Afrikahilfe
Gute Zukunftschancen für „kleine Engel“ aus Kenia
Seit 2011 engagiert sich der Verein „Little Angel“ in Kenia. Die Helfer aus dem Rheiderland ermöglichen Waisen eine Schul- und Berufsausbildung. Jetzt unterstützen sie auch alleinerziehende Mütter.
Weener/Kenia - „Little Angel“ (kleiner Engel) heißt der Verein, den die gebürtige Tichelwarferin Anja Friedrich vor zehn Jahren gegründet hat. Zu einer Art Engel ist die 48-Jährige seitdem für die Mädchen und Jungen in dem gleichnamigen Waisenhaus in Likoni, einem Vorort von Mombasa (Kenia), geworden. Der Verein hat mit Hilfe von Spenden aus dem Landkreis Leer vielen Kindern ein Zuhause gegeben und ihnen eine Schulbildung ermöglicht – und die war ein voller Erfolg. Aus einigen Heimkindern sind inzwischen Teenager geworden, die dank der Schulbildung jetzt einen Beruf erlernen.
Was und warum
Darum geht es: Bislang hat der Verein „Little Angel“ nur Waisenkinder bei der Schul- und Berufsbildung unterstützt. In einem neuen Projekt erhalten alleinerziehenden Mütter Starthilfe ins Berufsleben.
Vor allem interessant für: Menschen, die sich für Projekte gegen Armutsbekämpfung in Kenia und die wissen wollen, was mit Spenden des Vereins „Little Angel“ bewirkt werden kann.
Deshalb berichten wir: In den vergangenen Jahren haben viele Menschen aus dem Landkreis Leer den Verein „Little Angel“ unterstützt, den Anja Friedrich und weitere Rheiderländer vor zehn Jahren gegründet haben. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
2009 lernte Anja Friedrich bei einem Besuch in Kenia das Kinderheim kennen und sah die große Not. Zwei Jahre später gründete sie mit weiteren Rheiderländern den Verein und hat seitdem einiges bewegt: Ein Grundstück wurde gekauft, ein neues Gebäude mit angeschlossenem Kindergarten und einer Grundschule gebaut. Inzwischen hat die Einrichtung auch Strom und fließend Wasser und eine kleine Landwirtschaft zur Selbstversorgung – keine Selbstverständlichkeit.
Niedrige Coronazahlen in Kenia
„Im Januar 2020 war ich da – dann kam Corona“, erzählt Anja Friedrich. Erst im September dieses Jahres konnte sie wieder nach Likoni reisen. „Die aktuellen Zahlen in Kenia sind sehr niedrig“, erzählt Friedrich. „Das mag an fehlenden Testungen liegen. Andererseits gibt es auch keine erhöhte Zahl von schweren Erkrankungen. Corona ist vorbei, sagen dort viele“ Sie selbst konnte den Besuch im Waisenhaus kaum abwarten. Die Sehnsucht nach den Kindern, die sie normalerweise mindestens einmal im Jahr besucht, war groß. „Ich war schon überrascht, wie groß einige inzwischen geworden sind.“
Aktuell leben in dem Heim 22 Mädchen und Jungen. Einige haben ihre Eltern verloren, andere stammen aus Familien, die so arm sind, dass sie die Kinder nicht ernähren können. Die kleine Saomu und ihre beiden Schwestern wurden wegen Misshandlungen aus ihren Familien genommen und im Heim untergebracht. Anja Friedrich hat die Worte der vierjährigen Saomu noch im Ohr. „,Das war mein schönster Tag‘, hat sie nach dem Ausflug an den Strand gesagt. Sie will lieber im Heim bleiben als zurück in ihre Familie.“ Diese Worte würden viel über das bisherige Leben der Kinder aussagen. „Kindern ein Aufwachsen in sicherer Umgebung, Schulbildung und eine Zukunft ohne Armut zu ermöglichen und zu sehen, wie glücklich sie sind, das treibt mich an“, sagt Anja Friedrich und freut sich über die Entwicklung ihrer Schützlinge.
Jugendliche erlernen Berufe
45 Kinder des Waisenhauses besuchen inzwischen weiterführende Schulen. Sie werden vom Verein „Little Angel“ finanziell gefördert. „In Kenia gibt es nicht wie bei uns eine Berufsausbildung mit Gehalt“, erklärt die gebürtige Tichelwarferin. Es gebe dort nur eine schulische Berufsausbildung. Die koste Geld und könne von armen Familien nicht finanziert werden. „Zwei junge Mädchen haben sich für eine handwerkliche Ausbildung entschieden: Die eine wird Klempnerin, die andere Elektronikerin.“ Junge Menschen ohne Schulausbildung hätten weniger Chancen, insbesondere Frauen.
Daher will der Verein sie in einem neuen Projekt für alleinerziehende Mütter unterstützen. Es seien Witwen, oder Frauen, die ihre Männer verlassen hätten oder von denen verlassen worden seien. „Wer kein Geld für die Miete hat, landet schnell auf der Straße“, weiß Anja Friedrich. Eine Idee der zehn aktiven Vereinsmitglieder sei es, eine Unterkunft und eine Verdienstmöglichkeit für diese Frauen aufzubauen – mit Spenden, aber auch mit Hilfe zur Selbsthilfe.
Müll sammeln, Armut bekämpfen
Die Frauengruppe „Likoni Women Hope & Eco“ unternimmt jeden Sonnabend Strandreinigungsaktionen gegen ein kleines Entgelt. Anja Friedrich hat sie bei ihrem letzten Kenia-Besuch in diesem Herbst begleitet. „In einem Workshop haben sie die Trennung verschiedener Materialien gelernt und können dieses Wissen jetzt an andere weitergeben“, erzählt sie. Inzwischen hätten die Frauen zwei Tonnen Plastikmüll gesammelt und getrennt. „Allein 400 Kilogramm an Flip-Flops, die jetzt bei einem Kunstprojekt Abnehmer gefunden haben.“
Viele Frauen seien motiviert und fleißig, aber ihnen fehle meist das Startkapital, um ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten zu können. Elf Frauen haben über den Verein ein Darlehen von 400 Euro bekommen. „Das reicht, damit sie sich mit einer kleinen Garküche oder einem Verkaufsstand selbstständig machen können“, erzählt Anja Friedrich. Für die Frauen ist das der erste Schritt in ein selbstbestimmtes Leben.