Osnabrück

Combi in Osnabrück: Wenn das Smartphone das Kassenband ersetzt

Nina Kallmeier
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Von Nina Kallmeier
| 26.11.2021 16:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Am Ende muss die Ware nicht mehr aufs Band: Der Combi in Osnabrück ist einer von vier Märkten im Nordwesten, in denen Kunden mit dem eigenen Smartphone einkaufen können. Foto: Jörn Martens
Am Ende muss die Ware nicht mehr aufs Band: Der Combi in Osnabrück ist einer von vier Märkten im Nordwesten, in denen Kunden mit dem eigenen Smartphone einkaufen können. Foto: Jörn Martens
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Das Einkaufen verändert sich – nicht nur im Geschäft in der Innenstadt, sondern auch in den Supermärkten. Es wird digitaler. Im Nordwesten können Kunden jetzt mit ihrem eigenen Smartphone den Einkauf im Markt erledigen.

Wer beim Möbelriesen Ikea einkauft, kann schon lange seine Ware an der Kasse selbst scannen und bezahlen. Auch viele Supermärkte bieten ihre Kunden diese Möglichkeit mittlerweile über die sogenannten Self-Checkout-Kassen an. Die Edeka-Gruppe stellt Einkaufenden außerdem sogenannte „easy Shopper“ zur Verfügung, mit denen Kunden ihre Waren schon während des Einkaufs selbst einscannen.

Die Bünting AG aus Ostfriesland geht in vier Combi-Märkten im Nordwesten jetzt noch einen Schritt weiter: Hier können Kunden ab sofort mit ihrem eigenen Smartphone durch den Markt gehen, Einkäufe scannen, die Waren schon einmal in Taschen oder im Einkaufskorb verstauen und dann selbst auschecken. Einzige Voraussetzung: ein Smartphone, die Bünting-eigene Bonuscard „Moin Card“ und die dazugehörige App auf dem Telefon.

Stückzahl wird über die App gesteuert

Neben dem Eingang zur Obst- und Gemüseabteilung des Combi-Marktes im niedersächsischen Osnabrück hängt ein Zettel mit einem QR-Code. Wer sein Smartphone als „Kasse“ im Markt nutzen will, der muss ihn einscannen, zeigt nicht nur die App, sondern auch ein Hinweis auf dem Zettel. Die schwarzweißen Quadrate werden mühelos erkannt. Der Einkauf kann starten.

Obst soll an diesem Tag in den Einkaufskorb. Die Kaki haben einen Stückpreis. Doch wo ist der Strichcode, der an die App weitergibt wie teuer das Obst ist? Genaues Hinsehen zeigt: auf dem Preisschild. Fix eingescannt, die Stückzahl per Klick auf zwei erhöht, die Kaki landen direkt im Einkaufskorb - und weiter geht‘s.

Der Strichcode auf dem Netz Kartoffeln und Milch ist deutlich leichter zu finden. Auch sie erkennt die App ohne Probleme. Beim Einscannen der Cola-Flasche fragt die App nach: Wird eine einzelne Flasche gekauft? Oder doch ein Multipack und der Kunde hat den falschen Strichcode erwischt?

Auch Angebote und Rabatte zeigt die App an

Es ist ein entspanntes, selbsterklärendes Einkaufen per „Scan & Go“, wie die Technologie genannt wird. „Die größte technische Herausforderung war es, dass über die App auf dem Smartphone des Kunden immer der tagesaktuelle Preis inklusive Angeboten und Rabatten erfasst wird“, sagt Arnold Barthmann, Prokurist und Leiter der Bünting-IT. Was er damit meint, zeigt das Scannen des Netzes mit Mini-Babybel an diesem Tag. Moin-Card-Kunden erhalten 10 Prozent Rabatt. Dass zeigt auch die App beim Scannen an.

