Tiere

2G+ – eine Katastrophe für viele Pferdefreunde

Tatjana Gettkowski
|
Von Tatjana Gettkowski
| 07.12.2021 19:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ihre Pferde zu versorgen, ist für viele Reiter mühsam geworden. Wegen der in Reitställen aktuell geltenden 2G+-Regelung, müssen Erwachsene, die noch nicht geboostert sind, auf Reitanlagen einen negativen Coronatest vorweisen. Wer gar keine Impfung hat, steht auf dem Schlauch. Foto: Ortgies
Ihre Pferde zu versorgen, ist für viele Reiter mühsam geworden. Wegen der in Reitställen aktuell geltenden 2G+-Regelung, müssen Erwachsene, die noch nicht geboostert sind, auf Reitanlagen einen negativen Coronatest vorweisen. Wer gar keine Impfung hat, steht auf dem Schlauch. Foto: Ortgies
Artikel teilen:

Seit der vergangenen Woche gilt in Reitställen die 2G+-Regelung. Viele Pferdebesitzer können nur noch in den Stall, wenn sie einen negativen Test vorweisen können. Das sorgt jetzt für Probleme.

Rheiderland - „Als ich in der vergangenen Woche per Whatsapp von der 2G+-Regelung in unserem Reitstall erfahren habe, war ich sprachlos“, sagt Jelena Naß. Obwohl die 24-Jährige geimpft ist, darf sie nur noch mit einem negativen Antigen-Test zu ihren Pferden Ceo und Merlin in den Reitstall in Ihrhove. Die Coronaschutz-Regelung betrifft unzählige Pferde- und Ponybesitzer. „Das kann nicht im Sinne des Tierwohls sein.“

Was und warum

Darum geht es: Die verschärften Corona-Verordnungen sollen eine weitere Ausbreitung des Virus eindämmen. Aufs Tierwohl hat die aktuelle Verordnung negative Auswirkungen.

Vor allem interessant für: Reiter und Pferdebesitzer.

Deshalb berichten wir: Uns haben Pferdebesitzer auf die Probleme aufmerksam gemacht, die durch die neue Verordnung entstehen.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Ihre beiden Pferde zu versorgen und bewegen, stellt die junge Frau aus Steenfelde vor besondere Herausforderungen. „Ich habe nur noch zwei Prozent Sehkraft und kann daher nicht selbst Autofahren“, erzählt sie. Ihre Mutter habe Testtermine organisiert und sei mit ihr zum Testzentrum gefahren. Im Verein werde zwar auch ein Selbsttest unter vier Augen akzeptiert. „Man bekommt ja nicht mal mehr Schnelltests in den Geschäften zu kaufen.“ Weil völlig ungewiss sei, wie lange die Situation sich noch hinziehe, habe sie sich schon gefragt, wie lange sie unter diesen Umständen ihren Tieren noch gerecht werden könne. Mit dieser Sorge steht sie nicht alleine da.

Pferde kann man nicht einfach im Stall stehen lassen und sie sich selbst überlassen. Die Besitzer müssen dafür Sorge tragen, dass die Tiere ihr starkes Bewegungsbedürfnis ausleben können. Foto: Ortgies
Pferde kann man nicht einfach im Stall stehen lassen und sie sich selbst überlassen. Die Besitzer müssen dafür Sorge tragen, dass die Tiere ihr starkes Bewegungsbedürfnis ausleben können. Foto: Ortgies

Eine schlaflose Nacht

„Als ich von der Regelung gehört habe, hatte ich eine schlaflose Nacht“, erzählt Melanie Becker. Ihr Pferd hat sie auf der Anlage des Reitvereins Tammingaburg untergebracht. Ihre größte Sorge sei gewesen, ihr Tier nicht versorgen zu können. „Pferde sind keine Sportgeräte, die man in der Ecke stehen lassen kann, wenn man keine Zeit hat“, macht sie deutlich. Die Pferdebesitzer hätten eine Fürsorgepflicht für ihre Tiere und müssten dem Bewegungsbedürfnis nachkommen. „Im Moment ist es aufgrund der fehlenden Kapazitäten so gut wie unmöglich, sich jeden Tag in einem Testzentrum testen zu lassen“, sagt sich die Pferdebesitzerin. Sie selbst kann allerdings seit dem Wochenende aufatmen. „Ich habe an Martini meine Booster-Impfung bekommen. Daher bin ich von der Testpflicht befreit.“

Auf der Anlage des Reit- und Fahrvereins Rheiderland (RuF) in Bunde hat die neue Regelung ebenfalls für Irritationen gesorgt. „Die neue Verordnung kam ja praktisch Hals über Kopf, so dass Vereine gar keine Möglichkeit hatten, sich in irgendeiner Form vorzubereiten“, sagt der Vereinsvorsitzende Sander Lübbers. Der Verein hat inzwischen eine pragmatische Lösung gefunden, um mit der Situation umzugehen. Geimpfte und Genesene, die am Reitunterricht teilnehmen wollen, können im Stall unter Aufsicht einen Schnelltest machen. Mitbringen müssen sie den allerdings selbst. „Es gibt auch Arbeitgeber, die regelmäßige Tests für ihre Mitarbeiter anbieten. Die werden hier auch akzeptiert.“ Seit dem Wochenende habe sich die Situation etwas entspannt, weil Leute, die bereits eine Booster-Impfung erhalten haben, von der Testpflicht entbunden sind. „Ebenfalls nicht betroffen sind die jugendlichen Reiter bis zum 18. Lebensjahr“, so Lübbers.

Vereine sind überfordert

Beim Pferdesportverband Weser-Ems, der Interessenvertretung der Reit- und Fahrvereine der Region, laufen nach den Worten von Geschäftsführer Jörg Maier täglich diverse Anrufe wegen der Corona-Verordnung auf. Die 2G+-Regelung hält er für problematisch – „auch deshalb, weil es vielerorts nicht genügend Testkapazitäten gibt.“ Vor einem Problem stünden die Vereine. „Die Einhaltung der 2G+-Regelung über den kompletten Tag in einem Stall zu kontrollieren, ist für einen ehrenamtlich geführten Vereinsstall fast unmöglich.“ Das könnten die Ehrenamtlichen in den Vereinen personell gar nicht leisten. Maier hofft, dass die Bedenken des Verbandes und vieler Pferdehalter bei der Fortschreibung der Corona-Verordnung Berücksichtigung finden. Eine überarbeitete Verordnung der Niedersächsischen Landesregierung soll am Donnerstag im Sozialausschuss beraten werden und am Sonnabend, 11. Dezember, in Kraft treten.

Ähnliche Artikel