Wirtschaft

Transrapid soll nicht länger „Lost Place“ sein

Gerd Schade
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Von Gerd Schade
| 12.11.2021 11:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zu neuem Glanz verhelfen will der Förderverein unter anderem dem TR06. Aufgemöbelt und wieder zugänglich gemacht werden soll auch das Besucherzentrum. Foto: Schade
Zu neuem Glanz verhelfen will der Förderverein unter anderem dem TR06. Aufgemöbelt und wieder zugänglich gemacht werden soll auch das Besucherzentrum. Foto: Schade
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Ein neugegründeter Verein will den Transrapid im Emsland wieder zu einem Anziehungspunkt machen. Vor zehn Jahren wurde der Testbetrieb in Lathen endgültig eingestellt.

Lathen - Den Transrapid im Emsland wieder zu einem Anziehungspunkt machen, das will ein frisch gegründeter Förderverein in Lathen. Was genau haben die Mitglieder vor? Die alten Transrapidzüge heruntergekommen und verwittert, die Versuchsstrecke verwaist, das Besucherzentrum nicht einladend. Wer eine post-apokalyptische Kulisse mit „Lost Place“-Atmosphäre sucht, wird in Lathen fündig.

Den Gründungsvorstand bilden unter anderem: (v. l.) Ansgar Schlüter, Norbert Holtermann und Klaus Brands. Foto: Schade
Den Gründungsvorstand bilden unter anderem: (v. l.) Ansgar Schlüter, Norbert Holtermann und Klaus Brands. Foto: Schade

Nahezu aus dem Stand könnte die Szenerie einem Film oder einem Computerspiel als beklemmende Kulisse dienen. Das soll sich endlich ändern. 15 Jahre nach der Transrapid-Katastrophe mit 23 Toten und zehn Jahre nach der endgültigen Einstellung des Testbetriebs auf dem 32 Kilometer langen Rundkurs zwischen Lathen und Dörpen haben rund 30 Freunde der Magnetschwebebahn-Technik im Veranstaltungssaal „Markt 7“ in Lathen den Förderverein Transrapid Emsland aus der Taufe gehoben. Unter den Gründungsmitgliedern ist auch der Geschäftsführer der Intis GmbH, ein Tochterunternehmen der IABG. Sie ist Eigentümerin der Versuchsanlage. Der Transrapid-Fundus mit potenziellen Exponaten nach fast 30 Jahren Testbetrieb im Emsland ist immens. „Wir haben jede Menge Material, deshalb gibt es auch jede Menge zu tun“, sagt Norbert Holtermann. Mit ihm ernennt die Gründungsversammlung einen der maßgeblichen Initiatoren gewissermaßen folgerichtig zum Vorsitzenden. Zweiter Vorsitzender ist Ansgar Schlüter, Kassenwart Klaus Brands. Als Beisitzer werden Christian Mettin und Christian Hespe gewählt. Fortan solle der Verein laufen lernen und wachsen, wie Holtermann betont. Das Interesse sei groß – auch überregional, sagt der Vorsitzende und berichtet von Transrapid-Fans aus ganz Deutschland. Überdies überreichen überraschend noch am Gründungsabend Vertreter eines niederländischen Vereins eine Start-Spende.

Auf Spenden angewiesen

Auf Spenden und Fördergelder wird der Verein angewiesen sein, wenn er das, was er sich vorgenommen hat, umsetzen will. Holtermann und seinen Mitstreitern geht es um den Erhalt der Exponate der Magnetschwebebahn-Technik im Emsland und die Transrapid-Historie – aber keineswegs nur rückwärts gewandt. Denn aus Sicht ihrer Anhänger ist die Transrapid-Technik nicht tot und wird auch nicht sterben, im Gegenteil. Insofern ist die Arbeit des Vereins auch ein Blick zurück nach vorn.

„Wir sind mit dem Transrapid in Lathen groß geworden“, hatte Holtermann die Motivation für die Vereinsgründung bereits vor Monaten in einem Gespräch mit unserer Redaktion beschrieben. Anders gesagt: „Lathen ist Transrapid und Transrapid ist Lathen.“ Kurz vor der Gründung rückte nun auch der NDR zu Dreharbeiten für einen Beitrag im Magazin „Hallo Niedersachsen“ an. Der Verein kann jede Publicity gebrauchen. Was bei Holtermann eine Initialzündung auslöste: Als er in der Internetsuchmaschine Google den Namen seiner Heimatgemeinde eingab, spuckte sie ein Foto mit dem verwitterten Transrapid 07 am Betriebsgelände aus. Überdies fand der Lathener das Thema Transrapid samt Versuchszentrum unter dem Begriff „Lost Places“ in den Medien.

Hoch motiviert

Der Verein will das Erscheinungsbild deutlich ändern, sichtbar an die Magnetschwebebahn erinnern und die Versuchsanlage Besuchern wieder zugänglich machen. Holtermann und Effenberger zufolge sind nach wie vor immer wieder Menschen vor Ort, die die Anlage in Augenschein nehmen und Fragen dazu hätten.

Mehrere Mitglieder sind laut Holtermann schon jetzt hoch motiviert. Sie würden lieber heute als morgen zu Heckenschere und Schraubendreher greifen und loslegen. Der Verein werde die Arbeiten koordinieren. Wer mitmachen möchte, kann sein Interesse per E-Mail an transrapid@lathen.de signalisieren. Effenberger zufolge darf der Verein einige Räume im Besucherzentrum nutzen. Die Kommune hat nach Angaben von Samtgemeindebürgermeister Helmut Wilkens (CDU) 10.000 Euro sozusagen als Startkapital in ihren Haushalt eingestellt. Die Mitgliedsbeiträge wurden vom Verein auf mindestens 36 Euro pro Jahr festgesetzt. Schüler, Studenten und Auszubildende sind mit 15 Euro dabei.

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