Osnabrück

2021 war wieder ein Jahr des Wolfes: Wird sich das 2022 ändern?

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 30.12.2021 10:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wölfe in einem Wildpark: In freier Wildbahn sind immer mehr der einst ausgelöschten Raubtiere unterwegs. Foto: Carsten Rehder/dpa
Wölfe in einem Wildpark: In freier Wildbahn sind immer mehr der einst ausgelöschten Raubtiere unterwegs. Foto: Carsten Rehder/dpa
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Das Jahr 2021 war in Niedersachsen aber auch darüber hinaus das Jahr des Wolfes. Das Raubtier breitete sich weiter im ganzen Land aus, die Probleme nahmen weiter zu. Die Politik gab sich bislang reichlich wehrlos. Das könnte sich 2022 ändern.

Gut 1770 Einträge umfasst die Liste mittlerweile. Der erste Eintrag stammt vom 9. November 2008: 10 tote Schafe im Landkreis Northeim. Der bislang jüngste vom 11. November dieses Jahres: eine tote Ziege im Landkreis Gifhorn. Es ist die Dokumentation der Folgen der Rückkehr des Wolfes nach Niedersachsen. Die Landesjägerschaft führt im Auftrag des Landes Buch.

Aus anfänglichen Einzelfällen von Wolfsangriffen wurden im Laufe der Jahre eine blutige Routine. Für das Jahr 2021 sind fast 600 tote Nutztiere aufgelistet. Meistens handelte es sich um Schafe. Einzelne Schäfer wie Elbdeich-Schäfer Kay Krogmann haben nach solchen Übergriffen aufgegeben. „Mir fehlt die Kraft“, sagte Krogmann im Herbst unserer Redaktion, bevor er seinen Traumjob an den Nagel hängte. (Weiterlesen: Das Schreien der Schafe: Wie der Wolf einen Schäfer in die Knie zwingt)

Aber in der Liste finden sich auch aufsehenerregende Vorfälle, wie der Riss einer 800 Kilogramm schweren Kuh direkt neben einem Wohnhaus in Wippingen, Landkreis Emsland, Ende Mai. Die Attacke löste Angst und Anti-Wolf-Kundgebungen aus, auf die die Politik im Land mit Beschwichtigungen reagierte.

Nur sehr vereinzelt wurden bislang „Problemwölfe“ auf behördliche Anweisung hin erschossen, die nachweislich immer wieder Schutzzäune überwunden hatten. Um jeden Abschuss gibt es Ärger. Die Genehmigungen hält das Land geheim. Im kommenden Jahr soll ein Gericht entscheiden, ob das Vorgehen legal ist.

So oder so: Auf die Wolfspopulation haben die Einzel-Abschüsse keinen Einfluss. Mittlerweile gibt es allein in Niedersachsen fast 40 Rudel. Einem Rudel können sechs bis acht Tiere angehören. Daneben gibt es noch einzelne Wolfspaare sowie Wölfe auf Wanderschaft. Dementsprechend viele Exemplare des einst ausgerotteten Raubtieres streifen mittlerweile wieder durchs Land.

Geht es nach Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) sind es schlicht zu viele. Er setzt auf „regionales Bestandsmanagement“. So hat es die Ampel-Koalition auf Bundesebene in ihrem Koalitionsvertrag formuliert. Konkret heißt das: Durch eine Reform des Bundesnaturschutzgesetzes wird in letzter Konsequenz regional eine Bejagung der Wölfe ermöglicht, wenn zu viele Raubtiere vorhanden sind.

Lies formulierte es im Gespräch mit unserer Redaktion so: „Wir reden hier nicht über willkürliche Wolfsabschüsse oder die Auslöschung des Wolfes. Es geht um die Grundlage für ein rechtssicheres Vorgehen, wenn es zu zu vielen Wolfsrissen kommt oder die Wolfspopulation regional das verträgliche Maß übersteigt.“

Die notwendige Reform steht noch aus. Aber der Druck wächst. In immer mehr Bundesländern kommt es zu Problemen. Waren zunächst vor allem der Osten und Norden betroffen, wird längst in anderen Landesteilen debattiert und gestritten, was regional zu tun ist. In Nordrhein-Westfalen kam es im Raum Bottrop beispielsweise mehrfach zu Wolfsangriffen auf Ponys. Die Behörden rieten allen Nutztierhaltern in der Region, wolfsabweisende Zäune aufzustellen.

In Niedersachen hat man in diesem Jahr schmerzhaft gelernt, dass diese nicht immer ausreichen: So überwanden Wölfe im Kreis Osterholz einen angeblich wolfssicheren Zaun, der im Zuge eines Pilotprojektes des Landes aufgestellt worden war. Gut 30 Schafe wurden getötet - nicht der erste Vorfall dieser Art in der Region.

Umweltminister Lies versprach vor Ort, per Sondergenehmigung den Abschuss zweier Wölfe aus den zwei Rudeln in der Region erschießen zu lassen. So solle den Raubtieren klar gemacht werden, dass er sich vom Menschen und seinen Nutztieren fernhalten soll. Der Abschuss steht noch aus

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