Rettungsdienst

Kapazitäten der ostfriesischen Kliniken sind knapp – zu knapp?

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 19.11.2021 18:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dort müssten schwer an Covid-19 erkrankte Patienten hingebracht werden: Nur die Internistische Intensivstation mit Beatmung des Klinikums Leer signalisierte den Rettungsdiensten im Zuständigkeitsbereich der Kooperativen Leitstelle Wittmund (Landkreise Leer, Aurich und Wittmund) am 17. November, um 14.55 Uhr, dass sie Patienten stationär aufnehmen kann. Diese Momentaufnahme stammt aus dem Ivena-Portal, in dem Rettungskräfte nachschauen können, welche Krankenhäuser ihre Patienten aufnehmen können. Screenshot: OZ
Dort müssten schwer an Covid-19 erkrankte Patienten hingebracht werden: Nur die Internistische Intensivstation mit Beatmung des Klinikums Leer signalisierte den Rettungsdiensten im Zuständigkeitsbereich der Kooperativen Leitstelle Wittmund (Landkreise Leer, Aurich und Wittmund) am 17. November, um 14.55 Uhr, dass sie Patienten stationär aufnehmen kann. Diese Momentaufnahme stammt aus dem Ivena-Portal, in dem Rettungskräfte nachschauen können, welche Krankenhäuser ihre Patienten aufnehmen können. Screenshot: OZ
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Ostfriesische Rettungskräfte müssen ihre Patienten teilweise bis Bremerhaven fahren, weil Klinik-Fachbereiche in der Region keine Patienten aufnehmen. Wie dramatisch sind diese Kapazitätsengpässe?

Ostfriesland - Donnerstag, 23 Uhr: Die Internistischen Intensivstationen der Krankenhäuser Aurich, Emden, Norden und Wittmund sowie des Klinikums Leer sind abgemeldet. Das geht aus dem Ivena-Portal hervor, das den niedersächsischen Rettungsdiensten anzeigt, welche Kliniken Patienten aufnehmen können. Was den Bereich der Internistischen Intensivstation betrifft, ist das Leeraner Borromäus-Hospital an diesem Abend das einzige aufnahmebereite Haus in Ostfriesland. Auch die Kliniken in Westerstede, Oldenburg, Friesoythe, Cloppenburg, Wilhelmshaven und Sande haben ihre Internistischen Intensivstationen abgemeldet. Angefahren werden können Varel, Brake, Nordenham, Papenburg und Meppen.

„Es kommt von Emden zum Beispiel zu Fahrten nach Westerstede, Oldenburg, Brake, Bremerhaven und Bremen“, berichtet Djürko Rodiek, Rettungsdienstleiter des Emder Vereins für Rettungsdienst, Krankentransport und soziale Hilfsdienste (RKSH) – „auch Hamburg ist nach meinem Wissen in diesem Jahr schon einmal vorgekommen.“ Emdens Stadtverwaltung übermittelt eine Antwort von Andree Heinks, dem dortigen Betriebsleiter Rettungsdienst: „Es ist ein Anstieg der Abmeldungen von Intensivstationen und Notaufnahmen der drei Krankenhäuser in Aurich, Emden und Norden für bestimmte, oft relativ kurze Zeiträume zu verzeichnen. Dass alle drei Krankenhäuser der Trägergesellschaft gleichzeitig abgemeldet sind, ist eher selten der Fall.“ Am Donnerstagabend war es aber so.

Was berichten die Kreisverwaltungen aus Wittmund und Aurich?

Die Wittmunder Kreisverwaltung hat sich bei der Kooperativen Leitstelle in Wittmund und bei ihrem Rettungsdienst erkundigt: „Es kommt fast täglich vor, dass ein Patient nicht in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht werden kann.“ Wenn das Wittmunder Krankenhaus einen „normalen“ Patienten nicht aufnehmen könne, „wird meistens das Krankenhaus Varel angefahren“. In allen anderen Fällen sei eine Fachklinik in der Nähe: „Hier wären die weitesten Touren derzeit nach Westerstede oder Oldenburg.“

Die Auricher Kreisverwaltung antwortet für den kreiseigenen Rettungsdienst und verweist auf das Ivena-Portal, in dem das nächstliegende geeignete Krankenhaus für die Patienten-Aufnahme angezeigt werde: „Das kann natürlich auch bedeuten, dass weitere Anfahrten zu fachgerechten Patient*innen-Versorgung vonnöten sind.“

Die Versorgungsengpässe stichprobenartig untersucht

Vom DRK-Rettungsdienst im Landkreis Leer berichtet dessen Geschäftsführer Sven Neumann, dass er „aufgrund der Topographie regelmäßig mit Krankenhäusern der angrenzenden kommunalen Gebietskörperschaften zusammenarbeitet, hier insbesondere Ammerland und Papenburg“. Es komme „sporadisch vor, dass ein Haus aufgrund von sehr hoher Akutfrequentierung nicht aufnehmen kann“.

Die Stichproben, die unsere Zeitung im Ivena-Portal gemacht hat, vermitteln den Eindruck, dass im Bereich der „Allgemeinen Inneren Medizin“ und der „Internistischen Intensivstation“ fast ständig ein oder mehrere ostfriesische Krankenhäuser abgemeldet sind. Laut Wittmunder Kreisverwaltung „handelt es sich in der Regel um internistische Einsätze“, bei denen der Rettungsdienst besonders oft mit abgemeldeten Klinik-Fachbereichen konfrontiert ist.

Ostfriesische Kliniken, die Abmeldedaten nicht herausrücken

Eine statistische Auswertung konnte unsere Zeitung nicht vornehmen. Zwar könnte der technische Dienstleister des Ivena-Portals übermitteln, in welchen Zeiträumen die ostfriesischen Kliniken in den vergangenen drei Monaten beispielsweise im Bereich der „Internistischen Intensivstation mit Beatmung“ abgemeldet waren.

Diese Daten sind für ein jeweils aktuelles Zeitfenster von gut sechs Stunden im Internet einsehbar. Einer zusammengefassten Daten-Übermittlung für mehrere Monate haben das Klinikum Leer und die Trägergesellschaft der Kliniken Aurich, Emden und Norden aber widersprochen – vom Krankenhaus Wittmund und dem Borromäus-Hospital hatte der Portal-Anbieter am Freitag noch keine Rückmeldung.

Die Landesregierung weiß von den „Kapazitätsengpässen“. Zudem hat unsere Zeitung mit dem Leiter der Kooperativen Regionalleitstelle Ostfriesland gesprochen und alle ostfriesischen Kliniken befragt. Fortsetzung folgt.

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