Corona

Inzidenz ungeimpfter Schüler liegt in Ostfriesland über 500

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 08.12.2021 21:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Corona-Inzidenzen von ungeimpften Schülern sind besonders stark gestiegen. Drohen bald wieder Schulschließungen? Foto: Riedl/dpa
Die Corona-Inzidenzen von ungeimpften Schülern sind besonders stark gestiegen. Drohen bald wieder Schulschließungen? Foto: Riedl/dpa
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Die Corona-Inzidenzen von ungeimpften Schülern sind in Ostfriesland stark gestiegen. Eine Immunologin warnt, dass immer noch unklar sei, welche Langzeitfolgen auch symptomlose Infektionen haben könnten.

Ostfriesland - Wie schwer trifft die vierte Corona-Welle Kinder und Jugendliche in Ostfriesland? Die Inzidenz der Sechs- bis Elfjährigen, also der ungeimpften Schulkinder, lag vergangene Woche bei 504,97. Das geht aus der Statistik des Robert-Koch-Instituts hervor, welche die Infektionsmeldungen aus den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund sowie der Stadt Emden enthält.

Eine Woche vorher lag der Wert bei 512,92, was 129 Neuinfizierten entsprach. Zwei weitere Wochen vorher betrug die Inzidenz 131,21. Da wurden 33 Neuinfektionen erkannt.

Andere Altersgruppen sind weniger stark betroffen

Im Kita-Alter – unter ebenfalls ungeimpften Kindern – lag die Inzidenz niedriger: zwischen 73,63 und 158,89. Den höchsten Wert erreichten die Elfjährigen – in der vergangenen Woche: 752,41. Bei den Zwölf- bis 16-Jährigen bewegte sich die Inzidenz zuletzt zwischen 80,57 und 340,18. Sie können sich seit dem Sommer gegen das Virus impfen lassen.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat am 25. November den Impfstoff von Biontech für Fünf- bis Elfjährige zugelassen. Sie sollen eine niedrigere Dosis des Wirkstoffs gespritzt bekommen: Zehn statt 30 Mikrogramm.

Impfstoff für Grundschüler ab 13. Dezember

Die Ständige Impfkommission (Stiko) will bis 13. Dezember über eine Empfehlung entscheiden. Das sagte Stiko-Mitglied Martin Terhardt vor kurzem in der ZDF-Sendung von Markus Lanz. Erst ab diesem Zeitpunkt sei der Kinder-Impfstoff in Europa verfügbar.

Für Niedersachsen hat das Landesgesundheitsamt am 6. Dezember eine Inzidenz von 203,4 bei den Null- bis Fünfjährigen, von 500,4 bei den Sechs- bis Elfjährigen, von 268,8 bei den Zwölf- bis 19-Jährigen sowie beispielsweise von 101,5 bei den 60- bis 79-Jährigen registriert. Die Inzidenz der Gesamtbevölkerung betrug 206,1.

Was berichten ostfriesische Gesundheitsämter?

Die Lage-Beschreibungen aus den ostfriesischen Kreisverwaltungen und der Stadtverwaltung Emden unterscheiden sich. „Die Situation an den Schulen und Kitas normalisiert sich zur Zeit“, hieß es aus Emden. Die Zahl der infizierten Kinder und Jugendlichen habe am 1. Dezember bei 67 und am 7. Dezember bei 68 gelegen. Zeitgleich sei die Zahl der Quarantäne-Fälle von 176 auf 114 zurückgegangen. Bei den Sechs- bis Elfjährigen weist Emden in Ostfriesland die höchsten Inzidenzen auf – das geht aus der Statistik des Robert-Koch-Instituts hervor. Demnach lag sie vergangene Woche bei 776,63, gefolgt vom Landkreis Leer (572,82), dem Kreis Wittmund (527,7) und dem Kreis Aurich (360,47).

Die Auricher Kreisverwaltung schrieb am Dienstag: „Das Infektionsgeschehen umfasst alle gesellschaftlichen Bereiche, aber zweifellos sind Schulen und Kindertagesstätten hiervon in einem nicht unerheblichen Umfang betroffen.“ Positive Fälle gebe es aktuell an 24 Schulen und an sieben Kitas. Infiziert seien 72 Kinder und Jugendliche sowie zwölf Lehrkräfte beziehungsweise andere Beschäftigte.

Unterschiedliche Entwicklungen in Ostfriesland

Die Wittmunder Kreisverwaltung berichtete: „In den letzten zwei Wochen hatten wir lediglich einen kleineren Ausbruch in einer Schule (fünf positive Fälle in einer 5. Klasse).“ Ansonsten handle es sich „zumeist um Einzelfälle in den verschiedenen Schulen und Kitas“. Es gebe „immer wieder positive Schnelltests an den Schulen“, die sich teilweise bei der PCR-Testung bestätigen würden.

Die Kreisverwaltung Leer teilte mit: „Mit Stichtag 8. Dezember sind 39 Einrichtungen betroffen, davon sieben Kindergärten und 32 Schulen.“ Vor rund drei Wochen seien es nur 18 Einrichtungen gewesen. „Das Infektionsgeschehen nimmt auch bei den Kindern und Jugendlichen zu.“

Kinder erkranken weiterhin nur selten

Eine Zunahme von Covid-19-Erkrankungen bei Kindern sei bislang nicht feststellbar, berichtet der Emder Kinderarzt Götz Gnielka aus der Praxis am Kattewall. Er vermutet, dass die häufigen Tests von Schulkindern dazu führen, dass bei ihnen überdurchschnittlich viele Infektionen entdeckt werden.

Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Professorin Christine Falk, ist froh, dass infizierte Kinder „nicht so viele Symptome haben“. Sie sagte am Dienstag bei Markus Lanz im ZDF: „Trotzdem würde ich mir wünschen, dass wir nicht so viele Kinder infizieren, weil wir nicht genau wissen, was das eigentlich für Langzeitfolgen hat.“

Niedersachsens Landesregierung bezuschusst mobile Luftreiniger weiterhin nur für „eingeschränkt belüftbare Räume“ in Schulen und Kitas. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass beispielsweise Luftfiltergeräte das Risiko einer Ansteckung über die Raumluft grundsätzlich verringern.

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