Verbrauchertipp
Plastikfrei einkaufen: Geht das überhaupt?
Wer konsequent Waren und Lebensmittel ohne Plastikverpackung einkaufen will, muss umdenken, von Gewohnheiten Abschied nehmen und verzichten können. Warum das so ist, beantwortet ein Selbstversuch.
Ostrhauderfehn - Jeden Donnerstagmorgen, wenn ich den gelben Sack mit dem Verpackungsmüll zur Abholung an die Straße stellte, denke ich: Verflixt noch mal, schon wieder so viel Plastikkram. Und ich frage mich: Wo kommt all das Zeug her, und wie lässt es sich vermeiden? Auf der Suche nach einer Antwort starte ich deshalb mit dem wöchentlichen Einkauf für den Haushalt einen Selbstversuch und lande schon nach wenigen Metern im Supermarkt auf dem harten Boden der Tatsachen – vor dem Keksregal.
Weniger Müll zum Schutz der Umwelt
Ich stelle fest: Wer Plastikmüll zum Schutz der Umwelt minimieren oder ganz abschaffen will, muss verzichten können. Der sollte alte und bequeme Gewohnheiten über Bord schmeißen, seine Ansprüche überdenken und – die Kekse und den Stollen selbst backen. Für fast alle anderen Dinge des täglichen Bedarfs gibt es Alternativen zu den in Folien verpackten Waren und Lebensmitteln: Obst, Gemüse und Nüsse kann man auf Wochenmärkten und in vielen Läden lose kaufen. Wer die Tomaten, den Blumenkohl und die Äpfel im Supermarkt nicht unverpackt aufs Laufband an der Kasse legen möchte, steckt sie vorher in ein Stoffsäckchen. Das kauft man einmal und benutzt es immer wieder.
Milch, Sahne, Öl und Essig sind in Flaschen erhältlich, ebenso Wasser und Säfte. Mehl, Zucker, Gewürze, Haferflocken sowie Butter und Camembert sind in Papier verpackt. Marmeladen und andere Brotaufstriche gibt es im Glas, ebenso Joghurt und Erdbeergrütze zum Nachtisch. Schwieriger wird es bei Pizzen und anderen Fertiggerichten aus der Gefriertruhe sowie Fisch. Viele dieser Produkte sind in Kunststoff eingeschweißt, nur wenige in Pappkartons verpackt. Wer aber nach denen sucht, wird in den Truhen fündig.
Einiges wird gestrichen
Bei einigen Dingen denke ich darüber nach, sie komplett von meiner Einkaufsliste zu streichen. Nudeln, Reis und Müsli, trockene Linsen und Erbsen kann ich an meinem Wohnort nicht ohne Plastikumhüllung kaufen. Dafür müsste ich ins Nachbardorf zum Bioladen fahren oder nach Leer. In der Stadt gibt es ebenfalls Bioläden, aber auch einen Unverpackt-Laden und mindestens zwei Einkaufszentren, die ihr Angebot an Waren ohne Folienverpackung vergrößert haben.
Blicke anderer Kunden ignorieren
Überhaupt kein Problem ist – anders, als man das wegen strenger Hygienevorschriften erwarten könnte – der Einkauf von Fleisch, Wurst, Frisch- und Schnittkäse sowie Fleischsalat. Das bekomme ich beispielsweise auf den Dorf beim Fleischer meines Vertrauens, einem alteingesessenen Handwerksbetrieb. Dafür muss ich ihm nur die von mir mitgebrachten und immer wieder verwertbaren Behältnisse aus Kunststoff auf den Tresen stellen, sodass er diese befüllen und nicht anfassen muss. So lässt es sich vermeiden, dass Keime übertragen werden.
Mein Fazit nach dem Selbstversuch: Man kann Lebensmittel und andere Waren für den täglichen Bedarf ohne Plastikverpackung kaufen. Es gibt sie in großen Mengen. Nach manchen Dingen, wie die Zahnputztabletten muss man suchen. Das alles ist kein Problem – jedenfalls nicht für mich und unseren Zweipersonenhaushalt. Außerdem hat nicht jeder ein Auto, um von Dorf zu Dorf oder in die nächste Stadt zu fahren, nur um beispielsweise an unverpackte Nudeln zu gelangen. Außerdem sind plastikfrei verpackte Produkte manchmal teurer als andere. So kosten beispielsweise vier Rollen Toilettenpapier in Papier verpackt 2.75 Euro; das Familienpaket mit zehn Rollen in Plastik gehüllt kostet 3,25 Euro – ist also ungefähr halb so teuer. Und was meine Liebe zu den Keksen angeht: Es ist aus mit uns.