Berlin

Perfektionismus: So schädlich ist Streben nach Bestleistung wirklich

Johanna Ulrich
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Von Johanna Ulrich
| 25.11.2021 18:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Streben nach Perfektion kann hilfreich sein. Doch wer nicht entspannen kann, gefährdet auf Dauer seine Gesundheit. Foto: Symbolfoto: dpa/Thomas Warnack
Das Streben nach Perfektion kann hilfreich sein. Doch wer nicht entspannen kann, gefährdet auf Dauer seine Gesundheit. Foto: Symbolfoto: dpa/Thomas Warnack
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Schnell die Kleinen in die Kita, das Meeting am Morgen, der stressige Alltag und am Abend auf die Familienfeier. Dabei bitte nicht vergessen: lächeln und immer top gestylt sein. Auf Dauer geht das nicht gut.

Wer zu Perfektionismus neigt, der funktioniert in den allermeisten Fällen zwar super, die Lebensqualität leidet jedoch. Im Duden ist das Wort als "übertriebenes Streben nach Perfektion“ definiert und im Verwendungskontext mit „leicht abwertend“ deklariert. Dabei kann Perfektionismus eine gute Eigenschaft sein. Sofern sie nicht ausartet. 

Etwas Perfektionismus schadet nicht

In der Psychologie ist von zwei Formen des Perfektionismus die Rede: dem funktionalen und dem dysfunktionalen beziehungsweise klinischen. Dabei handelt es sich beim funktionalen zwar um das streben nach dem Besten - der Perfektion. Dabei ist dem Betroffenen jedoch klar, dass auch ein gelegentliches Scheitern normal ist. Diese Art von Perfektionismus ist ein Antreiber, ein Motivator. Er pusht zu guten Leistungen, die jedoch nicht gesundheitsschädlich sind.

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Problematisch oder belastend kann der dysfunktionale Perfektionismus sein. Der eigene Selbstwert hängt dann stark von der eigenen Leistung sowie der Anerkennung durch andere ab. Dessen ist sich beispielsweise auch Psychologe Nils Spitzer sicher, der sich auf den Bereich Perfektionismus spezialisiert hat. Ein Scheitern in einer Sache wird dann zum Scheitern der gesamten eigenen Person. 

Diese Art des Perfektionismus geht oft mit Versagensangst einher. Schwitzige Hände, ein Brennen in der Magengegend und Schlaflosigkeit bis hin zu ernsthaften Panikattacken können dann Überhand nehmen. Egal, ob alles rund läuft oder nicht - allein die extreme Sorge vor einem Scheitern ist ausschlaggebend. Dies kann sogar bis zur Handlungsunfähigkeit führen - dem Gefühl zu erstarren. Nach dem Motto: „Lieber nichts machen, anstatt etwas falsch zu machen.“

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Das Hinterhältige an einer ungesunden Form des perfektionistischen Strebens ist dabei, dass es Auswirkungen auf nahezu alle Lebensbereiche hat - und das sind keine positiven. Wer seinen Selbstwert von außen zu bestärken versucht, wird auf kurz oder lang Probleme in den Bereichen Lernen, Beziehungen, Angst-, Stresserleben und (körperliche) Gesundheit haben. Mit Dingen wie konstruktiver Kritik, egal in welchem Lebensbereich, führt dann zumeist zu einem Knick des Selbstwerts. Scham, Traurigkeit, Schuld und Angst können Begleiterscheinungen sein sowie andere ernstzunehmende psychische Krankheiten.

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Der wichtigste Indikator jedoch, um festzustellen, ob der eigene Perfektionismus ein Problem darstellt, ist die ehrliche Antwort auf die Frage: Leide ich selbst darunter? Jeder Mensch hat mal stressige oder schlechte Tage. Wenn diese jedoch zum Problem werden und der Leistungsdruck des Jobs auch noch nachts im Bett ein Thema ist, sollte man hellhörig werden. Hat man ständig Angst, den Partner zu verlieren, weil man etwas falsch gemacht haben könnte, kann auch das ein gutes Indiz sein. Ein Bad-Hair-Day sollte keine Schweißperlen auslösen.

Entspannter im Umgang mit sich selbst

Doch was tun, wenn der Wunsch nach Unfehlbarkeit zur Last wird? Die DAK-Gesundheit hat dazu sechs Tipps parat, wie es klappen könnte, wenn das eigene Mindset verändert wird.

Zugegeben, diese Tipps sind für Menschen mit einem Abstand zu ihrem inneren Perfektionisten kaum ein Thema. Für Perfektionisten, die täglich drunter leiden, können diese Schritte sehr wohl Anstrengung zu bedeuten. Denn auch nichts tun, kann dann belastend sein. Sollte es nicht aus eigener Kraft zu schaffen sein, kann eine Therapie helfen. Wichtig zu wissen ist: Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist alles andere als ein Scheitern.

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