Pandemie
Luftfilter: „Die Dinger sind echt klasse“
Die Zahl der Corona-Fälle in Schulen und Kindertagesstätten im Landkreis Leer steigt. Luftfilter können gegen die Ausbreitung von Aerosole helfen. Aber wie sind die Einrichtungen ausgestattet?
Oberledingerland - An immer mehr Grundschulen und Kindertagesstätten im Kreis Leer werden zurzeit Corona-Fälle verzeichnet. In dieser Woche waren kreisweit bereits 35 Schulen und acht Kitas betroffen. Tendenz: steigend. Wie reagieren die Gemeinden als Träger der Grundschulen und zahlreicher Kindertagesstätten darauf? Was unternimmt der evangelisch-lutherische Kindertagesstättenverband Emden/Leer/Rhauderfehn, um das Infektionsrisiko zu minimieren?
„Wir haben für unsere fünf Grundschulen im Laufe des Jahres 58 mobile Luftfiltergeräte angeschafft, um alle Unterrichtsräume damit auszustatten“, berichtet auf Anfrage der im Rhauderfehner Rathaus zuständige Mitarbeiter Marcel Degener. Außerdem habe die Gemeinde zu Jahresbeginn 21 CO2-Messgeräte für die Grundschulen angeschafft. Rund 15.000 Euro habe die Kommune in die technischen Schutzmaßnahmen an den Grundschulen investiert, wovon das Land einiges erstattet habe.
Luftfilter in Langholt
Nanno Heddens, Schulleiter der mit 270 Schülerinnen und Schülern größten Rhauderfehner Grundschule in Langholt, ist begeistert: „Die Dinger sind echt klasse“, sagt er. Die Luftfilter seien leise und mit einer Zeitschaltuhr ausgestattet. Die Geräte, so Heddens, filterten zwar Aerosole, ersetzten jedoch nicht das Lüften der Klassen- und Fachräume, sofern es das Wetter zulasse.
Und bisher sei in diesem Jahr an der Langholter Grundschule alles gut gegangen. Es habe zwei Corona-Fälle, aber keinen größeren Ausbruch gegeben, sagt der Schulleiter.
So sieht es in den Kindertagesstätten aus
Für die kommunalen Kindertagesstätten in der Gemeinde Rhauderfehn sind laut Marcel Degener noch keine mobilen Luftfilter angeschafft worden, weil die Nachfrage der einzelnen Kitas bisher gering sei. Auch die in kirchlicher Trägerschaft agierenden Kitas in Klostermoor und Rhaudermoor haben noch keine Luftfilter. „Dort wird gelüftet“, sagt Kita-Verbandsgeschäftsführer Jens Eden. In den Kitas in Flachsmeer und Steenfelde hingegen seien mobile Luftreiniger im Einsatz, die die Raiba Flachsmeer gespendet habe, so Eden. Für den Kindergarten Wolkenreiter in Ostrhauderfehn sei beim Land ein Zuschuss für die Anschaffung eines Luftreinigers beantragt. „Da warten wir jetzt auf den Bewilligungsbescheid“, erklärt Jens Eden, der darauf verweist, dass es für viele Kitas keine Luftreiniger-Landeszuschüsse gibt, weil die Stätten baulich nicht den Zuschuss-Richtlinen entsprächen.
Da ist man in Westoverledingen weiter: Dort haben 16 von insgesamt 18 Kindergärten und Krippen 53 mobile Luftreiniger bekommen, teilt Pressesprecherin Kirsten Beening mit. Weitere 32 seien an Grundschulen in der Gemeinde verteilt worden. „Einrichtungen, die keine Filter haben, haben dies im Vorfeld abgelehnt“, so Beening.
100 Luftfilter gesponsert
Die Raiffeisenbank Flachsmeer hatte im Frühjahr mehr als 100 Luftfilter gespendet und dafür rund 20.000 Euro ausgegeben, teilt Bankvorstand Matthias Beekmann mit. Außerdem wurden welche aus der Corona-Förderung des Landes Niedersachsen finanziert, so dass der Gemeinde Westoverledingen für die Ausstattung der sieben Grundschulen und 16 Kitas „keine Kosten“ entstanden seien, teilt Beening mit.
Doris Becker, Rektorin der Grundschule Ihrhove, in die 175 Jungen und Mädchen gehen, begrüßt die mobilen Luftfilteranlagen. Aber: Eine Anlage im Klassenraum reiche nicht, um die Luft für 25 Kinder zu filtern, so Becker. Nach wie vor müsse alle 20 Minuten für fünf Minuten gelüftet werden. Nur die Kombination aus beidem helfe.
Anlagen in Ostrhauderfehn beantragt
In der Gemeinde Ostrhauderfehn wird derzeit nicht mit mobilen Luftfilteranlagen gearbeitet, teilt Bürgermeister Günter Harders mit: „Wir werden in den beiden Grundschulen und unseren Kindertagesstätten fest installierte raumlufttechnische Anlagen einbauen.“ Die Bauanträge dafür würden beim Kreis liegen. Geplant sei in der Grundschule Ostrhauderfehn sowie im Kindergarten Holterfehn die Luftfilter mit den laufenden Bauarbeiten zu installieren. Bei der Schule Holterfehn und dem Kindergarten Farbenwelt sollen die Anlagen in den Sommerferien eingebaut werden.
Farbenwelt-Leiterin Monika Fischer freut sich schon auf die Anlage. „Wir müssen die Fenster oft aufreißen“, sagt sie. Dadurch sei es oft zugig. Außerdem werde versucht, viel mit den Kindern im Freien zu unternehmen, so Fischer. Bislang sei alles gut gegangen. Bislang sei nur eine Gruppe in Quarantäne gewesen, weil es in einer Familie einen Corona-Fall gegeben habe.