Einsatz
Ein Fußball für den kleinen Miracle aus Mali
Amnesty-Rhauderfehn und der Verein Afrikanische Diaspora Ostfriesland brachten einer Familie aus Mali Geschenke. Sie lebt jetzt in Westrhauderfehn. Dorthin war es ein langer Weg.
Westrhauderfehn - „Das ist alles für mich?“, fragt Miracle erstaunt in die Runde und schaut zu dem großen Karton voller Geschenke. Als die Gäste nicken, freut er sich riesig und packt alles aus. Eine Federtasche, Brotdose, Trinkflasche, Mütze und Handschuhe. Auch Lebensmittel und Spielsachen sind dabei. Doch der Fußball ist das beste. „Ich bin der Coach, und wer seid ihr?“, fragt Miracle mit dem Ball unterm Arm in die Runde. Am liebsten möchte er gleich im Wohnzimmer loskicken.
Miracle ist fünf Jahre alt und wohnt mit seiner Familie in Westrhauderfehn. Seine Eltern kommen aus Mali. Seit 2016 sind sie in Deutschland, sein älterer Bruder Serge seit vier Monaten. Sie haben an diesem Tag kurz vor Weihnachten Besuch von Amnesty-Rhauderfehn und dem 1. Vorsitzenden der Afrikanischen Diaspora Ostfriesland. Sie bringen nicht nur Geschenke für alle mit, sondern auch Zeit für Gespräche bei Kuchen und Tee. Miracles Familie ist eine von acht Familien, die im Rahmen der Weihnachts-Aktion von ihnen beschenkt wird. Es sind Familien, die vor Krieg, Folter und Unterdrückung nach Deutschland geflohen sind.
„Möchten gerne bleiben“
„Wir sind schon elf Jahre unterwegs bis heute. Von Mali nach Tunesien, Libyen, Italien, dann Schweiz. Jetzt Deutschland. Hier ist alles okay. Wir wollen gerne in Deutschland bleiben. Miracle möchte auch gerne hier bleiben“, berichtet Gbeyo S. „Ich mache eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Das Fahren ist kein Problem, nur in der Schule brauche ich noch Hilfe.“
Die Aktion von Amnesty-Rhauderfehn und der Afrikanischen Diaspora findet anlässlich des Tages für Migration statt. „Unsere Gruppe ist Teil der internationalen NGO Amnesty International und spezialisiert sich auf den Bereich Asylberatung und Integration. Zweck der Aktion heute ist, die menschlichen Werte in unserer Gemeinde zu stärken und ein Gehör für die Menschen in Not zu bieten“, informiert Josef Hamoud (21 Jahre), Gründer und 1. Vorsitzender von Amnesty-Rhauderfehn.
Viele Menschen gaben Spenden
Von der Idee bis zur Umsetzung der Aktion dauerte es zwei Wochen. Innerhalb kürzester Zeit konnten viele Spenden gesammelt werden, um die Kartons für die Familien zu füllen. „Wir sind überwältigt und überrascht, dass so viele Spenden zusammen gekommen sind.“, sagt Marieke Polzin (21 Jahre) von Amnesty-Rhauderfehn. „Man kann sich auf viele Leute verlassen. Wir haben mehr bekommen, als wir dachten.“ So konnte Mohau Brinkmann (19 Jahre), der jüngste der Gruppe, nach Leer fahren, um in der Kreisstadt auch Obdachlose zu beschenken.
Als er zehn Jahre alt war, schrieb Brinkmann auf seinen Wunschzettel für Weihnachten: Weltfrieden. Patricia Borges (21) setzt sich ebenfalls lange für andere ein: „In meiner Heimat Brasilien habe ich Obdachlosen geholfen, im Waisenhaus und Pflegeheim gearbeitet. Das ist sinnvoll. Ich bekomme mehr zurück, als ich gebe. Wir sind alle gleich, egal, welche Hautfarbe du hast oder wie groß dein Haus ist.“
Helfer lebte selber im Asyl
Ali Kone, 1. Vorsitzender der Afrikanischen Diaspora Ostfriesland, ist bei der Gemeinde Westoverledingen für den Bereich Asyl zuständig. Er lebte selbst acht Jahre im Asyl und weiß, wie schwer das ist. Seit 2017 ist der Verein aktiv. „Wir wollen Ausländern und Deutschen helfen. Wenn Asylbewerber unruhig sind, wird es in Deutschland auch unruhig. Wir fördern, dass sich Asylbewerber integrieren“, so Kone.
So gibt es beispielsweise Hilfe bei Ausbildungsplätzen, Behördengängen, gesundheitlichen Problemen und Übersetzungen. „Wenn man Hilfe will, ist es am besten mit der offiziellen Hilfe. Ich bin dankbar, dass wir Kontakt haben zu Amnesty Rhauderfehn. Besonders heute. Das ist super.“ Seit 12 Uhr sind Hamoud, Brinkmann, Polzin, Borges und Ali Kone unterwegs, um alle Familien besuchen zu können. Am frühen Abend ist der letzte Karton überreicht und die letzte Tasse Tee getrunken. Auch wenn es anstrengend war, machte es Spaß. „Es war ein sehr schönes Erlebnis. Wir sind auf offene Arme gestoßen. Auch die Kinder haben sich sehr gefreut“, fasst Hamoud die Aktion zusammen.