Kriminalität

50 Schleuser-Razzien: Beamte schlagen auch im Ammerland zu

| | 08.12.2021 15:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Rund 1100 Zöllner waren an den Razzien beteiligt. Symbolfoto: Zoll
Rund 1100 Zöllner waren an den Razzien beteiligt. Symbolfoto: Zoll
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Der Bundespolizei und dem Zoll ist ein großer Schlag gegen ein mutmaßliches Kriminellen-Netzwerk gelungen: Sie stellten Vermögen von mehr als 19 Millionen Euro sicher – auch in der Nähe Ostfrieslands.

Berlin/Ammerland - Die Bundespolizei und der Zoll sind am Mittwochmorgen mit Durchsuchungen von mehr als 50 Gebäuden gegen ein mutmaßliches Schleuser-Netzwerk vorgegangen. Laut einer Mitteilung der Generalstaatsanwaltschaft (GStA) Berlin, der Bundespolizeidirektion Berlin und des Hauptzollamtes Potsdam sind neun Haftbefehle gegen Männer und einer gegen eine Frau vollstreckt worden. „Mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften kam es zu Durchsuchungen in zwölf Bundesländern“, heißt es in der Mitteilung. Der Schwerpunkt habe in Berlin und Brandenburg gelegen, doch auch in Niedersachsen und Bremen schlugen die Ermittler zu. Eine GStA-Sprecherin sagte der Redaktion, dass es auch eine Durchsuchung in unmittelbarer Nähe zu Ostfriesland gegeben habe: in Wiefelstede im Ammerland. Außerdem hätten Beamte in Niedersachsen Objekte in Buxtehude, Verden und Hannover durchsucht.

Details zur Durchsuchung im Ammerland nannte die Sprecherin auch auf Nachfrage nicht. Die Dezernentin, die sich um den Fall kümmere, sei derzeit sehr eingespannt – mit der Leitung der Ermittlungen. Fest steht indes, dass dem mutmaßlichen Schleuser-Ring unter anderem banden- und gewerbsmäßiges Einschleusen von Ausländern, Urkundenfälschung, organisierte Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung vorgeworfen werden. Durchsucht wurden laut den Ermittlern Wohnungen von Verdächtigen, Firmen, Geschäftsräume, Logistikzentren und Wohnunterkünfte von Arbeitnehmern. Beschlagnahmt worden seien unter anderem mehr als 80 nationale und internationale Konten, diverse Immobilien, hochwertige Autos und „weitere Luxusgüter“ – im Wert von mehr als 19 Millionen Euro. Ursprung der Ermittlungen seien Kontrollen in Logistikzentren gewesen – bei denen gefälschte EU-Ausweispapiere sichergestellt wurden.

Bis zu 1000 illegale Arbeitnehmer

Nach bisherigen Ermittlungen bestehe der Verdacht, dass die Beschuldigten – vorwiegend Deutsche und Russen – Verleihunternehmen im Baltikum und in Deutschland zur Entsendung von Leiharbeitnehmern gegründet und genutzt hätten, um Leiharbeiter an große deutsche Logistikunternehmen zu entsenden, schreibt die GStA. Die Arbeitnehmer hätten überwiegend aus der Ukraine und Moldau gestammt – also aus Nicht-EU-Staaten. „Diese sogenannten Drittstaatsangehörigen wurden dann mit falschen Identitäten und gefälschten Dokumenten einer EU-Staatsbürgerschaft ausgestattet, um so scheinbar den Aufenthalt in Deutschland zu legalisieren“, heißt es aus Berlin. Bisherige Überprüfungen legten den Verdacht nahe, dass so bis zu 1000 illegale Arbeitnehmer über das Firmengeflecht dem deutschen Arbeitsmarkt zugeflossen seien.

Der mutmaßliche Kopf der Bande, ein 49-jähriger Mann, sowie ein 62-jähriger Steuerberater konnten den Ermittlungen zufolge in Bremen festgenommen werden. „Der Haftbefehl gegen einen 47-Jährigen konnte nördlich von Bremen in Niedersachsen vollstreckt werden“, schreiben sie. Im Zusammenhang mit den Durchsuchungen hätten die Einsatzkräfte außerdem 275 Personen angetroffen, „bei denen der Aufenthaltsstatus unklar ist und der Verdacht des unerlaubten Aufenthaltes und der unerlaubten Arbeitsaufnahme besteht“. Bei diesen Fällen dauerten die polizeirechtlichen und strafprozessualen Bearbeitungen noch an. Am Mittwoch im Einsatz waren mehr als 2200 Beamte, darunter rund 1100 Zöllner und etwa 250 Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks sowie 850 Bundespolizisten einschließlich Spezialkräfte der Bundespolizei ein.

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