Zukunft

Emsländer und Ostfriesen kämpfen um Zuschlag für neue Fabrik

Gerd Schade und Tobias Rümmele
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Von Gerd Schade und Tobias Rümmele
| 09.11.2021 18:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im VW-Werk Salzgitter entstehen bereits Batteriezellen für Elektroautos. Foto: Stratenschulte/dpa
Im VW-Werk Salzgitter entstehen bereits Batteriezellen für Elektroautos. Foto: Stratenschulte/dpa
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Volkswagen baut neue Batteriezellfabriken für seine Elektro-Autos. Sowohl Dörpen als auch Emden werben für sich als möglichen Standort. Doch es kann nur einen geben: Wer wird sich durchsetzen?

Emden/Papenburg - Sowohl Ostfriesland als auch das Emsland könnten Standort einer neuen Batteriezellfabrik von Volkswagen werden. Der Automobil-Konzern will gemeinsam mit Partnern in Europa sechs Batteriezellfabriken aufbauen. Als erste Batteriezellfabrikstandorte sind Skellefteå in Schweden und Salzgitter festgelegt. Nun hoffen die Stadt Emden und die Samtgemeinde Dörpen auf einen Zuschlag.

Zuletzt ist der gemeinsame Wirtschaftsraum Papenburg-Dörpen – kurz Wipad – im Rennen um eine Großansiedlung nur zweiter Sieger geworden. Das hatte der Dörpener Bürgermeister Manfred Gerdes (CDU) erst am Donnerstagabend während einer Ratssitzung deutlich gemacht. Gerdes erinnerte an das Interesse des US-Elektroautobauers Tesla, den es dann aber nach Brandenburg zog, sowie an den japanischen Konzern Mitsubishi, der Dörpen für eine Reifenproduktion ernsthaft im Visier hatte.

Emden sieht sich im Vorteil

Im Falle der geplanten Batteriezellfabrik müssen sich die Emsländer gegen eine ostfriesische Bewerbung durchsetzen: Auch die Stadt Emden möchte die geplante Fabrik haben. „Der Standort Emden bietet aufgrund seiner geografischen Lage ideale Voraussetzungen für die Ansiedlung einer Batteriezellenfertigung“, erklärt Stefan Klaassen, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung in Emden. „Innerhalb von 350 Kilometern können 13 Prozent der jährlichen europäischen Fahrzeugproduktion diverser Hersteller erreicht werden.“ Auch der Hafen und das VW-Werk in der Stadt, das gerade auf die Produktion von E-Autos umgerüstet wird, seien gute Gründe, die Fabrik in der Stadt anzusiedeln.

Doch auch die Dörpener streben sehnlichst nach der Großansiedlung. Unterstützung für die emsländische Bewerbung um eine Batteriezellfabrik von Volkswagen kommt von dem Dörpener CDU-Landtagsabgeordneten und Landtagsvizepräsidenten Bernd Busemann. In einem Schreiben an Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU), das unserer Redaktion vorliegt, erinnert er seinen Parteifreund an die Vorzüge, die aus seiner Sicht für den Standort Papenburg/Dörpen sprechen und „der ja aufgrund seiner außerordentlichen strukturellen Voraussetzungen auch schon von der Firma Tesla in die engere Wahl gekommen war“.

Wirtschaftsminister will ostfriesischen Standort

In diesem Zusammenhang verweist der Landtagsvize auf den ehemaligen VW-Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh, der wie auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) den Aufbau eines zweiten deutschen Standorts für eine Batteriezellfabrik neben Salzgitter gefordert habe. Der Standort Salzgitter sei im Übrigen sicher in Verbindung mit dem VW-Werk im benachbarten Wolfsburg zu sehen, meint Busemann. Weil warb indes bereits für einen Standort an der Küste wegen der großen Menge an Windstrom. Althusmann sprach sich in dieser Zeitung offen für Emden aus. Er sitzt kraft seines Amtes im VW-Aufsichtsrat.

Grund genug für Busemann, beim Minister den Standort Dörpen in Erinnerung zu rufen. Wie er in dem Schreiben ausführt, unterhielten Emden und Dörpen gute Beziehungen – nicht zuletzt wegen der Papierindustrie, die über den Hafen Emden mit Rohstoffen versorgt werde. „Dem Vernehmen nach sucht VW einen Standort, der die Fabrikation mit grünem Strom ermöglicht. Davon hat das nördliche Emsland reichlich zu bieten“, so der Dörpener.

Konzern hält sich bedeckt

Doch auch die Stadt Emden wirbt für sich und will den Zuschlag unbedingt haben. „Eine Batteriezellenfertigung würde für die Region neue und vor allem auch zukunftssichere Arbeitsplätze bedeuten“, erklärt Klaassen. „Und die Ansiedlung einer solchen Zukunftstechnologie würde auch dabei helfen, Fachkräfte an den Standort zu binden.“ Deshalb setze Emden auf eine CO2-neutrale Wirtschaft. „Eine mögliche Batteriezellenfertigung würde ideal dazu passen“, betont Klaassen.

Der VW-Konzern hält sich indes bedeckt. „Für die verbleibenden Batteriezellfabriken gibt es bisher keine Festlegungen“, sagt VW-Sprecher Dr. Stefan Ernst. Ausschlaggebend sei außer dem Wirtschaftsumfeld auch die jeweilige Fördermittelkulisse. Ernst wollte sich auf Anfrage unserer Redaktion noch nicht einmal darauf festlegen, dass ein deutscher Standort den Zuschlag erhält. Nur so viel teilte er mit: Eine zweite Batteriezellfabrik in Deutschland sei „grundsätzlich denkbar“.

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