Gesundheit

Personalnotstand: Pflegeverträge wurden gekündigt

Günter Radtke Carsten Ammermann
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Von Günter Radtke und Carsten Ammermann
| 02.12.2021 19:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Kirchliche Pflegedienst Soziale Dienste Westoverledingen hat zum 31. Dezember Pflegeverträge gekündigt. Foto: Ammermann
Der Kirchliche Pflegedienst Soziale Dienste Westoverledingen hat zum 31. Dezember Pflegeverträge gekündigt. Foto: Ammermann
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Wegen Fachkräftemangels müssen einige Pflegedienste in der Region die Reißleine ziehen. Der Personalnotstand hat schon dazu geführt, dass erste Pflegeverträge gekündigt wurden.

Oberledingerland - Der Fachkräftemangel in der Pflege zieht weitreichende Konsequenzen nach sich: Der Kirchliche Pflegedienst Soziale Dienste Westoverledingen musste nach Angaben von Pastor Gerold Alsmeier die Reißleine ziehen. Nach Auskunft des Pastors, der Vorstandsvorsitzender des Pflegedienstes ist, sind zum Jahresende zwölf Pflegeverträge gekündigt worden.

„Wir haben einfach die Kapazitäten nicht mehr, um eine gute Versorgung zu gewährleisten. Alle Mitarbeiter arbeiten bis zum Anschlag und darüber hinaus“, so Alsmeier. Der Pastor machte deutlich, dass der Kirchliche Pflegedienst, der ein gemeinnütziger Verein ist, nicht in wirtschaftlicher Not sei. „Wir leiden einfach unter Personalmangel. Wir würden sofort weitere Mitarbeiter einstellen“, betonte der Vorstandsvorsitzende.

Die Lage ist dramatisch

So geht es vielen Pflegediensten und Pflegeeinrichtungen in der Region. „Die Lage ist dramatisch“, beschreibt auch Rainer Helmers, Vorstand des Rhauderfehner Reilstifts und der angegliederten Diakoniestation Rhauderfehn/Ostrhauderfehn, die aktuelle Lage. Die Personalsituation in der Pflege sei in diesem Jahr sehr herausfordernd gewesen. „Wir haben keine neuen Verordnungen für ambulante Pflegeleistungen mehr angenommen.“ Zum 1. Januar hofft Helmers auf leichte Entspannung, denn dann fangen zwei neue Fachkräfte im ambulanten Bereich im Reilstift an. „Wir sind in der glücklichen Lage gewesen, dass wir keine bestehenden Pflegeverträge kündigen mussten. Aber Absagen erteilen wir auch, wenn vorübergehend die Kapazitäten nicht vorhanden sind.“

Wie sich die Situation entwickeln werde, dazu könne man keine Prognose abgeben. Denn in den vielen Gesprächen mit Vertretern von Trägern von Pflegeeinrichtungen werde immer wieder deutlich, dass die Personalsituation in der ambulanten Pflege dramatisch sei, so Helmers.

Alternde Gesellschaft

Er gehe davon aus, dass sich die Situation noch weiter verschlechtern werde. „Die alternde Gesellschaft fordert uns heraus. Nicht nur, dass die Menschen immer älter werden und mehr Menschen Pflege benötigen. Es scheiden auch mehr Menschen aus dem Erwerbsleben aus, und es kommen keine Jüngeren nach“, sagte der Vorstand des Reilstifts. Aus Mitarbeiterkreisen der Rhauderfehner/Ostrhauderfehner Diakoniestation heißt es, man habe zuletzt wochenlang mit akutem Personalmangel gekämpft und sich „nur über Wasser halten können“, weil es einen großen Zusammenhalt im Team gebe und alle Extraschichten gemacht hätten. Die Situation habe sich nun etwas entspannt. Die geplante Impfpflicht für Pflegekräfte im Gesundheitswesen werde eine weitere Herausforderung. Es müssten womöglich einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen, weil sie sich aus persönlichen Gründen nicht impfen ließen, so die Befürchtung.

Die geplante Impfpflicht stellt für den Kirchlichen Pflegedienst Soziale Dienste Westoverledingen kein Problem dar, da aktuell nur eine Person, die in der Pflege tätig ist, ungeimpft ist. Auch Rainer Helmers sieht einer möglichen Impfpflicht gelassen entgegen. Denn die allermeisten Mitarbeiter des Reilstifts sind geimpft. „Wir sind nah an den 100 Prozent dran.“

Beim Fehntjer Pflegedienst verweist Inhaberin Liane Hülsebusch darauf, dass es die allgemeinen Personalprobleme in der Pflege nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie gebe. Sie sagt, in ihrem Betrieb seien Gott sei Dank 99 Prozent der Mitarbeiter durchgeimpft. Deshalb werde sich die Lage bei einer künftigen Impfpflicht nicht verschärfen. Gleiches ist auch vom Pflegeteam Hermine Wolff (Rajen) zu hören. Dort seien alle im ambulanten Dienst tätigen Pflegekräfte vollständig geimpft.

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