Osnabrück

Inflationsschock: Höchste Zeit, dass sich was tut

Uwe Westdörp
|
Von Uwe Westdörp
| 10.12.2021 16:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ein Einkauf liegt in einem Einkaufswagen in einem Supermarkt. Die Inflation in Deutschland ist im November 2021 auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren gestiegen. Foto: Fabian Sommer/dpa
Ein Einkauf liegt in einem Einkaufswagen in einem Supermarkt. Die Inflation in Deutschland ist im November 2021 auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren gestiegen. Foto: Fabian Sommer/dpa
Artikel teilen:

Der Heizölpreis verdoppelt sich binnen eines Jahres. Die Teuerungsrate in Deutschland springt über die Marke von fünf Prozent. Zeit, dass sich was tut. Ein Kommentar.

5,2 Prozent Inflation - das ist ein Schlag ins Kontor, besonders für Menschen mit wenig Geld, die in der Regel einen größeren Anteil ihres Einkommens für die Lebenshaltung ausgeben müssen: Alte und Alleinerziehende zum Beispiel. Es trifft aber auch die Mittelschicht, wo Löhne und Gehälter erodieren. Selbst diejenigen, die tarifvertraglich und damit meist besser bezahlt werden als andere Arbeitnehmer, müssen im laufenden Jahr einen Reallohnverlust von 1,4 Prozent hinnehmen, weil die Inflation schneller steigt als die Löhne und Gehälter.

Lesen Sie auch:

Die vage Hoffnung, im kommenden Jahr könnte die Inflation wieder niedriger sein, hilft da wenig: Schon jetzt ist für die große Mehrheit spürbar weniger Geld in der Kasse. Hinzu kommt die Abschaffung der Sparzinsen, so dass auch viele Rücklagen drastisch entwertet werden. Und nun?

Nun ist es an der Zeit, die Zinswende einzuleiten. Zudem kann man die für Beschäftigte so wertvolle Tarifbindung dadurch stärken, dass öffentliche Aufträge nur noch an Firmen gehen, die Tarife zahlen. Auch ist es überfällig, die Kurve der Einkommensteuertarife abzuflachen, damit mehr netto vom Brutto bleibt. Und schließlich müssen die Regelsätze in der Grundsicherung angehoben werden. Stand heute soll es zum Jahreswechsel drei Euro mehr Hartz IV geben. Das ist keine Anhebung der Leistung, sondern de facto eine Kürzung.

Natürlich ist es wichtig, die Inflation nicht durch überzogene Forderungen anzuheizen. Aber das tun die Gewerkschaften aktuell auch nicht. Sie verhalten sich einmal mehr sehr moderat. Ein Inflationsausgleich aber muss sein. Das gilt umso mehr, als die Corona-Krise und die anlaufende Transformation den Menschen sehr viel abverlangt: Weitere Kostensteigerungen sind schon programmiert.

Ähnliche Artikel