Seeltersk

Weihnachten in den friesischen Sprachen

Henk Wolf
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Von Henk Wolf
| 19.12.2021 08:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Henk Wolf
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In Westfriesland, wo Henk Wolf aufwuchs, war das Nikolausfest viel wichtiger als Weihnachten. Die Nordfriesen halten es wieder anders. Sie feiern im Advent das Lucia-Fest.

Das Dezemberfest aus meiner Jugend war Nikolaus - Westfriesisch „Sinteklaas“ - das in den Niederlanden am Abend des 5. Dezember gefeiert wird. Weihnachten war viel weniger wichtig: dann stand zwar ein Baum in Wohnzimmer, und es wurde ausnahmsweise in der Stube statt in der Küche gegessen. Aber Geschenke und Süßigkeiten gab es nur zu Nikolaus.

Das ist in Deutschland anders. Hier ist Weihnachten das große Fest. Weihnachten hat in den friesischen Sprachen ganz unterschiedliche Namen. In Westfriesland sagen wir „krysttyd“: Christ-Zeit also. Den 25. Dezember wird „earste krystdei“ und den 26. „twadde krystdei“ genannt.

zur Person

Henk Wolf (geb. 1973) arbeitet als Sprachwissenschaftler für die Rijksuniversiteit Groningen und als wissenschaftlicher Beauftragter für Saterfriesisch bei der Oldenburgischen Landschaft. Er hat ein Büro im Rathaus der Gemeinde Saterland in Ramsloh und schreibt für den GA in einer wöchentlichen Kolumne über Saterfriesisch.

Die Saterfriesen haben zwei Namen für Weihnachten: „Wiehnachten“ aus dem Plattdeutschen und daneben „Middewinter“, nicht so merkwürdig, denn Weihnachten wird während der kürzesten Tage des Jahres gefeiert. Im Wörterbuch fand ich den saterfriesischen Ausdruck „Steffen uur de Tunne klopje“ (Sankt Stephan über die Tonne klopfen) für sich am 26. Dezember, dem Stephanstag, betrinken.

Die Nordfriesen Weihnachten „jül“. Dieses aus dem Dänischen geliehene Wort bedeutet „Rad“ und deutet auf den Jahreskreis hin. Zwölf Tage vor Weihnachten feiern die Nordfriesen das nordgermanische Lucia-Fest, bei dem Mädchen brennende Kerzen durch die Gegend tragen. Auch dieser Brauch markiert die dunkle Jahreszeit und die anstehende Rückkehr des Lichts.

Der Weihnachtsmann hat im Nordfriesischen den Namen Kinken. Dieser Name ist aus dem niederländischen Wort „Kindeken“ (Kindchen) entstanden. Irgendwie sind im evangelischen Nordfriesland Christus und der Weihnachtsmann zu einer Geschenke bringenden Figur verschmolzen. Die Nordfriesen bereiten sich lange auf Weihnachten vor: sie machen wunderschöne Adventskalender und viele basteln aus Salzteig Figuren, die an ein Holzgerüst gehängt werden – den Kinkenbuum (Weihnachtsmann-Baum). Kontakt: Seeltersk@ga-online.de

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