Hannover
Impfstoff für Kinder: Niedersachsens Kultusminister macht Druck
„In Niedersachsen hat der Schutz des Präsenzunterrichtes allerhöchste Priorität“, bekräftigt Kultusminister Grant Hendrik Tonne – und überlegt, das Sicherheitsnetz an Schulen noch straffer zu ziehen.
Mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen auch in Niedersachsen fordert Kultusminister Grant Hendrik Tonne mehr Tempo bei der Zulassung eines Impfstoffes für Kinder. „Ich appelliere an die Europäische Arzneimittelagentur, die Zulassung des Impfstoffs für Kinder mit hoher Priorität zu bearbeiten und bitte die Ständige Impfkommission, zügig die Daten für diese Alterskohorte zu prüfen, damit es möglichst bald zu einer Entscheidung über eine mögliche Empfehlung kommen kann“, sagte der SPD-Politiker unserer Redaktion und fügte hinzu: „Das wäre wichtig, um einen weiteren Schutzschild für die Kinder bereit zu haben.“
Tonne will Schulen geöffnet lassen
Insbesondere appelliere er an die ungeimpften Erwachsenen, „die Impfangebote endlich anzunehmen“. Wer sich impfe, tue etwas Gutes für die Kinder, für die Schulen, für die Kitas. „Es darf keinen weiteren Bildungs-Lockdown geben. Wir müssen alles daran setzen, dass Schulen und Kitas offen bleiben“, forderte der Kultusminister und wies darauf hin, dass die allgemein sehr angespannte Infektionslage auch an den Kindern und Jugendlichen nicht vorbeigehe. „Die ausbleibende Impfmöglichkeit für unter Zwölfjährige und die mangelnde Impfbereitschaft eines Teils der Erwachsenen treibt die Inzidenzen auch bei den Schülerinnen und Schülern“, mahnte der Minister.
Der falsche Zeitpunkt für Kneipen und Karneval?
Zugleich bekräftigte der Vater von vier schulpflichtigen Kindern, dass Niedersachsen am Präsenzunterricht festhalten werde. „Der Präsenzunterricht in Niedersachsen läuft verlässlich und wir sehen, wie wichtig es ist, dass die Kinder und Jugendlichen in die Schule gehen und gemeinsam in der Klassengemeinschaft lernen.“ Der Schulminister appellierte an die Erwachsenen, Verantwortung zu übernehmen. „Wir können die Schulen sicher machen, aber wenn die Infektion über Kneipe oder Karneval in die Familien gebracht wird, dann haben wir darauf keinen Einfluss. Und letztlich werden dann Infektionen in Schule eingetragen, ohne dass Schule Auslöser ist“, erklärte Tonne gegenüber unserer Redaktion. Er habe „größtes Verständnis“, dass das Bedürfnis nach Ausgelassenheit und Feiern da sei - „aber in der jetzigen Lage müssen wir alle uns wieder die Frage stellen, was wirklich Priorität hat.“
Kommt die Testpflicht für geimpfte Schüler?
In Niedersachsen jedenfalls habe der Schutz des Präsenzunterrichtes „allerhöchste Priorität“, stellte Tonne klar. Daher prüfe sein Haus momentan auch, ob das Sicherheitsnetz an Schulen noch straffer gezogen werden könne. Nachgedacht werde zum Beispiel über noch mehr Tests und selbst darüber, auch vollständig geimpfte Schüler wieder einer Testpflicht zu unterziehen.
Kein Zurückrudern in Niedersachsen
Fest stehe, dass das Sicherheitsnetz mit aktuell drei Tests pro Woche, Maskenpflicht für alle auch im Unterricht, außer für die ganzen jungen Schüler in den ersten und zweiten Klassen, sowie Lüftungs- und Hygienekonzepten, bisher „sehr gut“ halte. „Unser Konzept funktioniert und im Gegensatz zu anderen Ländern müssen wir auch nicht zurückrudern, weil wir mit Bedacht mehr Tests und Maskenpflichten eingezogen haben“, sagte Tonne.
Mehr als 2000 positive Corona-Schnelltests unter Schülern
Unterdessen gab es unter den Schülern in Niedersachsen nach der ersten Unterrichtswoche nach den Herbstferien 2090 positive Corona-Schnelltests. Von diesen positiven Tests wurden 1233 mit einem PCR-Test bestätigt, wie das Kultusministerium am Freitag in Hannover mitteilte. Die Zahlen beruhen demnach auf der vergangenen Woche, am 1. November begann wieder die Schule nach den Ferien. Die Tests bei Schulbeschäftigten führten den Angaben zufolge zu 337 positiven Schnelltests, 139 davon wurden durch PCR-Tests bestätigt. PCR-Tests gelten als zuverlässiger als Schnelltests. In der ersten Woche nach den Ferien mussten sich Schüler sowie Beschäftigte jeden Tag auf das Coronavirus testen, sofern sich nicht vollständig geimpft oder genesen sind. Mittlerweile ist diese Testpflicht noch dreimal wöchentlich vorgesehen - in der Regel montags, mittwochs und freitags. Die am Freitag veröffentlichten Daten beruhen demnach auf Angaben von etwa 92 Prozent aller Schulen im Bundesland. Auf die allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen des Landes gehen rund 1,1 Millionen Schüler, rund 100.000 Menschen arbeiten dort.