Tierschutz

Hilfsprojekt soll das Katzenelend eindämmen

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 19.12.2021 18:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Herrenlose und verwilderte Katzen können auch eine Gefahr für Hauskatzen darstellen, die nur ab und zu mal rausgehen, weil sie Krankheiten übertragen können. Durch Kastrationsaktionen soll die Population der Streuner eingedämmt werden. Foto: Gettkowski
Herrenlose und verwilderte Katzen können auch eine Gefahr für Hauskatzen darstellen, die nur ab und zu mal rausgehen, weil sie Krankheiten übertragen können. Durch Kastrationsaktionen soll die Population der Streuner eingedämmt werden. Foto: Gettkowski
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Der Verein „Streunerkatzen Rheiderland“, der sich vor allem um herrenlose oder verwilderte Katzen kümmert, hat bei einem Kastrationsprojekt des Landes Niedersachsen mitgemacht. Wie lief die Aktion ab?

Rheiderland - Wer bei dem Verein im Mittelpunkt steht, erkennt man schon am Namen: „Streunerkatzen Rheiderland“. Andrea Pastoor und ihre Mitstreiter kümmern sich vor allem um herrenlose oder verwilderte Katzen. Die meisten Tiere wurden von ihren Besitzern ausgesetzt. In leerstehenden Gebäuden oder in Scheunen von Bauernhöfen finden sie Unterschlupf und können sich unkontrolliert vermehren. Doch die Freiheit hat ihren Preis. Ohne Versorung durch den Menschen werden die Katzen durch Mangelernährung und Parasitenbefall oft schwer krank. Viele kleine Kätzchen hat Andrea Pastoor schon an den Folgen von Infektionskrankheiten qualvoll sterben sehen.

Was und warum

Darum geht es: Durch freilebende Katzen, die nicht kastriert sind, wird viel Tierleid verursacht. Bis zu viermal im Jahr können Katzen Nachwuchs bekommen. Auf sich allein gestellt, werden viele Katzen krank. Viele sterben schon als Kätzchen qualvoll an Infektionskrankheiten.

Vor allem interessant für: Menschen, denen das Schicksal freilebender Katzen nicht gleichgültig ist.

Deshalb berichten wir: Das Land Niedersachsen hat Geld für ein Kastrationsprojekt bereitgestellt. Wir haben im Rheiderland nachgefragt, wie es angenommen wurde.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Daher hat der Verein auch beim Kastrationsprojekt des Landes Niedersachsens mitgemacht. Um die Population freilebender Katzen einzudämmen, gibt es seit 2017 immer wieder landesweite Kastrationsprojekte. Die Streunerkatzen werden kastriert, mit einem Chip gekennzeichnet und registriert. Am 6. Dezember startete die Kastrationsaktion – auch im Rheiderland. Carola Dams-Ostendorp und Silvia Petelka haben in den vergangenen Tagen an verschiedenen Stellen Fallen aufgestellt – mit Erfolg. „Wir haben an die 50 Katzen eingefangen“, erzählt Andrea Pastoor. Weitere ehrenamtliche Helfer hätten die Fahrt zum Tierarzt und zurück übernommen.

Fördergeld war ruckzuck futsch

Der Tierschutz Rheiderland hat sich ebenfalls an der Aktion beteiligt. „Wir haben insgesamt 20 Katzen eingefangen und kastrieren lassen“, berichtet Iris Holzapfel, die das Tierheim Stapelmoor leitet. Fallen wurden nicht nur im Rheiderland aufgestellt. „Wir haben auch Hinweise aus anderen Teilen des Landkreises Leer und aus Papenburg auf freilebende Katzen bekommen, denen wir nachgegangen sind“, erzählt sie.

Eigentlich sollte die landesweite Aktion zwei Wochen laufen. Doch die Fördersumme von mehr als 250.000 Euro, die dafür zur Verfügung stand, war bereits nach einer Woche ausgeschöpft. „Die Fördersumme ist aufgebraucht und die Aktion ist beendet“ war an diesem Montag auf der Internetseite der Tierärztekammer zu lesen, die die Fördermittel verwaltet.

Land appelliert an Hauskatzenbesitzer

Die Landesregierung hatte für die mittlerweile fünfte Kastrationsaktion 150.000 Euro zur Verfügung gestellt, durch verschiedene Tierschutzorganisationen kamen weitere 102.000 Euro hinzu. Auch einige Tierärzte unterstützten die Aktion. Sie rechneten die Kosten für die Behandlung nach dem einfachen Satz der Gebührenordnung ab und spendeten pro kastriertem Tier 25 Euro in den Fördermitteltopf zurück. Insgesamt konnten nach Auskunft der Landesregierung etwa 2000 Tiere kastriert werden.

Iris Holzapfel geht davon aus, dass sich der Klimawandel auf die Population der freilebenden Katzen auswirkt. „Früher gab es Maikätzchen und Stoppelkatzen. Dies sind Tiere, die im August oder September geboren wurden“, erzählt die Tierschützerin. Weil die Temperaturen heute selbst im Winter vergleichsweise mild seien, würden Katzen mitunter viermal im Jahr Junge zur Welt bringen. Die Kastration geschlechtsreifer Tiere sei daher nicht nur eine sinnvolle Maßnahme, noch mehr Katzenelend zu verhindern. Auf diese Weise könne auch die Katzenschwemme in den Tierheimen reduziert werden.

„Die Kastrationsaktionen haben nur Erfolg, wenn Katzenhalter in Privathaushalten gleichzeitig Verantwortung zeigen und Tiere, die auch Freigang haben kastrieren lassen“, macht die Landesbeauftragte für Tierschutz in Niedersachsen, Michaela Dämmrich, in einer Pressemitteilung deutlich. Anderenfalls würde die Population der Streunerkatzen durch Hauskatzen mit Freigang immer wieder hochgetrieben.

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