Hannover

So will das Land dem Booster-Ansturm Herr werden

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 16.11.2021 18:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der dritte Aufkleber im Impfbuch: Eine Auffrischungsimpfung verstärkt den Schutz gegen das Sars-CoV-2-Virus. Foto: Wolfgang Kumm/dpa
Der dritte Aufkleber im Impfbuch: Eine Auffrischungsimpfung verstärkt den Schutz gegen das Sars-CoV-2-Virus. Foto: Wolfgang Kumm/dpa
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Niedersachsen will eine neue Impfoffensive starten und lockt die Ärzte mit üppigen Prämien. Nächste Woche kommt überdies eine noch strengere Corona-Verordnung. Und was wird aus den Weihnachtsmärkten?

„Die Infektionszahlen zeigen sehr deutlich, dass das Interesse an Impfungen gesteigert werden muss“: Mit diesen deutlichen Worten hat Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) am Dienstag in Hannover auf die auch in Niedersachsen zunehmend angespannte Corona-Lage aufmerksam gemacht - und gleichzeitig angekündigt, mehr Tempo bei den Erst- und vor allem den Auffrischungsimpfungen machen zu wollen.

Land lockt Ärzte mit Geld

Um die Impflücke zu schließen sowie der Nachfrage nach Auffrischungsimpfungen Herr zu werden, will das Land seine Impfangebote massiv ausweiten. Dazu gehört laut Ministerin Behrens neben deutlich mehr mobilen Impfteams und dem Aufbau stationärer Impfstellen in den Kommunen auch die Einrichtung von zusätzlichen Impfsprechstunden in rund 180 Arztpraxen. Die Zahl der mobilen Impfteams wird laut Gesundheitsministerium von 134 auf mehr als 200 angehoben. Das entspreche einem Impfteam pro 40.000 Einwohner (bisher 70.000 Einwohner). Die Hauptlast tragen aber weiter die Arztpraxen: Rund 180 Praxen sollen künftig in gesonderten Sprechstunden jene Patienten impfen, die keinen eigenen Hausarzt haben oder deren Arzt keine Corona-Impfungen anbietet. Die ausgewählten Praxen erhalten eine Förderung des Landes in Höhe von 130 Euro pro Stunde. Innerhalb einer Kalenderwoche werden pro Praxis acht Stunden gefördert, macht also wöchentlich 1040 Euro. Insgesamt sind bisher etwa 4500 von 14.000 Praxen in Niedersachsen an der Impfkampagne beteiligt.

Appell des Landes geht weiter als die Stiko-Empfehlung

Bisher empfiehlt die Ständige Impfkommission des Bundes (Stiko) die Auffrischungsimpfungen insbesondere für Personen, die älter sind als 70 Jahre, für Personen mit einem geschwächten Immunsystem sowie für Beschäftigte und Bewohner von Alten- und Pflegeinrichtungen und medizinischen Einrichtungen. Der Mindestabstand zur zweiten Impfung beträgt dabei sechs Monate. Das Land ruft die Ärzte dazu auf, niemandem eine Auffrischungsimpfung zu verwehren, wenn die Zweitimpfung sechs Monate zurückliegt. Das Alter dürfe dabei keine Rolle spielen.

Über 85 Prozent der Covid-Patienten auf Intensivstationen nicht geimpft

„Jede Impfung schützt vor einer gefährlichen Atemwegserkrankung und leistet einen Beitrag im Kampf gegen die vierte Welle und die Überlastung unseres Gesundheitssystems“, sagte Gesundheitsministerin Behrens und  betonte, dass mehr als 85 Prozent der Covid-Patienten auf den Intensivstationen nicht geimpft seien. Das zeige, dass die Impfungen die Gefahr eines schweren Verlaufs deutlich senkten.

Impfquote liegt bei Erwachsenen in Niedersachsen bei rund 80 Prozent

Bisher sind nach Angaben der Ministerin etwa 80 Prozent der Erwachsenen in Niedersachsen vollständig geimpft - das sei gut, aber noch nicht genug. Gleichzeitig steige der Bedarf an Auffrischungsimpfungen. Seit Mitte Oktober hätten rund 360.000 Menschen den sogenannten Booster bereits erhalten.

Kinder und Jugendliche von Neuinfektionen am stärksten betroffen

Am stärksten betroffen von den Neuinfektionen sind derzeit Kinder und Jugendliche. So lag der Inzidenzwert bei den Fünf- bis Elfjährigen mit 294 Neuinfektionen pro 100.000 Altersgenossen deutlich über dem landesweiten Schnitt von 132,8. Bei den 12- bis 19-Jährigen lag der Wert mit 176 ebenfalls deutlich darüber. Allerdings nehme die Impfquote der Jugendlichen derzeit noch stark zu, sagte Behrens. Bisher sei etwa jeder zweite 12- bis 17-Jährige vollständig geimpft.

Schärfere Verordnung lässt Weihnachtsmärkte weiterhin zu

Für die kommende Woche hat Regierungssprecherin Anke Pörksen eine neue Corona-Verordnung angekündigt, die deutlich früher als bisher 2G-Regeln vorschreibt und damit häufig nur noch Geimpften und Genesenen (2G) Zutritt etwa zu Veranstaltungen oder in Gastronomiebetriebe gewährt. 2G dürfte dann auch für die meisten Weihnachtsmärkte im Land gelten. An eine generelle Absage der Märkte denkt das Land momentan indes nicht.

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