Corona-Marathon
Die Intensivbetten in Ostfriesland werden weniger
In dieser Woche ist die Zahl der betriebsfähigen Intensivbetten an ostfriesischen Kliniken um weitere vier gesunken. Es gibt relativ wenige Corona-Patienten – aber auch nur noch relativ wenige freie Betten.
Ostfriesland - Wie geht es den Beschäftigten der ostfriesischen Krankenhäuser angesichts der Corona-Krise? Können sie es noch irgendwie schaffen – oder sind womöglich zu viele mit ihren Kräften am Ende?
Eine entsprechende Umfrage vom Freitagnachmittag unter den Kliniken hat Wittmunds Krankenhaus-Geschäftsführer als Einziger schon beantwortet: „Aktuell ist die Stimmung sehr angespannt“, berichtet Ralf Benninghoff. „Alle Mitarbeiter geben aber natürlich ihr Bestes.“
33 Covid-19-Patienten in ostfriesischen Kliniken
Nach Angaben des Wittmunder Krankenhaus-Chefs, des Klinikverbunds Aurich-Emden-Norden und der Kreisverwaltung Leer gab es am Freitag – zusammengerechnet – 33 Covid-19-Patienten in ostfriesischen Kliniken. Sieben von ihnen lagen auf einer Intensivstation, drei der Patienten waren an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Das geht aus dem Divi-Intensivregister hervor, in das die Krankenhäuser täglich ihre Intensivbetten-Kapazitäten eintragen.
Demnach gab es am Freitag in ganz Ostfriesland nur zehn freie Intensivbetten. Die Gesamtzahl der insgesamt betriebsfähigen Intensivbetten ist seit Montag erneut gesunken: von 81 auf 77. Betriebsfähig ist ein Bett nur, wenn auch das erforderliche Personal zur Verfügung steht. Im Kreis Leer ging die Zahl von 26 auf 24 zurück, im Kreis Aurich von 29 auf 28 und in Emden von 18 auf 17. Vor einem Jahr, am 26. November 2020, gab es ostfrieslandweit sogar noch 99 betriebsfähige Intensivbetten.
Fast alle Intensivstationen waren abgemeldet
Franziska Junker, Linke-Mitglied im Leeraner Kreistag, hält die Situation in den Krankenhäusern für „gesundheitsgefährdend“ – für die Patienten „und für die Pflegekräfte, die vollkommen überlastet noch immer ihr Bestes geben“.
In der Nacht zum Freitag, um 2 Uhr, signalisierte nur das Auricher Klinikum den ostfriesischen Rettungsdiensten im Ivena-Portal, dass es Patienten auf der Internistischen Intensivstation aufnehmen könne. Alle anderen Intensivstationen in Ostfriesland waren nicht aufnahmebereit. Stichproben im Tagesverlauf ergaben, dass die Leeraner Kliniken und das Wittmunder Krankenhaus ihre Intensivstation mindestens ab 12.30 Uhr durchgehend abgemeldet hatten. Ab circa 21 Uhr war in Ostfriesland nur noch die Emder Intensivstation grün eingefärbt, alle anderen rot..
Alle Inensivbetten voll – ohne einen Covid-19-Patienten
Vor allem das Beispiel des Wittmunder Krankenhauses offenbart, dass die Intensivkapazitäten unabhängig von der Corona-Krise in Ostfriesland knapp bemessen sind. Dort waren alle acht Intensivbetten belegt, aber keines davon von einem Covid-19-Patienten. Dass die Landesregierung bereits eine Intensivbetten-Belegung von fünf Prozent durch Corona-Fälle zum Maßstab für die pandemische „Warnstufe 1“ gemacht hat, könnte also daran liegen, dass die Intensivbetten-Kapazitäten generell knapp sind. Im Emder Krankenhaus war am Freitag ein Intensivbett mit einem Covid-19-Patienten belegt. Das entsprach bereits einer Belegungsquote von 5,88 Prozent. Drei mit Covid-19-Patienten belegte Intensivbetten im Kreis Aurich ergaben einen Anteil von 10,71 Prozent, drei im Landkreis Leer einen Anteil von 12,5 Prozent.
Die weitere Entwicklung bleibe abzuwarten, schrieb Wittmunds Krankenhaus-Geschäftsführer Benninghoff. „Es handelt sich ja um einen Marathon und ein Ende ist nicht in Sicht.“
Wie groß ist der Kapazitäten-Mangel ostfriesischer Kliniken?
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