Im Oktober 2021 lehnt das Bundesverfassungsgericht die Revision des Angeklagten gegen das Urteil als unbegründet ab. Die Richter können nicht erkennen, dass der Mann aus Notwehr gehandelt hatte. Das Urteil erlangt Rechtskraft.

Neubau der Friesenbrücke

Mit tonnenschweren Wasserbehältern wurde die Brücke am Tragegeschirr des Schwimmkrans hängend ins Gleichgewicht gebracht. Foto: Ortgies
Mit tonnenschweren Wasserbehältern wurde die Brücke am Tragegeschirr des Schwimmkrans hängend ins Gleichgewicht gebracht. Foto: Ortgies
Endlich passiert an der Friesenbrücke bei Hilkenborg etwas: Mitte Dezember ist mit der Demontage der Eisenbahnbrücke begonnen worden. Der Schwerlast-Schwimmkran „Enak“ kann ein dutzende Tonnen schweres Bauteil aus der zerstörten Brücke über die Ems heben. Das Teil wird in den Hafen von Papenburg gebracht. Dort wird es recycelt.

Geplant ist, die alte Brücke bis Anfang nächsten Jahres zu entfernen. Anschließend soll der Neubau beginnen und bis Ende 2024 laut Angaben der Deutschen Bahn Europas größte Hub-Dreh-Brücke errichtet werden. Die Friesenbrücke wurde zerstört, indem sie im Dezember 2015 bei Dunkelheit von einem Frachter gerammt worden war.

Bau eines Tidepolders in Coldemüntje

Wo wir gerade bei der Ems sind: Nur einige Kilometer von der Friesenbrücke entfernt wird seit November in Coldemüntje ein weiteres Großprojekt umgesetzt.

Auf einer 36 Hektar großen Fläche wird unter der Federführung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz in Oldenburg ein Tidepolder erstellt. Dort wird eine vor rund 100 Jahren abgehängte Emsschleife wieder für das Tidegeschehen des Flusses geöffnet. Rund 9,5 Millionen Euro fließen in das Projekt. Es gibt aber auch kritische Stimmen – unter anderem vom Verein Pro Natur aus Westoverledingen.

Sperrstunde im Landkreis Leer

Nach den Landkreisen Cloppenburg und Emsland zieht auch der Kreis Leer für einige Tage die Notbremse. Pünktlich zu Ostern verordnet die Kreisverwaltung eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 21 Uhr abends und 5 Uhr morgens. Supermärkte und weitere Geschäfte schließen deshalb früher.

Zwei Bürgerinitiativen sind aktiv

Für das Bürgerbegehren im Saterland gegen die Ansiedlung von Gülleverwertern am c-Port sammelten (von links) Thomas Bickschlag, Carsten Ambacher und Walter Hußmann Unterschriften – hier vor dem Raiffeisenmarkt in Scharrel. Es reicht für einen Bürgerentscheid. Foto: Fertig
Für das Bürgerbegehren im Saterland gegen die Ansiedlung von Gülleverwertern am c-Port sammelten (von links) Thomas Bickschlag, Carsten Ambacher und Walter Hußmann Unterschriften – hier vor dem Raiffeisenmarkt in Scharrel. Es reicht für einen Bürgerentscheid. Foto: Fertig
Mit basisdemokratischen Methoden wehren sich Saterländer und Barßeler: Zwei Bürgerbegehren werden angestoßen, beide führen zum Bürgerentscheid. In Barßel scheitert im August der Bürgerentscheid, ob die Gemeinde den Neubau des Rathauses unterlassen solle, weil der teurer wird als gedacht.

Im September werden die Planungen wieder aufgenommen. Durch die Verzögerung sind die Kosten weiter gestiegen. Im Saterland votieren im September fast 85 Prozent aller, die mitmachen, gegen die Ansiedlung von Gülleverwertern im Industriepark c-Port. Das Ergebnis bindet jedoch nur die Gemeinde Saterland. Die umstrittenen Firmen wollen sich auf Friesoyther Gebiet ansiedeln.

