Soziales Engagement
Ein Festessen für die, die sonst nichts haben
Auch in diesem Jahr gibt es in Leer mehrere Initiativen, die Obdachlosen in den Weihnachtstagen eine leckere Mahlzeit zukommen lassen. Wegen der Pandemie müssen aber wieder Abstriche gemacht werden.
Leer - Zu Weihnachten gehört für die meisten ein besonders gutes Essen dazu. Damit auch die Obdachlosen und Bedürftigen in Leer sich auf eine leckere Mahlzeit an den Feiertagen freuen können, haben sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten einige Initiativen gebildet, die diese Menschen bewirten. Die Corona-Pandemie sorgt allerdings nun schon im zweiten Jahr hintereinander dafür, dass einige Kompromisse gemacht werden müssen.
„Wir würden so gerne am Heiligen Abend unsere Gäste wieder in unseren Räumen bewirten“, sagt Else Bierbrauer von der Suppenküche der Christuskirche in Leer, die seit nunmehr 23 Jahren sonntags Obdachlose und Bedürftige mit einer warmen Mahlzeit versorgt. Die direkte Begegnung, das Gespräch miteinander und auch das gemeinsame Singen seien ihrem Team und auch den Besuchern besonders wichtig – aber nun im zweiten Jahr nicht möglich. „Wegen der Abstandsregeln dürften wir nur einen Bruchteil derjenigen reinlassen, die vor der Türe stehen werden, das geht natürlich nicht“, sagt Bierbrauer.
Mahlzeiten zum Mitnehmen
Deshalb werde man es wie auch an den Sonntagen im Jahr handhaben: Die Gäste werden durchs Fenster bedient und bekommen Essen zum Mitnehmen und selber warm machen. „Es gibt Kartoffelsalat mit Würstchen, das hat schon Tradition“, sagt Bierbrauer. Als zweite Mahlzeit Rouladen mit Rotkraut und einem Weihnachtsdessert, dazu die heiß begehrten Weihnachtstüten mit verschiedenen Leckereien, die vom Lions-Club gespendet würden, und selbst gestrickte Schals und Mützen. „Wir rechnen mit etwa 100 Gästen an dem Tag und haben versucht, im Vorfeld zu regeln, dass nicht alle auf einmal kommen“, sagt Bierbrauer.
Auch im Haus Hamburg in der Rathausstraße wird es Heiligabend eine warme Mahlzeit für Obdachlose geben. Was genau, verrät Chefin Sunna Wagemann noch nicht. Sie rechnet mit etwa 25 Gästen. „Das sind die, die das ganze Jahr zu mir kommen.“ Jeden Sonntag gibt es bei etwas zu essen für Wohnungslose und Bedürftige. „In der Woche gibt es jeden Tag ein Fischbrötchen und eine Schale Pommes, dann aber für einen Euro. Ich möchte, dass ihnen bewusst bleibt, dass es nicht alles umsonst gibt.“
Bäckerei-Frühstück wurde durch Mahlzeit am Kältebus ersetzt
Das traditionelle Obdachlosenfrühstück in der Leeraner Bahnhofsfiliale der Bäckerei Hoppmann muss in diesem Jahr allerdings ausfallen. „Das wäre mit der 2G-Regelung leider nicht möglich gewesen, da nicht alle Obdachlosen geimpft sind“, sagt Geschäftsführerin Jeannine Hoppmann dieser Zeitung. Zusammen mit Wilfried Gastmann von der Ambulanten Wohnungslosenhilfe der reformierten Kirche habe man sich daher dazu entschieden, stattdessen schon am vergangenen Sonnabend den Bedürftigen beim Kältebus am Bahnhof etwas zu essen und warme Getränke zu spendieren.
„Wir hoffen, dass das Obdachlosenfrühstück im kommenden Jahr wieder stattfinden kann“, sagt Hoppmann. Auch für die Mitarbeiter sei der Ausfall des Frühstücks schade. „Sie hätten es gerne wieder gemacht und freuen sich immer darauf“, sagt Hoppmann.