Verkehr

Fahrradfreundlicher Innenstadtring: Statt 40 müssen nur drei Bäume weichen

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 10.12.2021 19:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wo einst Abstellplätze waren, führt nun der Fahrradstreifen an der Heisfelder Straße entlang. Foto: Wolters
Wo einst Abstellplätze waren, führt nun der Fahrradstreifen an der Heisfelder Straße entlang. Foto: Wolters
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Der fahrradfreundliche Umbau des Innenstadtrings in Leer war lange umstritten. Nun gibt es kaum kritische Stimmen – auch weil sich so manche Befürchtung nicht bewahrheitet.

Leer - Der Beginn des fahrradfreundlichen Umbaus des Innenstadtrings Ostersteg – Bürgermeister-Ehrlenhotz-Straße – Friesenstraße – Heisfelder Straße war ziemlich holprig. Erst gab es heftige Diskussionen, ob das Projekt überhaupt Sinn macht. Vor allem aus den Reihen der Kaufleute gab es Widerstand, weil sie befürchteten, dass ihre Kunden in Zukunft die Innenstadt meiden würden. Dann musste vor anderthalb Jahren ein mehrmonatiger Planungsstopp eingelegt werden. Die Kosten waren vom beauftragten Planungsbüro unrealistisch geplant worden und liefen nun aus dem Ruder.

Was und warum

Darum geht es: Die Fällung von 40 Bäumen für den fahrradfreundlichen Umbau des Innenstadtrings ist vom Tisch. Allerdings fallen einige Stellplätze weg.

Vor allem interessant für: Verkehrsteilnehmer in den Innenstadt

Deshalb berichten wir: Die Stadtverwaltung hat über den Stand der Dinge beim Projekt Facit berichtet.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Rund 90 Prozent der ursprünglich eingeplanten Kosten für das Projekt Facit, zu dem neben dem Umbau des Innenstadtrings auch der Bau einer Fahrradstation am Bahnhof, Fahrradabstellplätze im Bereich der Fußgängerzone und am Ostersteg sowie Zählstationen gehören, werden gefördert. Die Mehrkosten allerdings müsste die Stadt alleine zahlen.

Angenehmer Nebeneffekt

Die Stadtverwaltung musste umplanen und fand eine Lösung, die einerseits die Kosten im vorgegebenen Rahmen hielt und trotzdem den Radfahrern den gewünschten Komfort und die erforderliche Sicherheit bringt. Was damals noch gar nicht Gegenstand der Diskussion um die neuen Pläne war, sorgt jetzt für zufriedene Gesichter: Dank der neuen Pläne werden beinahe 40 Bäume erhalten, die eigentlich gefällt werden sollten. Wahrscheinlich müssten insgesamt nur drei Bäume entlang des Innenstadtrings entfernt werden, erklärte Christiane Wüsteney-Arbabi vom Fachdienst Mobilität und Verkehr der Stadtverwaltung den Mitgliedern des Ausschusses für Energie, Klima, Umwelt und Verkehr am Mittwoch. „Wir haben überall drumherum geplant.“

Laut ursprünglicher Planung sollten vor allem in der Friesenstraße die dortigen Bäume gefällt und durch neue ersetzt werden, um eine Allee entstehen zu lassen. Heute sagt Jürgen Hoffmann, Fachdienstleiter Mobilität und Verkehr, dass aus der Allee möglicherweise gar nichts hätte werden können. Es sei zweifelhaft, ob die für Neuanpflanzungen geltenden Vorschriften beispielsweise, was den Platzbedarf der Bäume und die Abstände zu Hauswänden und Verkehrsflächen angehe, überhaupt einzuhalten gewesen wären.

Einige Stellplätze fallen weg

Diese Nachricht sei sehr positiv, sagte Sönke Eden. „Dass es aber überhaupt soweit gekommen ist, dass die Bäume gefällt werden sollten, wenn das gar nicht notwendig war, ist ein Hammer.“ Bäume können also erhalten werden, auf einige Stellplätze entlang des Innenstadtrings werden Autofahrer in Zukunft wegen der neuen Pläne aber verzichten müssen. Wie viele das sein werden, konnte Hoffmann noch nicht genau sagen. Anfang des Jahres wolle er dem Ausschuss „eine Stellplatz-Bilanz von Facit“ vorlegen. „Alles kann man nicht haben“, so Hoffmann.

Eine Änderung in der Verkehrsführung in der Heisfelder Straße sei offenbar bei vielen Verkehrsteilnehmern noch nicht angekommen, berichtete Beate Stammwitz (SPD). Früher durfte von beiden Spuren der Heisfelder Straße nach links in den Ostersteg eingebogen werden. Jetzt ist das nur noch von der linken Spur erlaubt, die rechte ist eine reine Geradeausspur. „Viele Autofahrer biegen aber auch von der rechten Spur nach links ab und landen dann zwangsläufig auf dem roten Fahrradstreifen“, so Stammwitz. Die Stadtverwaltung sagte zu, mit zusätzlichen Verkehrsschildern in der Heisfelder Straße den Gewohnheiten den Leeraner Autofahrern entgegenzuwirken.

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