Spendenaktion für Celina Wessel

Der Tod der zweifachen Mutter Celina Wessel aus Klostermoor im Mai dieses Jahres hat viele unserer Leserinnen und Leser berührt. Die 22-Jährige hinterlässt ein zwei Monate altes Baby und einen vierjährigen Sohn. Bei einer von GA und OZ initiierten Spendenaktion für die Angehörigen der Verstorbenen kommen mehr als 38.000 Euro zusammen. Die Familie muss nur wenige Monate später einen weiteren Schicksalsschlag verkraften: Ende August stirbt auch Celina Wessels Vater Udo.

Trennung von c-Port-Geschäftsführer

Der interkommunale Industriepark c-Port braucht eine neue Geschäftsführung: Vom bisherigen Geschäftsführer trennte sich der Zweckverband, weil der Mann 64-mal in die Kasse der Rhauderfehner Feuerwehr gegriffen hatte und sich dafür vor Gericht verantworten muss.
Der interkommunale Industriepark c-Port braucht eine neue Geschäftsführung: Vom bisherigen Geschäftsführer trennte sich der Zweckverband, weil der Mann 64-mal in die Kasse der Rhauderfehner Feuerwehr gegriffen hatte und sich dafür vor Gericht verantworten muss.
Der Zweckverband Interkommunaler Industriepark Küstenkanal, c-Port, in Sedelsberg und Friesoythe braucht eine neue Geschäftsführung. Hintergrund der Trennung von dem Geschäftsführer dürfte eine Anklage der Staatsanwaltschaft sein. Dem Fehntjer wird gewerbsmäßige Untreue in 64 Fällen vorgeworfen. Er soll von April 2020 bis August 2021 rund 16.000 Euro vom Konto der Freiwilligen Feuerwehr Westrhauderfehn für private Zwecke entnommen haben. Damit habe er eine Suchtkrankheit finanziert, sagt der Betroffene selber gegenüber dieser Zeitung. Das Verfahren gegen ihn vor dem Amtsgericht Leer wird aller Voraussicht nach im Frühjahr 2022 eröffnet.

Unfallschwerpunkt in Marienheil?

Immer wieder passieren schwere Unfälle mit Radfahrern und Rollerfahrern im Bereich der langgezogenen Kurve in Marienheil. Allein in den beiden vergangenen Jahren gab es dort durch Unfälle mehrere schwer Verletzte. Im Oktober 2020 ist ein 69 Jahre alter Pedelec-Fahrer an den Folgen eines schlimmen Unfalls gestorben. Die Mitglieder der Verkehrskommission des Landkreises Leer sehen dort aber bislang keinen Unfallschwerpunkt. Aber: Es soll noch einmal eine Ortsbesichtigung stattfinden. Mal abwarten, ob etwas passiert.

Grundschule Collinghorst abgebrannt

Insgesamt 100 Feuerwehrleute aus der Gemeinde Rhauderfehn rücken zum Brand der Collinghorster Grundschule aus. Foto: Weers
Insgesamt 100 Feuerwehrleute aus der Gemeinde Rhauderfehn rücken zum Brand der Collinghorster Grundschule aus. Foto: Weers
Ein Feuer zerstört am 23. August große Teile der Grundschule Overledinger Geest in Collinghorst. Das Feuer entsteht bei Arbeiten am Dach. Zwei Mitarbeiter einer Handwerksfirma werden leicht verletzt. Sie werden in ein Krankenhaus gebracht. Der Neubau der Schule wird rund drei Millionen Euro kosten.

