Personalnotstand

„Die Pflege ist ein Knochenjob“

| | 03.12.2021 06:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine fürsorgliche Pflegekraft hält die Hände eines kranken Senioren. Foto: Robert Kneschke/stock.adobe.co
Eine fürsorgliche Pflegekraft hält die Hände eines kranken Senioren. Foto: Robert Kneschke/stock.adobe.co
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Die Pflege ist ein Knochenjob, der seelische, aber auch körperliche Auswirkungen auf die Mitarbeiter hat. Das ist ein Grund für den Personalnotstand, der auch in der Region herrscht.

Oberledingerland - Die angespannte Personalsituation in Pflege und der damit verbundenen Kündigung von Pflegeverträgen ist den Verantwortlichen des Kirchlichen Pflegedienstes Soziale Dienste Westoverledingen sehr schwer gefallen. Das machte der Ihrhover Pastor Gerold Alsmeier deutlich. „Es war ein schwerer Schritt, er war aber notwendig“, betonte Alsmeier, der Vorstandsvorsitzender des Kirchlichen Pflegedienstes ist. Es fehle schlichtweg das Personal, um eine adäquate Pflege zu gewährleisten.

Der Kirchliche Pflegedienst in Westoverledingen hat personelle Probleme. Foto: Ammermann
Der Kirchliche Pflegedienst in Westoverledingen hat personelle Probleme. Foto: Ammermann

Dass das Team des Westoverledinger Pflegedienstes eine adäquate Pflege nicht mehr gewährleisten könne, hänge laut Alsmeier unter anderem mit dem generellen Personalnotstand in der Pflege zusammen. „Wir würden sofort weiteres Personal einstellen“, betonte der Pastor. Ein weiterer Grund sei die Tatsache, dass immer wieder Mitarbeiter krankheitsbedingt ausfallen. „Das hängt auch mit der hohen Arbeitsbelastung im Pflegeberuf zusammen. Die Pflege ist ein Knochenjob, der seelische, aber auch körperliche Auswirkungen auf Mitarbeiter hat“, führte Alsmeier aus. Der Pastor beschreibt die Situation, die schon seit Jahren bestehe und sich mit der Coronapandemie noch weiter verschärft habe, so: „Der Umstand sah so aus, dass die Mitarbeiter eigentlich schon nicht mehr konnten. Aber um zu helfen, wurde gesagt, wir bekommen das schon irgendwie hin. Aber jetzt haben wir einfach nicht mehr die notwendigen Kapazitäten, um für alle die Versorgung sicherzustellen. Das bedauern wir natürlich sehr.“

Überlastung unserer Mitarbeiter

Laut Alsmeier haben sich die Verantwortlichen des Kirchlichen Pflegedienstes die Entscheidung, welche Verträge gekündigt werden, nicht leicht gemacht. „Das Kündigungen ausgesprochen werden mussten, ist für uns ein sehr bedauerlicher Prozess gewesen, aber wir hatten keine anderen Möglichkeit mehr, mit der anhaltenden Überlastung unserer Mitarbeiter umzugehen“, führte der Pastor aus.

Gemeinsam mit der Pflegedienstleitung und mit dem Geschäftsführer habe er jeden Pflegevertrag kritisch geprüft, so Alsmeier. „Wir haben genau kontrolliert und abgewogen, in welchem Fall eine Zumutung deutlich geringer als in einem anderen Fall ist. Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, sagte Alsmeier. Dem Kündigungsschreiben haben die Verantwortlichen eine Auflistung von Pflegediensten aus dem Umkreis beigefügt. Allerdings dürfte es sich für die Betroffenen nicht so einfach gestalten, einen neuen Anbieter zu finden. Denn auch die anderen Pflegedienste kämpfen mit Personalproblemen.

Der Pflegeberuf müsse nach Auffassung von Rainer Helmers, Vorstand des Reilstifts in Rhauderfehn, attraktiver gestalten werden. Ein Faktor seien höhere Löhne. Aber auch bei den Tätigkeiten müsse etwas passieren. „Wir müssen weg von der sogenannten Rennpflege. Die Mitarbeiter, die in der Pflege tätig sind, müssten mehr Zeit für eine bedarfsorientierte Versorgung der Pflegebedürftigen haben“, sagte Helmers. Und das müsste dann über die Leistungen der Pflege- und Krankenversicherungen abgerechnet werden.

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