Kolumne: Alles Kultur
Der schönste aller Märkte
Auf unserem Online-Auftritt veröffentlichen wir an sechs Tagen pro Woche eine Kolumne. Montags geht es um unsere Kultur.
Entweder man hasst sie oder liebt sie: Weihnachtsmärkte. In Nicht-Corona-Zeiten finden circa 2500 hierzulande statt. Für die einen ist es purer konsumorientierter Stress, den man mit Verein oder Kollegium ableisten muss, zwischen als Kunsthandwerk feilgebotener industrieller Massenware und bemitleidenswerten, im Kreis laufenden Ponys. Für die anderen sind sie jedoch viel mehr der Duft aus Glühwein und Zuckergebäck, lautes Treiben und Lachen, überlagernde Weihnachtslieder von Kirchenchor und Karussell und aus Liebe verschenkte Lebkuchenherzen.
Ihr wisst bereits von meiner Zeit in den USA, dort habe ich besonders in der Adventszeit mein Zuhause vermisst. Und auch wenn Amerika viel mehr als das ist, was wir hier zu Weihnachten wahrnehmen, konnte es nicht mit dem mithalten, was Weihnachten für mich zu Hause ausmacht – und das, obwohl sich überall eine Überraschung verbergen kann. Ich bin zum Beispiel einmal in New York zu einem Markt gewesen, direkt auf dem Union Square. Und während wir über den Markt schlenderten, sah ich einen Stand mit dem Schild „German Delights“, bestellte alkoholfreien Glühwein und stibitzte einen Spekulatius, während ich laut und deutsch zu meiner Begleitung sagte: „SPE-KUH-LA-TSSI-US!“ Daraufhin drehte sich die Dame vom Stand um und sagte: „Oh, aus Deutschland?“ Ich bejahte und 30 Sekunden später wusste ich, dass sie aus Oldenburg kommt und mit ihrem Bruder jedes Jahr hier Lebkuchen, deutsche Bratwurst und Christstollen verkauft – ein bisschen Heimat in den Staaten.
Mit meinem Trio Sweet Sugar Swing habe ich die letzten zehn Jahre wiederum amerikanische Weihnacht in unser Land auf die Märkte gebracht. Wir haben musikalische Überraschungsbesuche gemacht, und das vermisse ich in diesem Jahr besonders. Ich habe also schon viele Märkte gesehen und kann trotzdem nicht sagen, welcher der schönste ist. Wahrscheinlich der, wo wir mit roten Wangen, wärmenden Maronen in der Manteltasche, dampfendem Glühwein in den Händen stehen und die Menschen um uns herum ihn zum schönsten aller Märkte machen.
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