Das Dorf Holte hat Zukunft

Nun ist es amtlich: Holte ist ein Dorf mit Zukunft. Zusammen mit Tergast (Moormerland) wird das Rhauderfehner Dorf Mitte Dezember zum Sieger im Kreisentscheid des Wettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ gekürt. Die Freude in der Dorfgemeinschaft über den gemeinsamen Erfolg ist groß. Als nächstes steht nun im Mai der Bezirksentscheid in Weser-Ems an.

Diskothek in Friesoythe geräumt

Zu einer Panik mit Verletzten ist es in der Nacht zum Samstag in einer Diskothek in Friesoythe im Landkreis Cloppenburg bekommen. Der Landkreis ließ die Disco um kurz vor Mitternacht räumen, weil viele Gäste ohne Kontrolle ihres Impfstatus Einlass erhalten hatten, wie die Polizei am Sonnabend mitteilte. Foto: Andre van Elten/TNN/dpa
Zu einer Panik mit Verletzten ist es in der Nacht zum Samstag in einer Diskothek in Friesoythe im Landkreis Cloppenburg bekommen. Der Landkreis ließ die Disco um kurz vor Mitternacht räumen, weil viele Gäste ohne Kontrolle ihres Impfstatus Einlass erhalten hatten, wie die Polizei am Sonnabend mitteilte. Foto: Andre van Elten/TNN/dpa
Vorzeitig endet eine Party in einer Friesoyther Diskothek. Der Landkreis Cloppenburg hat bei einer Kontrolle Mitte November zur Einhaltung der aktuellen Corona-Verordnung die Schließung des Betriebs angeordnet. Nach Angaben des Landkreises und der Polizei sind zu viele Besucher in den Räumen, außerdem wird der Status – ob die Gäste geimpft oder genesen sind – nicht ordnungsgemäß kontrolliert. Bei der Räumung der Disco geraten einige Besucher in Panik.

Geburtsstation geschlossen

Kurzfristig angekündigt schließt das Friesoyther St. Marien-Hospital Ende Oktober seine Geburtenstation und erzeugt damit einen Sturm der Entrüstung. Foto: Passmann
Kurzfristig angekündigt schließt das Friesoyther St. Marien-Hospital Ende Oktober seine Geburtenstation und erzeugt damit einen Sturm der Entrüstung. Foto: Passmann
Das katholische Krankenhaus St.-Marien-Hospital in Friesoythe schließt Ende Oktober seine stationäre Geburtshilfe. Die Schließung wird erst sechs Wochen vorher publik gemacht. Die Maßnahme schlägt hohe Wellen der Kritik in weiten Teilen der Bevölkerung und aktiviert Kommunalpolitikerinnen und Bürgermeister. Die Stadt Friesoythe lädt zu einem Runden Tisch ein, obwohl sie als Kommune nicht Träger der Klinik ist. Dabei geht es um medizinische Grundversorgung in einem der geburtenstärksten Landkreise Deutschlands ebenso wie um den Umgang mit Hebammen.

Bootsunfall: 30-Jährigen verurteilt

Fünf Jahre nach dem schweren Bootsunglück auf dem Barßeler Tief wird Mitte September in Emden ein 30-Jähriger wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Außerdem soll der junge Mann Schadens- und Schmerzensgeld in Höhe von rund 45.000 Euro zahlen. Im August 2016 waren zwei Boote mit jungen Leuten nachts auf dem Tief zusammengestoßen. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben und eine junge Frau wurde schwerstverletzt. Das Gericht geht davon aus, dass beide Bootsführer – einer ist der Angeklagte, der zweite starb – betrunken und zu schnell unterwegs gewesen waren. Der Verteidiger des 30-Jährigen kündigt an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen.

