Seelsorge

Damit die Kirche im Dorf bleibt

Philipp Ebert
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Von Philipp Ebert
| 12.11.2021 18:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Oldenburger Land ist bisher in 40 Pfarreien und acht Dekanate gegliedert. Symbolfoto: Pixabay
Das Oldenburger Land ist bisher in 40 Pfarreien und acht Dekanate gegliedert. Symbolfoto: Pixabay
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Auf die Katholiken im Oldenburger Land kommen große Veränderungen zu. Die bisher bekannten Pfarrgemeinden sollen in sechs sogenannten Pastoralen Räumen zusammengefasst werden.

Oldenburger Münsterland - Auf die Katholiken im Oldenburger Land kommen große Veränderungen zu. Die bisher bekannten Pfarrgemeinden sollen in sogenannten Pastoralen Räumen zusammengefasst werden. Zugleich aber bleiben die bisherigen Gemeinden als solche erhalten und damit rechtlich sowie vermögensrechtlich selbstständig. Diese Entwicklung ist, wie bereits berichtet, Teil von Bestrebungen der Bistumsleitung in Münster um Bischof Dr. Felix Genn, die katholische Kirche vor Ort „zukunftsfähig“ zu halten. Im Oldenburger Land wird der Prozess vom Bischöflich Münsterschen Offizialat (BMO) unter der Leitung von Weihbischof Wilfried Theising verantwortet.

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Mit dieser Reform wollen Bistum und BMO auf gleich drei strukturelle Entwicklungen reagieren: sinkende Mitgliederzahlen, langfristig sinkende Finanzmittel und einen zunehmenden Mangel an hauptamtlichen Mitarbeitern in der Seelsorge: also Priestern und Pastoralreferenten. Konkret gehen Berechnungen davon aus, dass die Zahl der Katholiken im Bistum Münster von derzeit 1,8 Millionen bis 2040 auf 1,4 Millionen zurückgehen wird. Durch den Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge rechnet das Bistum darüber hinaus damit, dass die finanziellen Mittel in Zukunft „spürbar geringer ausfallen“ dürften.

Sechs Pastorale Räume

Bei den Seelsorgerinnen und Seelsorgern wiederum wird mit einem Rückgang von 1370 (Stand jetzt) auf 500 bis 550 im Jahr 2040 gerechnet. Welche Ergebnisse genau der „Prozess zur Entwicklung der pastoralen Strukturen“ im niedersächsischen Teil des Bistums Münster haben wird, ist noch unklar. Klar ist nur dieses: Die bisher 40 Pfarreien zwischen Damme und Löningen im Süden und der Insel Wangerooge im Norden sollen künftig in nur noch sechs Pastoralen Räumen zusammengefasst werden.

Sechs Pastorale Räume – das sind weniger Einheiten als die bisher acht Dekanate (siehe unsere Karte). In diesen Pastoralen Räumen sollen laut Bistumsleitung „perspektivisch“ nicht mehr als acht hauptamtliche Seelsorger arbeiten – also auf einem Gebiet, das möglicherweise etwas größer ist als die bisherigen Dekanate. Wie genau diese Pastoralen Räume zugeschnitten sein sollen, wird im Rahmen von „Auftaktveranstaltungen“ bekannt gegeben. Für das Dekanat Friesoythe ist die Veranstaltung am Montag, 7. Dezember, geplant. Einige Dinge sind aber klar, denn Dr. Felix Genn hat als Bischof von Münster drei Pflöcke eingeschlagen: Es werde erstens keine weiteren vom Bischof verordneten Zusammenlegungen von Pfarreien geben. Zweitens solle das Verhältnis der Münster’schen Diözesanpriester im aktiven Dienst zu ausländischen Priestern, etwa aus Indien, langfristig bei zwei Dritteln zu einem Drittel liegen. Sprich: Auf 20 „eigene“ Priester sollen höchstens 10 „Priester der Weltkirche“ kommen.

„Mehr Bereitschaft zur Zusammenarbeit“

Drittens: Es brauche „mehr Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwischen den Pfarrern sowie zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen“. Genn ist 71 Jahre alt und daher laut Kirchenrecht verpflichtet, dem Papst spätestens im Jahr 2025 seinen Rücktritt anzubieten. Die „Beratungs- und Entscheidungsphase“ des Struktur- und Entwicklungsprozesses soll aber laut BMO bereits bis Mai 2023 abgeschlossen sein. Die „Zielplanung“ bei der Verteilung der Hauptamtlichen geht laut Markus Wonka, Seelsorge-Chef im BMO, bis 2040.

Was Wonka auch betont: Der jetzt angestoßene Prozess sei weniger eine „Reform“ als vielmehr eine „Weiterentwicklung“ bestehender Strukturen mit dem Ziel, „den kommenden Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen und gleichzeitig kirchliches Leben in den Gemeinden zu unterstützen“. Und: Auch wenn jetzt diese „Weiterentwicklung“ anstehe, stehe das BMO gleichwohl in Geldfragen „solide“ da.

Zukunftspläne

So geht es weiter: Die Pfarrgemeinden werden bis Anfang Dezember über die Pläne und Vorschläge des BMO informiert. Die Auftaktveranstaltungen finden in den Dekanaten statt. Jede Gemeinde wird dabei von einer Delegation vertreten; unter anderem dabei sind die leitenden Pfarrer sowie Vertreter der Laiengremien.

Wer ist wichtig? Gesteuert wird der Prozess von der Leitung des BMO, insbesondere von Offizial Wilfried Theising, dem Seelsorge-Chef Dr. Markus Wonka und dem Verwaltungs- und Finanzchef Michael gr. Hackmann. In einer Arbeitsgruppe wirken dazu die BMO-Mitarbeiter Johannes Vutz, Stefan Lampe, Friederike Asbree und Stefan Hölters mit.

Dem Beirat gehören die Pfarrer Michael Bohne (Oldenburg) und Heiner Zumdohme (Damme), die Pastoralreferenten Steffen Menke (Löningen) und Tanja Gamers (Saterland) sowie Diakon Franz-Josef Kröger (Lohne) und Cornelia Ostendorf (Vechta) an. Ebenfalls im Beirat sind: Dr. Gerhard Tepe (Caritasdirektor), Pater Dr. Andreas Bordowski (Schulstiftung St. Benedikt), Pfarrer Dr. Marc Röbel (Katholische Akademie Stapelfeld) sowie Professorin Dr. Britta Baumert (Uni Vechta).

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