Ranking
Vier ostfriesische Unternehmen unter Top 100
Zum Jahresende gibt die Nord-LB ihre Liste der umsatzstärksten Unternehmen in Niedersachsen heraus. Diesmal sind vier ostfriesische Firmen unter den Top 100. Der Spitzenplatz bleibt unangefochten.
Hannover - Die Corona-Krise hat auch die Wirtschaft in Niedersachsen schwer getroffen. Bei den 100 größten Unternehmen des Landes gingen die Umsätze im Jahr 2020 – dem ersten Jahr der Pandemie – um gut elf Prozent auf etwa 401 Milliarden Euro zurück. Das geht aus dem jährlichen Unternehmensranking der Norddeutschen Landesbank (Nord-LB) hervor, das am Montag vorgestellt wurde.
Unter die 20 umsatzstärksten Unternehmen in Niedersachsen haben es in diesem Jahr auch wieder zwei aus Ostfriesland geschafft: Die Enercon-Gruppe liegt im Ranking mit einem Umsatz von etwa vier Milliarden Euro auf Platz zehn. In den vergangenen beiden Jahren war der Auricher Windkraftanlagenhersteller nicht gelistet worden, weil das Unternehmen seine Zahlen für 2018 und 2019 jeweils erst im Januar des darauffolgenden Jahres veröffentlichen wollte, wie die Nord-LB bereits vor einem Jahr mitteilte.
Auch Bünting profitiert vom Aufschwung im Handel
Die Leeraner Bünting-Gruppe liegt mit einem Umsatz von gut 1,9 Milliarden Euro im Ranking auf Platz 20 – 2019 hatte der Groß- und Einzelhändler mit 1,7 Milliarden Euro noch auf Platz 25 gelegen. Bünting folgt damit einem Trend, den die Nord-LB im Jahr ausmachen konnte. Denn Zuwächse konnten vor allem Handelsunternehmen verbuchen. So stieg der Umsatz der Drogeriekette Rossmann (Platz fünf, Burgwedel) um sechs Prozent auf knapp 6,8 Milliarden Euro. Der Baumarkt Hagebau (Platz sechs, Soltau) legte um acht Prozent auf 6,5 Milliarden Euro zu.
Als weitere ostfriesische Unternehmen in die Top 100 der Nord-LB geschafft haben es die Nordfrost-Gruppe aus Schortens mit 450 Millionen Euro Umsatz auf Platz 87 sowie die Molkerei Rücker aus Aurich mit knapp 368 Millionen Euro auf Platz 98.
Die ersten beiden Plätze gehören der Autobranche
Angeführt wird das Umsatzranking der Nord-LB wie in den Vorjahren mit deutlichem Vorsprung vom Autobauer Volkswagen. Mit knapp 223 Milliarden Euro zeichnete allein der VW-Konzern für mehr als die Hälfte des Umsatzes der Top 100 in Niedersachsen verantwortlich, obwohl auch die Wolfsburger ein Minus von zwölf Prozent verkraften mussten. Auf den Plätzen zwei und drei folgen der Autozulieferer Continental (knapp 38 Milliarden Euro) und der Reisekonzern Tui (knapp acht Milliarden Euro).
Aus dem Nordwesten Niedersachsens finden sich darüber hinaus im Ranking die Oldenburger EWE AG (Platz acht, sechs Milliarden Euro Umsatz), die Krone-Gruppe aus Spelle (Platz 21, 1,9 Milliarden Euro), die Molkerei Ammerland aus Wiefelstede (Platz 40, eine Milliarde Euro), die CEWE-Stiftung aus Oldenburg (Platz 55, 727 Millionen Euro), Nordland Papier aus Dörpen (Platz 77, 557 Millionen Euro), das Bauunternehmen Johann Bunte aus Papenburg (Platz 85, 481 Millionen Euro) sowie das Kabelwerk Waskönig + Walter aus der Gemeinde Saterland (Platz 91, 432 Millionen Euro).
Meyer-Werft fällt wegen Unternehmenssitz aus dem Ranking
Nicht im Ranking vertreten ist die Papenburger Meyer-Werft. Der Grund: Die Unternehmensgruppe hat ihren Sitz in Luxemburg und gilt somit für die Nord-LB nicht als niedersächsisches Unternehmen.
Für die Landesbank ist es das erste von ihr veröffentlichte Ranking, in dem die Folgen der Corona-Krise berücksichtigt wurden. Nord-LB-Chef Thomas Bürkle erklärte, die Pandemie habe tiefe Spuren hinterlassen. Die Mitarbeiterzahl der Top-100-Unternehmen ging 2020 um rund zwei Prozent auf etwa 1,32 Millionen Beschäftigte zurück. „Das ist angesichts des wirklich dramatischen Einbruchs der gesamtwirtschaftlichen Aktivität im Jahr 2020 schon fast ein moderater Rückgang“, sagte Nord-LB-Chefvolkswirt Christian Lips. Unter anderem das Instrument der Kurzarbeit habe sich dabei bewährt.
Aussichten bleiben angesichts vierter Corona-Welle trüb
Mit Blick auf die weitere Entwicklung erklärte Lips, die Geschäftsaussichten seien derzeit angesichts der vierten Corona-Welle so skeptisch wie seit Anfang 2021 nicht mehr. Zuvor habe es im Jahresverlauf allerdings einen kräftigen Aufholprozess gegeben.
Nach Angaben der Nord-LB legte das Bruttoinlandsprodukt in Niedersachsen im ersten Halbjahr 2021 um 3,9 Prozent zu – und damit stärker als auf Bundesebene. Im dritten Quartal habe sich diese Dynamik abgeschwächt, dennoch sei für das Gesamtjahr mit einem Wachstum von mehr als drei Prozent zu rechnen. Allerdings beeinträchtigten Lieferengpässe die aktuelle Entwicklung. Die Auftragsbücher seien zwar voll, könnten aber nicht vollständig abgearbeitet werden.
Mit Material von DPA