Verkehr in Leer

Sommer 2021: Der Rajen in Rhauderfehn wird auf eineinhalb Kilometern saniert. Foto: Janßen/Archiv
Sommer 2021: Der Rajen in Rhauderfehn wird auf eineinhalb Kilometern saniert. Foto: Janßen/Archiv
Autofahrer müssen in diesem Jahr im Landkreis Leer starke Nerven haben. Der Rajen in Rhauderfehn wird erneuert und dafür von Mitte Juli bis Ende August zwischen der Dr.-Douwes-Straße und der 3. Südwieke voll gesperrt. Die Baustelle erhitzt die Gemüter. Die von Autofahrern, die die Umleitungen fahren müss(t)en. Und die von Anliegern, die sich darüber beschweren, dass viele Fahrer nicht die Umleitungen, sondern Schleichwege nutzen. Es werde über Bürgersteige gefahren und unentwegt in fremden Auffahrten gewendet, kritisieren die Anwohner.

Fast vier Monate – zwischen Juli und September – wird die Landesstraße 21 über eine Länge von acht Kilometern zwischen Marienheil und Potshausen komplett gesperrt. Dort werden für insgesamt eine Million Euro zeitgleich vier Projekte durchgeführt. Am aufwendigsten ist der Neubau der Ortsdurchfahrt in Potshausen.

In diesem Jahr sorgen zahlreiche Baustellen in der Stadt Leer für Verkehrsbehinderungen – unter anderem auf dem Stadtring (im Bild).
In diesem Jahr sorgen zahlreiche Baustellen in der Stadt Leer für Verkehrsbehinderungen – unter anderem auf dem Stadtring (im Bild).

Zahlreiche Baustellen erschweren auch in der Stadt Leer die Fahrt. Am Ostersteg beginnen im März die Bauarbeiten für den fahrradfreundlichen Umbau des Innenstadtrings. Der ist Bestandteil des Projekts FaCit und wird zu 90 Prozent gefördert.

Im August startet der Umbau des Stadtrings. Zunächst wird zwischen Deichstraße und Strohhut gebaut – und vor allem gesperrt. Danach ist der Bereich Strohhut bis Spierkreuzung dran. Zwischendurch ist im September die Seeschleuse gesperrt, weil diese erneuert wird. Das ist nicht nur nervig für Autofahrer, sondern auch teuer. Die Kosten, die ursprünglich von dem von der Stadt engagierten Ingenieurbüro grbv auf knapp 900.000 Euro geschätzt worden waren, haben sich nämlich im Laufe der Arbeiten fast verdoppelt. Nicht zu vergessen sind auch die fünf Monate, in denen der Bummert für den Aufbau von Ampeln gesperrt ist, damit die Nutzung sicherer wird. Eine gute Nachricht in Sachen Verkehr gibt es in Leer doch: Der Bahnübergang an der Bremer Straße ist nach mehr als einem Jahr Bauzeit wieder freigegeben. Die Probleme, die es bei diesem Thema gab und weiterhin gibt, würden aber den Rückblick sprengen.

Neue Bürgermeister

Herausforderer Claus-Peter Horst (links) schlägt die amtierende Leeraner Bürgermeisterin Beatrix Kuhl (rechts) im September im ersten Wahlgang. Fotos: Ortgies/Archiv
Herausforderer Claus-Peter Horst (links) schlägt die amtierende Leeraner Bürgermeisterin Beatrix Kuhl (rechts) im September im ersten Wahlgang. Fotos: Ortgies/Archiv
Frischer Wind weht seit November in vielen Rathäusern im ganzen Landkreis Leer. Bei den Kommunalwahlen im September wird für neun Rathäuser ein neuer Chef oder eine neue Chefin gesucht. Während in Ostrhauderfehn, Westoverledigen und Jemgum die Amtsinhaber ihren Posten ohne Gegenkandidaten verteidigen, werden mit Hendrik Schulz in Moormerland, Christoph Busboom in Jümme, Heiko Abbas in Weener und Uwe Sap in Bunde neue Vertreter gewählt.

