Seeltersk
Unterschiede bei Freundschaften
Den Unterschied zwischen einem Freund und einem „festen Freund“ gibt es nicht nur im wahren Leben, er wird bei den Saterfriesen auch sprachlich deutlich. Und dann gibt es auch noch Verwandtschaft.
Im Saterlied, der „saterländischen Nationalhymne“ kommt der Satz vor: „Wie sunt ja Früünd“. Dies würden Saterländer, die sich in der Fremde treffen, zu einander sagen. Die Aussage kann leicht zu Verwirrung führen – ist jemand, den man noch nicht kennt, sofort ein Freund, weil er aus der gleichen Gemeinde kommt? Wahrscheinlich ist dies ursprünglich nicht so gedacht. Heutzutage wird „Früünd“ vor allem für „Freund“ verwendet, aber traditionell hatte es eine andere Bedeutung, nämlich „Verwandter“. Vermutlich meinte Wilhelm Schulte, als er das Saterlied schrieb, dass sich Saterländer wie eine große Familie fühlen – was durch die lange Isolation im Moor nicht unbedingt weit abseits der Wahrheit sein muss.
Zur Person
Henk Wolf (geb. 1973) arbeitet als Sprachwissenschaftler für die Rijksuniversiteit Groningen und als wissenschaftlicher Beauftragter für Saterfriesisch bei der Oldenburgischen Landschaft. Er hat ein Büro im Rathaus der Gemeinde Saterland in Ramsloh und schreibt für den GA in einer wöchentlichen Kolumne über Saterfriesisch.
Nordfriesisch hat auch „frün“ für „Verwandter“. „Verwandtschaft“ ist auf Nordfriesisch „frünschap“. Für Freund sagen die Nordfriesen „waane“ – ein Lehnwort aus dem Dänischen. Auch in den saterfriesischen Wörterbüchern findet man ‚“fjundskup“ für Verwandtschaft.
Die Westfriesen sagen für Freund normalerweise „freon“ oder auch „kammeraat“ oder „maat“. Die Bedeutung „Verwandter“ ist im Westfriesischen längst verschwunden. Unter jungen Westfriesinnen hört man heutzutage auch häufig „myn frynd“ für „mein Freund, ‚mein Partner“. Dieses „frynd“ ist das niederländische Wort ‚vriend (Freund) in westfriesischer Rechtschreibung.
In meiner Jugend war der Partner einer unverheirateten jungen Frau noch oftmals „myn ferkearing“ auf Westfriesisch. Dieses Wort hat auch eine entsprechende Form im Saterfrieisischen: „min Ferkier“. Dr. Marron C. Fort gibt dafür in seinem Wörterbuch folgende charmante, leicht altmodische Beschreibung: „ständiger Begleiter einer unverheirateten jungen Dame; fester Freund“.
Westfriesisch hat auch „frijer“ für diesen „ständigen Begleiter“, und das Wort kommt ebenfalls im Saterfriesischen vor: „min fräier“. Das neutrale Wort für Freund/Kumpel im Saterfriesisch war lange ‚ Frjuund oder ‚Fjund.
Kontakt: seeltersk@ga-online.de
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