Wirtschaft
15.000 Kubikmeter Schlick aus Leeraner Industriehafen gebaggert
Zwei für die ansässigen Unternehmen wichtige Großprojekte im Leeraner Industriehafen wurden jetzt beendet. Eines lief wie geplant, das andere wird womöglich noch die Gerichte beschäftigen.
Leer - Mit der Sanierung der Seeschleuse und der Ausbaggerung des Leeraner Industriehafens wurden in den vergangenen Wochen zwei wichtige Projekte für die am Hafen ansässigen Firmen beendet, die darauf angewiesen sind, dass sie auch von großen Schiffen angesteuert werden können. Beide Maßnahmen wurden von der N-Bank gefördert.
Was und warum
Darum geht es: Die Sanierung der Seeschleuse wurde doppelt so teuer, wie vom Ingenieurbüro veranschlagt. Bei der Ausbaggerung des Hafenbeckens waren die Kalkulationen realistischer.
Vor allem interessant für: Mitarbeiter der Unternehmen im Hafen und diejenigen, die sich für den Industriehafen interessieren
Deshalb berichten wir: Zwei für die ansässigen Unternehmen wichtige Großprojekte im Hafen wurden beendet. Wir ziehen Bilanz. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Die veranschlagten Kosten für die Sanierung der Seeschleuse von rund 900.000 Euro haben sich allerdings im Laufe der Arbeiten verdoppelt. Die Förderung fließt allerdings nur für die ursprünglich veranschlagte Summe, der Stadt ist so ein nennenswerter finanzieller Schaden entstanden. Die Kommunalpolitik hat die Stadtverwaltung beauftragt, zu prüfen, ob das Ingenieurbüro dafür haftbar gemacht werden kann. Diese Prüfung laufe noch, sagte Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos) auf Anfrage.
1000 Kubikmeter mehr als geplant
Die Ausbaggerung der Fahrrinne im Industriehafen lief dagegen nach Plan. 14.000 Kubikmeter Schlick sollte die beauftragte Firma Van den Herik aus den Niederlande für 800.000 Euro entfernen, letztlich seien es sogar 15.000 Kubikmeter geworden, so Horst. Das ist so viel, wie in sechs olympische Schwimmbäder passt. 14 Binnenschiffe waren nötig, um die Menge abzutransportieren.
Vor der Ausbaggerung habe die Stadt den Schlick auf Schadstoffe überprüft, es seien aber keine Störstoffe gefunden worden. Das sei wohl auch dem Umstand zu verdanken, dass die für den Betrieb des Hafens zuständigen Stadtwerke schon seit Jahren kontinuierlich belasteten Schlick entfernt hätten, so Horst, der bis November dieses Jahres Vorstand der Stadtwerke war.
Schlick verfüllt Kiesgruben
Ein großer Teil der halben Million Euro, die die Stadt den Stadtwerken für Unterhaltsmaßnahmen im Hafen jährlich zur Verfügung stellt, seien für die Entgiftung eingesetzt worden. Jetzt seien nur noch wenige verunreinigte Kleingebiete übrig. „Wir wissen, wo die sind, und wir sind sicher, dass der belastete Schlick sich nicht durch den Hafen verteilt“, so Horst. Die letzten Reste würden nach und nach entfernt, so wie die Kapazitäten das zuließen. Die Giftstoffe im Schlick stammen zu großen Teilen aus Resten der Anstriche für Schiffsrümpfe.
Der Schlick aus der kurz vor Weihnachten beendeten Ausbaggerung wurde an den Niederrhein transportiert. In Eversael bei Rheinbach würden damit Kiesgruben verfüllt, so Horst. Dort entstehen unter anderem große Naherholungsgebiete. Weil es deshalb besonders wichtig sei, dass der angelieferte Schlick nicht durch Schadstoffe belastet ist, werde dieser vor dem Abladen vor Ort noch einmal getestet. „Aber das ist nicht mehr unsere Verantwortung, sondern Teil des Auftrags an Van den Herik“, betont der Bürgermeister.
Die letzte große Ausbaggerung des Industriehafens sei vor rund 15 Jahren gewesen, sagt Horst. Er sei optimistisch, dass man in Leer in Zukunft weniger Probleme mit dem Sediment haben werde, das aus der Ems durch die Schleuse in den Hafen gespült werde. Das Emssperrwerk soll zur Tidesteuerung eingesetzt werden und die Wucht der Flut bremsen. Dadurch würde die Ems dann weniger Schlick mit sich führen. Aber das Thema Schlick im Hafen und die Gewährleistung des nötigen Tiefgangs werde Stadt und Stadtwerke wahrscheinlich immer beschäftigen – mal mehr und mal weniger.