Überraschungen gibt es in Leer und Papenburg: Der parteilose Claus-Peter Horst setzt sich in der Ledastadt bereits im ersten Wahlgang gegen Amtsinhaberin Beatrix Kuhl sowie zwei weitere Kandidaten durch. Spannender war es in Papenburg. Dort gewann die Sozialdemokratin Vanessa Gattung in der Stichwahl. Im ersten Wahlgang um die Nachfolge von Jan Peter Bechtluft (CDU) hatte Pascal Albers (CDU) einen hauchdünnen Vorsprung.

In der Gemeinde Barßel wird Bürgermeister Nils Anhuth in seinem Amt bestätigt.

Donnerzüge

Im Februar werden Anwohner der Bahnstrecke von Leer nach Oldenburg von einem neuen Phänomen überrascht. Durchfahrende Güterzüge erzeugen ungewöhnliche und sehr starke Vibrationen, die Gegenstände aus den Regalen fallen und Risse in den Mauern entstehen lassen. Eine Erklärung dafür gibt es bis heute nicht und auch keine Hoffnung, dass die Bahn Abhilfe schaffen könnte. Der zwischenzeitliche Dialog endet im Nichts, die Betroffenen denken über eine Klage nach.

Krach für Kilian

Mehr als 15.000 Bikerinnen und Biker kommen im Juli mit ihren Maschinen nach Rhauderfehn, um dem todkranken Kilian (6 Jahre) eine besondere Freude zu bereiten.
Mehr als 15.000 Bikerinnen und Biker kommen im Juli mit ihren Maschinen nach Rhauderfehn, um dem todkranken Kilian (6 Jahre) eine besondere Freude zu bereiten.
Applaus und Tränen der Rührung von den vielen Zuschauern an den Straßenrändern sowie ein dickes Lob von der Polizei: Mehr als 15.000 Bikerinnen und Biker kommen im Juli auf ihren Maschinen nach Rhauderfehn, um dem todkranken Kilian Sass (sechs Jahre) eine besondere Freude zu bereiten – womöglich seine letzte. Ein Meer aus Motorrädern, Quads, Trikes, Rollern und Mopeds hat sich bereits am späten Vormittag auf dem Rhauderfehner Marktplatz, im Rhaudermoorer Gewerbegebiet sowie in den Ostrhauderfehner Gewerbegebieten gebildet. „Krach für Kilian“ ist das Motto dieser gigantischen Aktion. Die Sternfahrt dauert rund vier Stunden. Kurze Zeit nach dieser Aktion stirbt Kilian.

Mutiger Retter zögert keine Sekunde

Tom Tietze (17) zeigt Anfang September den Rettungsring, der ihm geholfen hat, den Oberkörper des bewusstlosen Mannes über Wasser zu halten. Foto: Gettkowski/Archiv
Tom Tietze (17) zeigt Anfang September den Rettungsring, der ihm geholfen hat, den Oberkörper des bewusstlosen Mannes über Wasser zu halten. Foto: Gettkowski/Archiv
Tom Tietze wird am 1. September in Weener zum Helden. Der 17-Jährige zögert bei einer Rettungsaktion keine Sekunde. Er springt ins brackige Wasser des Hafens von Weener, um einen Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Der Jugendliche aus Linz macht mit seinen Eltern mit dem Wohnmobil im Urlaub eine Stippvisite im Hafen. Sein Vater Holger bemerkt am Abend, wie ein Mann offenbar aufgrund gesundheitlicher Probleme plötzlich rückwärts ins Hafenbecken stürzt. Durch einen Sprung ins Wasser gelingt es Tom Tietze, den Körper des Mannes bis zum Eintreffen weiterer Rettungskräfte über Wasser zu halten. Für seinen mutigen und selbstlosen Einsatz wird der junge Retter von der Stadt Weener mit einem Präsentkorb belohnt. Der 79 Jahre alte Gerettete stirbt allerdings kurz darauf an den Folgen seiner Vorerkrankung.