Das Angebot der Bünting AG in Osnabrück ist die dritte Testphase eines digitaleren Einkaufens des Unternehmens. Die Ostfriesen haben klein angefangen: mit Mitarbeitern in einem Markt bei Leer, anschließend mit einer begrenzten Zahl an Testkunden im ostwestfälischen Bielefeld. Jetzt ist das Konzept an vier Standorten in Nordwestdeutschland in den Alltagstest gegangen.

Stabiles W-Lan erforderlich

Einige „Kinderkrankheiten“ sind seither behoben. Unter anderem, wenn es um die digitale Infrastruktur für den Kunden geht. „Voraussetzung für das Scannen mit dem Smartphone ist ein stabiles W-Lan-Netz. Aus unseren Erfahrungen Anfang des Jahres im Testmarkt Bielefeld haben wir gelernt, den Kunden noch mehr ‚an die Hand‘ zu nehmen“, sagt IT-Leiter Barthmann. Das heißt konkret: Die Moin-Card-App schlägt Nutzern jetzt automatisch vor, sich mit dem W-Lan im Markt zu verbinden. Das ist auch notwendig, denn ein gutes eigenes Netz haben Kunden in Osnabrück nicht.

Doch gerade das ist wichtig, denn vom Betreten des Marktes über das Scannen der Ware und das Bezahlen läuft alles mehr oder weniger digital. Alleine der Bezahlvorgang muss weiterhin an einer Kasse im Markt ausgelöst werden. „Die vier Teststandorte sind alle mit Self-Checkout-Kassen ausgestattet. Unter dem Gesichtspunkt des modernen und schnellen Einkaufs ergänzen sich Self-Scanning und die Selbstbedienungskassen perfekt“, so Barthmann.

Der Kontakt zu Mitarbeitern im Markt reduziert sich weiter. Werden sie also demnächst arbeitslos? Eine Sprecherin winkt ab. „Wir betrachten das mobile Self-Scanning als ergänzenden Service für den Kunden. Mitarbeiter im Markt werden durch die neue Technologie nicht obsolet“, betont sie.

Keine Angst vor mehr Diebstählen

Unter anderem auch, weil zum Beispiel die Alterskontrolle für manche Waren noch nicht digital stattfindet. Ist beispielsweise Alkohol im Einkaufskorb, muss ein Mitarbeiter dies am Self-Checkout freigeben. Auch Hilfe beim Self-Checkout geben Mitarbeiter, hinzu kommen Kundenberatung und andere Aufgaben im Markt, zählt die Sprecherin auf. Ihr Fazit: „Mitarbeiter werden immer gebraucht.“

Die Sorge, dass das selbstständige Scannen und Bezahlen zu mehr Diebstählen führt, gibt es bei Bünting nicht - das deckt sich mit der Erfahrung anderer Handelsunternehmen, wie eine Umfrage des EHI Retail Instituts ergeben hat. 85 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, keine erhöhten Inventurdifferenzen in Märkten mit diesen digitalen Möglichkeiten feststellen. Auch die Fehlerquoten im Selbstscannen seien gering. Allerdings setzt man nicht nur auf Vertrauen in die Ehrlichkeit der Kunden: „Es werden stichpunktartige Kontrollen am Self-Checkout durchgeführt“, so Barthmann, mit Blick auf Bünting.

Den Einkauf abschließen kann der Kunde im Osnabrücker Combi-Markt ebenso wie er ihn begonnen hat: durch das Scannen eines QR-Codes, dieses Mal über den Selbstscan-Kassen. Ausgepackt werden muss der Einkauf nicht noch einmal. Der Bildschirm der Kasse zeigt den Bon noch einmal an, Leergut-Zettel können hier abgezogen werden. Mit einem Klick wird die Kartenzahlung ausgelöst und die Kasse spuckt einen Kassenzettel aus. Den braucht der Kunde, um den Markt verlassen zu können - denn ohne den QR-Code unten auf dem Kassenzettel öffnet sich die kleine Schranke nicht.

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