Berlin

Deutschland gefangen in der Welle der Ungeimpften: Hilft eine Prämie?

Michael Clasen
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Von Michael Clasen
| 11.11.2021 18:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Gibt den Corona-Kurs vor: Olaf Scholz (SPD) Foto: Kay Nietfeld/dpa
Gibt den Corona-Kurs vor: Olaf Scholz (SPD) Foto: Kay Nietfeld/dpa
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Endlich! Olaf Scholz ist noch nicht Kanzler, aber er übernimmt bereits die Rolle des obersten Corona-Bekämpfers Deutschlands. Ein nationaler Kraftakt ist nötig. Ganz lässt sich die Katastrophe aber nicht mehr abwenden.

Scholz konnte sich nicht länger wegducken. Als geschäftsführender Vize-Kanzler und künftiger Kanzler durfte er nicht mehr tatenlos zusehen, wie immer größere Regionen Deutschlands von der vierten Coronawelle getroffen werden. Es ist jetzt sein Job, die historische Krise zu meistern, nicht mehr der von Angela Merkel.

Angesichts der sich füllenden Intensivstationen und der Warnungen von Ärzten vor einer drohenden Triage verlieren selbst die wichtigen Ampel-Koalitionsgespräche an Bedeutung.

Dabei hat die scheidende Kanzlerin in den vergangenen Monaten massive Fehler begangenen. Aber nicht sie allein. Auch ihr Gesundheitsminister Spahn und vor allem die Bundesländer mit niedrigen Impfquoten wie Thüringen, Sachsen und Bayern haben es versäumt, Deutschland krisenfest zu machen. 

Haben wir nichts aus den Fehlern der vergangenen Coronawellen gelernt?

Schwachstelle sind die Intensivstationen

Das ist frustrierend und so bitter für die rund zwei Drittel der Bevölkerung, die sich haben impfen lassen und alle Schutzmaßnahmen seit Frühjahr 2020 mittragen, auch wenn nicht alle Regeln Sinn machten. Jetzt ist Deutschland faktisch gefangen in der Welle der Ungeimpften.

Eindeutige Schwachstelle sind die Intensivstationen. Wie kann es sein, dass es dort jetzt weniger Betten gibt als zu Beginn der ersten Coronawelle? Die Kündigungswelle vieler Pfleger hätte verhindert werden müssen. Da die Inzidenzzahlen in Deutschlands Sorgenregionen mit riesigen Impflücken explodieren, ist es nur noch eine Frage von Tagen, bis dort die Kapazitäten erschöpft sind. Andere Länder müssen sich jetzt deshalb darauf vorbereiten, zusätzliche Kapazitäten bereit zu stellen.

Impfkampagne in Krisenregionen massiv stärken

Gleichzeitig muss die Impfkampagne in Deutschlands Krisenregionen massiv verstärkt werden. Schärfere Regeln und mehr Druck sind da kein Allheilmittel. Das kann bei den Betroffenen sogar noch zu zusätzlichen Trotzreaktionen führen. Gezielte Ansprachen und Überzeugungsarbeit von mobilen Impfteams wären da hilfreicher. Zudem sollte die Idee der Impfprämie weiterverfolgt werden. Man stelle sich vor, jeder Bürger bekäme im kommenden Frühjahr als Dankeschön für die erste Spritze 10 Euro, für die zweite 15 Euro und für die dritte 25 Euro in Form von Gutscheinen für Theater- oder Restaurantbesuche - wie hoch wäre wohl dann die Impfquote im Land? Richtig, das kostet rund vier Milliarden. Aber zur Wahrheit gehört auch: Im Vergleich zu den gigantischen Summen, die bereits ausgegeben worden sind, wäre das gut angelegtes Geld.

Auch beim Boostern muss jetzt dringend Tempo gemacht werden. Das betrifft nicht nur ältere Menschen, sondern jeden. Denn der Impfschutz lässt von Monat zu Monat nach. Ohne Auffrischung wird der Winter andernfalls auch für viele Geimpfte wieder zu einer Gefahr.

Schulen offen lassen

Schulen und Kitas müssen zwingend offenbleiben. Dass die Schwächsten der Gesellschaft erneut die Fehler von Bund, einigen Ländern und Corona-Leugnern ausbaden müssen, darf sich nicht wiederholen. Wenigstens dieses Déjà-vu sollte Deutschland in diesem Corona-Winter erspart bleiben.

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