Alte Burg in neuem Glanz

Die historische Burg Stickhausen ist saniert. Das wird gefeiert.
Die historische Burg Stickhausen ist saniert. Das wird gefeiert.
Vor etwas mehr als zwei Jahren hat die Samtgemeinde Jümme die mittelalterliche Burganlage in Stickhausen aus Privatbesitz gekauft. Was folgt, ist eine umfangreiche und mit finanzieller Förderung des Bundes und der Europäischen Union unterstützte Sanierung des mittelalterlichen Wehrturms von 1498. Rund 300.000 Euro werden ausgegeben, um das historische und für Ostfriesland einmalige Gebäude zu erhalten. Am ersten Wochenende im September steht der Burgturm erstmals der Öffentlichkeit offen. Im Erdgeschoss richtet der Burgverein Stickhausen inzwischen den ersten Teil eines Museums ein. Dargestellt wird die Wohnung des ehemaligen Amtsdieners Johann Andreas Gerdes, der dort von 1819 bis 1860 mit seiner Frau und seinen 13 Kindern lebte.

Extra Geld für Schulen

Einen Zuschuss über 898.000 Euro bekommt die Gemeinde Moormerland für die Einrichtung einer Mensa in der Grundschule Oldersum zugesprochen. Die Schule wird seit dem Vorjahr für den Ganztagsbetrieb umgebaut, doch die Kosten sind zu Beginn des Jahres in die Höhe geschnellt. Weil sie dadurch bei 2,9 Millionen Euro liegen, freut sich die Gemeinde nach den Worten von Kämmerer Timo Pistoor „riesig“ über die Zuwendung. Nach den Sommerferien können zwar die Unterrichtsräume genutzt werden, doch die Mensa ist immer noch nicht in Betrieb. Wegen Lieferschwierigkeiten ist die Kücheneinrichtung bisher nicht fertig. Die Gemeinde Rhauderfehn bekommt ebenfalls Geld für den Bau einer Mensa in der Grundschule Rhaudermoor, und zwar über 954.000 Euro.

Ist Claus Eppmann ein Impfdrängler?

Klinikchef Claus Eppmann gerät Anfang des Jahres in die Kritik, weil er sich vorzeitig impfen ließ.
Klinikchef Claus Eppmann gerät Anfang des Jahres in die Kritik, weil er sich vorzeitig impfen ließ.
Um den Jahreswechsel 2020/21 beginnt die Impfkampagne. Impfstoff ist knapp und bleibt zunächst Menschen über 80 und Personal in medizinischen Einrichtungen mit engem Kontakt zu vulnerablen Gruppen vorbehalten. Claus Eppmann, Geschäftsführer der Trägergesellschaft Kliniken Aurich-Emden-Norden, gehört nicht dazu. Er arbeitet nicht Tag für Tag am Patienten. Dennoch lässt sich der 61-Jährige bereits im Januar gegen Covid-19 impfen.

Das Verhalten des Klinikchefs löst nicht nur unter Klinik-Beschäftigten, die vergeblich auf einen baldigen Impftermin gehofft haben, Empörung aus. Ist Eppmann ein Impfdrängler? Diese Frage wird zum Politikum. Der Auricher Landrat Olaf Meinen und der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff (beide parteilos) erklären, das Vertrauen zum Klinikchef sei „erheblich gestört“.

Der Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung der Kliniken – bestehend aus Mitgliedern des Auricher Kreistags, des Emder Rats und der Arbeitnehmervertretung – setzen einen Gutachter ein. Professor Dr. Martin Rehborn (Dortmund) ist Fachanwalt für Medizinrecht. Er bezeichnet Eppmanns Verhalten als rechtswidrig. Dennoch sei dem Geschäftsführer juristisch keine Schuld nachzuweisen. Er sei vom Impfteam der Klinik eingeladen worden.

