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Zu wenig Verträge: Ausbau mit Glasfaser auf der Kippe

| | 16.12.2021 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ob die Deutsche Glasfaser, wie auf dem Foto in Brandenburg, auch in Westrhauderfehn, Collinghorst und Ostrhauderfehn verlegt, entscheidet sich bald. Foto: Armin Weigel/dpa
Ob die Deutsche Glasfaser, wie auf dem Foto in Brandenburg, auch in Westrhauderfehn, Collinghorst und Ostrhauderfehn verlegt, entscheidet sich bald. Foto: Armin Weigel/dpa
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Am Samstag endet die Nachfragebündelung der Deutschen Glasfaser für Ostrhauderfehn, Westrhauderfehn und Collinghorst. Die beiden Bürgermeister sehen in dem Projekt eine große Chance.

Rhauderfehn/Ostrhauderfehn - Bis Samstag soll die Entscheidung fallen, ob in Westrhauderfehn, Collinghorst und Ostrhauderfehn das Unternehmen Deutsche Glasfaser den Breitbandausbau vorantreibt oder nicht. Die Bedingung des Unternehmens: Mindestens 40 Prozent der Haushalte in den Ortschaften müssen sich für zwei Jahre vertraglich binden.

Derzeit fehlen aber in beiden Orten rund zehn Prozent. In der Gemeinde Ostrhauderfehn wollen 32 Prozent mitmachen. Collinghorst und Westrhauderfehn werden in der Statistik zusammengefasst. Dort sind es mit Stand vom vergangenen Freitag exakt 27 Prozent.

Glasfaser wichtig bei Grundstücksverkäufen

Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller und sein Ostrhauderfehner Amtskollege Günter Harders haben Ende September verkündet, einen Kooperationsvertrag mit der Deutschen Glasfaser geschlossen zu haben. „Bei Grundstücksverkäufen wird mittlerweile nicht mehr zuerst nach der Entfernung zum Kindergarten oder zur Schule gefragt, sondern nach der dort anliegenden Internetgeschwindigkeit“, schreibt Harders.

Er und Müller sehen die aktuelle Aktion als große Chance, den Breitbandausbau im Zentrum voranzutreiben. „Ich denke, dass es ein so umfassendes Angebot zum eigenwirtschaftlichen Angebot in den nächsten fünf Jahren nicht geben wird. Die hier tätigen Versorger haben derzeit schon Probleme, die ausgeschriebenen Förderprojekte bedienen zu können, sodass ein eigenwirtschaftliches Angebot allenfalls kleinteilig erfolgen wird“, erklärt Müller. Harders ergänzt: „Der von Bund und Land geförderte Ausbau kommt dort nicht infrage, weil die Leistung der Kupferleitungen momentan noch zu hoch ist, um die Förderkriterien zu erfüllen. Andere Telekommunikationsanbieter als die Deutsche Glasfaser haben bislang immer abgewunken, wenn wir nach einem Ausbau der entsprechenden Gebiete gefragt haben. Also entweder jetzt oder in den kommenden Jahren bei Kupfer bleiben.“ Der Hauptnachteil von alten Kupferleitungen ist, dass die Netzgeschwindigkeiten deutlich langsamer sind.

Großvolumige Verträge wegen Home-Office

Wie schnell das Internet in jedem Haushalt sein soll, könne nicht pauschal gesagt werden, erklärt Kathrin Körber von der Verbraucherzentrale in Niedersachsen. Aber: „Durch mobiles Arbeiten mit drei oder vier Leuten und Home-Schooling werden großvolumige Tarife gebraucht.“ Das gelte aber nicht für alle Haushalte: „Wer nur surft, braucht nicht viel.“ Auch das Land Niedersachsen will den Breitbandausbau vorantreiben. Vergangene Woche hat der niedersächsische Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann 14 Förderbescheide des Landes in Höhe von insgesamt 15,5 Millionen Euro an den Leeraner Landrat Matthias Groote überreicht.

Die Ausbaupläne mit der EWE, die auch vom Bund mit 35 Millionen Euro unterstützt werden, sehen ein Hauptprojekt vor, bei dem etwa 6000 Adressen mit schnellem Internet versorgt werden sollen, sowie 13 Verfahren in den Kommunen, in denen rund 1000 Adressen in Gewerbegebieten einen Anschluss erhalten können. Insgesamt geht es um circa 500, zum Teil auch sehr kleine Ausbaugebiete, teilt der Landkreis Leer mit.

Die seien aber keine Alternative zum aktuellen Vorhaben, so Rhauderfehns Bürgermeister Müller. „Mit den vom Land Niedersachsen und dem Bund ausgesprochenen Förderungen konnten nur Gebiete bezuschusst werden, in denen keine 30 Mbit/s, unabhängig vom Anbieter, möglich waren. Die Gebiete sind ganz überwiegend, wie bereits bei der letzten Fördermaßnahme, dezentral. In dem Kooperationsvertrag mit der Deutschen Glasfaser sind ausschließlich Gebiete aufgenommen worden, die weder vom Bund noch dem Land gefördert werden.“ Harders bestätigt: „Nein, das sind zwei völlig unterschiedliche Bereiche.“

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