Fußball
Kickers-Feier: Auch Engelbert Schmidt schaute vorbei
Mit einer Feier im Rathaus blickte Kickers Emden auf 75 Jahre BSV zurück. Ein während einer Autofahrt entlassener Ex-Trainer kam aus Berlin. Großen Applaus gab es für Ex-Präsident Engelbert Schmidt.
Emden - Einen passenderen Ort hätte der BSV Kickers Emden für seine kleine Geburtstagsparty nicht finden können. Im Raum „Rummel“ im Emder Rathaus führte Moderator Edzard Wagenaar am Mittwoch mit Videos, Bildern und vielen Gesprächspartnern durch 75 Jahre bewegte Vereinsgeschichte, in der immer etwas los war..
Den längsten Applaus an dem kurzweiligen Abend erhielt ein Zuhörer aus dem Publikum. Als ein emotionales Video mit der Epoche des Drittliga-Aufstiegs 2008 und des Rückzugs in die Oberliga 2009 endete, begrüßte Wagenaar per Mikrofon Engelbert Schmidt. Es folgte ein sehr warmer Applaus für den Mann, der den Verein von 1998 bis 2009 geführt hatte und mit eigenem Geld und vielen Kontakten einen Drittliga-Etat überhaupt erst ermöglicht hatte – und von manchen nach dem Ende des Profifußballs auch angefeindet wurde. „Applaus tut immer gut“, erklärte der Ex-Präsident danach auf Nachfrage. Viel mehr will er öffentlich nicht sagen. Besonders nicht zur Vergangenheit Zu sehr schmerzt noch immer das Ende seiner weitestgehend erfolgreichen Präsidentschaft, die fast in die 2. Bundesliga geführt hätte, letztlich aber über Nacht 2009 in der Oberliga endete. Sein damaliger Vize Günther Kunz kritisierte in dem Videobeitrag damalige Protagonisten der Stadt für fehlende finanzielle Unterstützung beim Kampf um die Lizenz. Es war der erste BSV-Auftritt von Schmidt nach vielen Jahren Abstinenz. Auch wenn er öffentlich nicht sprach: Bei Currywurst und Bier plauderte Schmidt nach dem offiziellen Akt noch eine Weile mit alten Weggefährten.
Kickers „explodierte“ unter Riedl
Bei der lockeren „Verlängerung“ mischte auch Bernhard Janssen mit, der extra aus Berlin angereist war. „Ich bin gerne gekommen. Als gebürtiger Emder und jahrelanger Trainer beim BSV habe ich eine enge Verbindung zum BSV“, erklärte der 70-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf der Festakt-Bühne gehörte er mit den Spieler-Legenden Nils Andersson und Uwe Groothuis zu den Zeitzeugen der Epoche von Dr. Helmut Riedl, der von 1986 bis 1996 wie ein Patriarch wirkte – aber auch Geld und Erfolg brachte. „Der Verein ist in dieser Zeit explodiert. In der ersten Saison hatten wir um die 500 Zuschauer. Nach dem Aufstieg und dem Start der Freitagsspiele waren es teils 5000 bis 6000“, so Janssen im Gespräch mit Wagenaar. 1994 wäre der BSV sogar fast in die 2. Bundesliga aufgestiegen.
Trainer-Entlassung im Auto
Bernhard Janssen hatte den BSV von 1986 bis 1992 trainiert, in die drittklassige Oberliga geführt und wurde dann im Oktober 1992 entlassen – auf dem Beifahrersitz vom Präsidenten auf dem Rückweg vom Auswärtsspiel. Nach Niederlagen mussten manche Spieler auch zum Rapport, verriet Groothuis.
„Riedl hat aber alles mit vollem Herzen gemacht und wollte wie wir den Erfolg – nur eben manchmal mit anderen Mitteln“, analysierte Janssen, der nach der Entlassung in Emden und einigen Jahren bei der SpVg Aurich 1997 als Nachwuchskoordinator und in anderen Funktionen beim VfL Wolfsburg landete. „Ich hätte es unter all den Trainern und Managern nicht 20 Jahre lang in Wolfsburg ausgehalten, wenn ich nicht unter Dr. Riedl gearbeitet hätte.“
Der Oberbürgermeister spricht
Zu Beginn des Abends und nach einem Einführungsvideo ging es um die Anfangsjahre des BSV. Dazu nahmen der kurz vor seinem 90. Geburtstag stehende Joachim Frerichs und der 80-jährige Bodo Olthoff die Gäste mit in die Nachkriegsjahre des zerbombten Emden, als der BSV nach seiner Gründung am 24. März 1946 sich seinen Platz im Feld von mehreren Vereinen suchen musste.
All das ist detailliert auch in der federführend von Reiner Bruns, Albert Peters und Horst Groeneweg konzipierten Chronik zum 75. Geburtstag nachzulesen. Das 230-Seiten-Werk, das Wagenaar als „Kracher“-Buch betitelte, ist ab Montag in diversen Vorverkaufsstellen zu erwerben. Kickers-Vorsitzender Dr. Jörg Winter überreichte Oberbürgermeister Tim Kruithoff das erste Exemplar. Der machte in der Talkrunde deutlich, dass er Leistungsfußball in Emden und bei Kickers unterstütze – aber eben auch das Wohl aller Vereine im Auge habe.
Doch im Raum „Rummel“ ging es an diesem Abend nur um Kickers Emden. Wie sehr die packende Geschichte des Klubs in der Stadt verankert ist, stellte auch Bernhard Janssen beim Schlendern durch die Innenstadt fest. „Unglaublich, wie viele Leute mich dort angesprochen haben“, sagt der frühere Trainer, dessen fünfstündige Zugfahrt nach Berlin am Donnerstag wie im Flug vergangen sein dürfte. Er hatte schließlich die Geburtstags-Chronik im Gepäck.
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