Schwachstellen erkennt der Gutachter vor allem in der klinikinternen Organisation. Die Unternehmenskommunikation müsse „zwingend“ verbessert werden. Kreistagsabgeordnete sprechen von einer „Blamage“ und fordern die Entlassung des Geschäftsführers.

An Eppmann perlt die Kritik ab. Er übersteht die Impfaffäre unbeschadet und plant weiter die gemeinsame Zentralklinik für den Landkreis Aurich und die Stadt Emden. Auf dem künftigen Klinikgelände in Uthwerdum (Gemeinde Südbrookmerland) beginnen im Oktober die Archäologen der Ostfriesischen Landschaft mit Untersuchungen des Bodens. Anfang 2022 soll die Entwurfsplanung der 814-Betten-Klinik inklusive Kostenberechnung vorliegen. Voraussichtlich Ende 2022 entscheidet das Land Niedersachsen über die Förderung. Es geht um einen dreistelligen Millionenbetrag. Das neue Krankenhaus soll 2028 eröffnet werden.

Endlich wieder ein Blütenfest

Wiesmoor hat eine neue Blütenkönigin: Anna-Lea Oltmanns alias Hydrangea I. (Mitte) mit den Prinzessinnen Sarah Emkes (links) und Alena Meyer.
Wiesmoor hat eine neue Blütenkönigin: Anna-Lea Oltmanns alias Hydrangea I. (Mitte) mit den Prinzessinnen Sarah Emkes (links) und Alena Meyer.
Im September feiert Wiesmoor wieder ein Blütenfest. 2020 war die traditionsreiche Veranstaltung pandemiebedingt ausgefallen, und Blütenkönigin Nemesia II. (Rena Janßen) musste zwei Jahre lang im Amt bleiben. Ihre Nachfolgerin heißt Hydrangea I. (Anna-Lea Oltmanns). Das Blütenfest läuft aber anders ab als gewohnt. Bei der Wahl der Blütenkönigin auf der Freilichtbühne sind nur 1000 Zuschauer zugelassen (statt 2400), und es gibt keinen Blumenkorso – aufgrund von Lieferengpässen bei den Blüten.

Brandstiftung auf dem Campingplatz

Brandstiftung in Neuharlingersiel: Ein Camper schaut fassungslos auf die Trümmer eines Wohnwagens. Fotos: Archiv/Ortgies
Brandstiftung in Neuharlingersiel: Ein Camper schaut fassungslos auf die Trümmer eines Wohnwagens. Fotos: Archiv/Ortgies
Das neue Jahr beginnt für den Kurverein Neuharlingersiel und einige seiner Gäste mit einem Schrecken. Am frühen Morgen des 19. Januar gehen auf dem großen Campingplatz hinter dem Deich zwei Wohnwagen in Flammen auf. Sie werden völlig zerstört. Da sie nicht bewohnt sind, wird niemand verletzt. Die Polizei vermutet Brandstiftung. Es sollen nicht die einzigen Brände bleiben: Bis in den März hinein gehen immer wieder Wohnwagen oder Vorzelte in Flammen auf. Die Polizei geht nun sicher von Brandstiftung aus. Einige Camper reisen aus Angst ab, andere schlafen nur noch mit offenen Augen. Der Täter wird nicht gefasst.

Burhafe säuft gleich zweimal ab

Für die Wittmunder Ortschaft Burhafe bringt der Sommer deutlich zu viel Regen. Oder vielmehr: zu viel Regen in zu kurzer Zeit. Teile des Ortes saufen innerhalb von sechs Wochen gleich zweimal ab. Im Juni und August kommt punktuell so viel Regen auf einmal herunter, dass ein Entwässern praktisch unmöglich ist. Häuser werden unbewohnbar, Familien müssen ausziehen, die Feuerwehren werden der Lage nur mithilfe von Landwirten Herr, die ihre eigenen Fahrzeuge mitbringen und Wasser aus Straßenzügen abpumpen. Sind das schon Folgen des Klimawandels?

