Tradition

Schönster Job von Leer ist wieder besetzt

Nikola Nording Katja Mielcarek
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Von Nikola Nording und Katja Mielcarek
| 16.12.2021 15:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bürgermeister Claus-Peter Horst (rechts) stellte die neuen Herolde Michael Alsdorf (von links), Hinrich Behrens und Reemt Reemtsema vor. Foto: Stadt Leer.
Bürgermeister Claus-Peter Horst (rechts) stellte die neuen Herolde Michael Alsdorf (von links), Hinrich Behrens und Reemt Reemtsema vor. Foto: Stadt Leer.
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Leer hat endlich wieder drei Herolde. Die Männer, die beim Bauhof der Stadtwerke tätig sind, erzählen im Gespräch mit dieser Zeitung, worauf sie sich freuen und wie das Bewerbungsgespräch war.

Leer - Dieser Job lohnt sich: Einmal im Jahr arbeiten, tolle, bunte Klamotten, wo man auch hingeht, wird man fröhlich und freudestrahlend empfangen und genug zu trinken, gibt es im Einsatz auch. Herold in der Stadt Leer zu sein ist wahrlich ein Traumjob. Der seit Oktober unbesetzt war – bis jetzt. Am Donnerstag teilte Bürgermeister Claus-Peter Horst mit, dass die Stadt Leer und die Stadtwerke Leer eine wichtige „Personalfrage“ klären konnten: Neuer Ausrufer wird Hinrich Behrens (30 Jahre) sein, während Michael Alsdorf (39) die Funktion als Trommler übernimmt und Reemt Reemtsema (59) als Hellebardenträger fungieren wird.

Was und warum

Darum geht es: Nach dem Rücktritt der Herolde in Leer wurden jetzt die Nachfolger gefunden.

Vor allem interessant für: Freunde des Gallimarkts

Deshalb berichten wir: Die Stadt hat die Neubesetzung bekannt gegeben. Außerdem kennt die Herolde in Leer jedes Kind.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de

Der Tradition folgend werden es auch künftig Mitarbeiter der Stadtwerke sein, die in diese Rollen schlüpfen, erklärten Stadt und Stadtwerke in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Dass Herolde aus den Reihen des Bauhofes kommen, sei schon in der Vergangenheit so gewesen, sagt Bürgermeister Claus-Peter Horst auf Nachfrage. Die Herolde seien im Namen der Stadt unterwegs. Als Angestellte des Bauhofs könnten ihre Einsatzzeiten als Dienstzeit abgerechnet werden, außerdem seien sie versichert. Die „Findungskommission“ um Bürgermeister Claus-Peter Horst, Marktmeister Michael Meyer, Torsten Blank vom Ordnungsamt und Jan Tülp, Leiter des Baubetriebshofs der Stadtwerke, sei in dieser Woche im Rathaus mit den drei Kandidaten zu finalen Gesprächen zusammengekommen, teilt die Stadtverwaltung mit.

Bewerbungsgespräche geführt

Und dass sich die drei in dem Bewerbungsgespräch durchsetzen konnten, machte sie richtig froh. „Als ich gehört habe, dass die Stelle frei wird, habe ich gleich gesagt, dass ich mir das schon vorstellen könnte“, teilte Reemt Reemtsema auf Nachfrage mit. Er wusste ja auch schon, was auf ihn zukommt. Schließlich hat er bereits den Heroldsposten in Vertretung übernommen. „Das hat mir damals richtig Spaß gemacht“, so Reemtsema. 2017 hatte er den damaligen Trommler, Franz Krämer, der ausgefallen war, während des Gallimarkts ersetzt. „Das ist ein Glücksfall für uns, weil er natürlich die Route und die Gepflogenheiten schon kennt“, sagt Horst.

Die Trommel schlägt im Gallimarkt-Dreigestirn aber künftig jemand anderes. Michael Alsdorf hat künftig die Schlägel in der Hand. Erfahrung mit Schlaginstrumenten hat er nicht. „Aber ich habe einen Schlagzeuger in der Familie, der kann mir bestimmt etwas zeigen“, sagt er. Die Tradition der Herolde sei beeindruckend, die wolle er gern weiterführen. „Man macht den Job schon einige Jahre“, sagt er. Das sei eine Generationenfrage. Die Amtszeit der Herolde ist nicht begrenzt: „Sie machen das, solange sie wollen“, so der Bürgermeister.

Tradition aufrecht halten

Damit auch alle Leeranerinnen und Leeraner wissen, dass jetzt Gallimarkt ist, brauchen die Herolde natürlich einen Ausrufer. Diese verantwortungsvolle Aufgabe übernimmt Hinrich Behrens. „Dass er mit seiner kräftigen Stimme hervorragend als Ausrufer geeignet ist, konnte er dabei mit einer ausführlichen und lautstarken Kostprobe des ‚Radeau, Radeau, raditjes doe‘-Spruchs eindrucksvoll unter Beweis stellen“, heißt es in der Mitteilung. Ganz textsicher war er vorher nicht, verrät Behrens dieser Zeitung. Lieber habe er im Bewerbungsgespräch den Text vom Blatt rezitiert. Sicher ist sicher. Und es klappte. „Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich jetzt Herold sein darf“, sagte der 30-Jährige. Gallimarkt sei ja auch nur einmal im Jahr, diese Tradition müsse aufrecht gehalten werden.

Bürgermeister Claus-Peter Horst dankte den Stadtwerke-Mitarbeitern für ihre Bereitschaft und zeigte sich erfreut, dass die Neubesetzung so zügig möglich gewesen sei. Da sich nach der Nachricht, dass die bisherigen Herolde ihre Ämter aufgeben, verschiedene Bewerber im Rathaus gemeldet hätten, habe man überlegt, ob man die bisherige Praxis ändern wolle, „aber sie macht aus unserer Sicht einfach Sinn“. Er habe beim Bauhof ausdrücklich danach gefragt, ob nicht auch eine Mitarbeiterin Interesse daran hätte, als Heroldin die Stadt zu vertreten, „leider hat sich niemand gefunden. Ich hätte eine Frau interessant und zeitgemäß gefunden“.

Die Kinder des Kleinen Kindergartens freuten sich im Oktober über die Stippvisite der Herolde Helmuth Kock (von links), Hans-Arno Loerts und Franz Krämer. Foto: Ortgies
Die Kinder des Kleinen Kindergartens freuten sich im Oktober über die Stippvisite der Herolde Helmuth Kock (von links), Hans-Arno Loerts und Franz Krämer. Foto: Ortgies

Am Mittwoch hat der Bürgermeister die Neubesetzung auch im Verwaltungsausschuss bekanntgegeben. Für die drei Herolde stehe nun in Kürze bereits die Einkleidung mit den traditionellen Kostümen bevor. Erst im Oktober hatten die bisherigen drei Herolde, Hans-Arno Loerts, Helmuth Kock und Frank Krämer, nach vielen, vielen gemeinsamen Jahren erklärt, aus persönlichen Gründen künftig nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

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