Sabotage am Feuerschiff

Das Emder Feuerschiff wird im Juni Schauplatz eines rätselhaften Sabotageaktes. Offenbar soll es zum Kentern gebracht werden. Foto: Ortgies
Das Emder Feuerschiff wird im Juni Schauplatz eines rätselhaften Sabotageaktes. Offenbar soll es zum Kentern gebracht werden. Foto: Ortgies
Überregional in die Schlagzeilen gerät die Stadt Emden durch einen rätselhaften Sabotageakt im Hafen. Im Juni soll das gerade erst für mehrere Millionen Euro frisch sanierte Feuerschiff offenbar versenkt werden. Nach monatelangen Ermittlungen überführt die Polizei zum Jahresende einen 45-Jährigen. Ihm wird vorgeworfen, Löcher in den Rumpf des schwimmenden Wahrzeichens gebohrt zu haben. Der Fall ist und bleibt schleierhaft.

Klarheit gibt es hingegen für die Borssumerinnen und Borssumer. Nach jahrelangem Hickhack, vielen Ankündigungen, Hiobsbotschaften und Ungewissheiten, wird auf der letzten Ratssitzung des Jahres entschieden, dass das marode Bad saniert wird. Die Ausschreibung ist erfolgt, das Geld bewilligt und freigegeben. Eigentlich kann jetzt nichts mehr schiefgehen. Eigentlich.

Schlüssel auf Zugspitze gelegt

An einem Mittwochmorgen im Mai: Greenpeace-Aktivisten verschaffen sich Zugang zum Verladehafen. Das Ziel: jede Menge Zündschlüssel. Foto: Päschel
An einem Mittwochmorgen im Mai: Greenpeace-Aktivisten verschaffen sich Zugang zum Verladehafen. Das Ziel: jede Menge Zündschlüssel. Foto: Päschel
Eine Verlegung ganz anderer Art spielt sich im Umfeld des Emder Volkswagenwerks ab. An einem Mittwochmorgen im Mai dringen Greenpeace-Aktivisten in den Verladehafen ein und ziehen vor den Augen der verdutzten Wachleute gut 1200 Zündschlüssel aus geparkten Neuwagen ab. Zwei Tage später taucht die Beute auf einem Gletscher der Zugspitze wieder auf.

Applaus bekommen die Umweltaktivisten, die den Konzern mit ihrem Coup öffentlichkeitswirksam als Klimasünder anprangern wollen, nur verhalten. Für viele schießen sie über das Ziel hinaus. Dass Greenpeace sich als Schauplatz für seinen Protest ausgerechnet Emden aussucht, können viele in Ostfriesland nicht verstehen. Denn gerade hier treibt Volkswagen in seinem Werk den Wandel zur Elektromobilität voran. Die Warnungen und Mahnungen der Aktivisten, dass der Automobilhersteller in den Augen der Umweltaktivisten längst nicht alles Mögliche tue, um die Verbrennertechnologie zu überwinden, verpuffen deswegen weitgehend ungehört.

Amazon in Ostfriesland

Im Herbst bekommt die Seehafenstadt Emden den ersten Supermarkt, der – zumindest zeitweise – fast ohne Personal auskommt. In den Nachtstunden ist der Kunde hier nicht nur König, sondern wird selbst zum Kassierer. Die Technik und gute Überwachungskameras machen es möglich.

Apropos schrankenloser Konsum: Bereits im März hebt Amazon den Internethandel für Kunden in Ostfriesland auf ein neues Level. Die Inbetriebnahme des Verteilzentrums am Stadtrand von Emden soll garantieren, dass per Mausklick gekaufte Waren schon am nächsten Tag an die Haustür geliefert werden. Für die einen steht die nun täglich ausschwärmende Amazonflotte in Anthrazit für die schöne neue Shoppingwelt, andere sehen darin das sichere Ende der Geschäftevielfalt.

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