Lembruch
Dümmer statt Abu Dhabi: Wie ein Ferienpark eine Region aufwertet
Skandi-Stil und Schweinskopfsülze: Am Dümmer gibt es jetzt beides. Wie passt der Marissa Ferienpark zu Niedersachsens zweitgrößtem See?
Vielleicht ist es der Name: Dümmer. Der Dümmer. „Wo fährst du hin?“ - „Zum Dümmer.“ Was für Einheimische ganz normal ist, klingt in auswärtigen Ohren seltsam: Wie kann ein See wohl aussehen, der so heißt?
Die Antwort muss ein wenig warten, denn die Fahrt dorthin dauert. Traktoren auf der Bundesstraße, dahinter noch „Bomber’s Bummelzug“, das jedenfalls steht hinten auf dem Lkw, der den Traktor vor sich nicht überholen kann.
Am Ende fährt man fast vorbei am Dümmer, denn man sieht ihn von der Straße aus nicht, und alle Hinweisschilder auf ihn sind durchgestrichen: Bauarbeiten.
Ferienpark mit fast 500 Einheiten
Was allerdings sofort ins Auge springt, ist die Einfahrt zum Marissa Ferienpark. „Rezeption“ steht in riesigen Lettern am Empfangsgebäude, das noch ein wenig verloren zwischen Erdhaufen, Baggern und Baustellen-Lkw hervorragt. Dahinter aber ist das meiste schon fertig: Fast 500 Wohneinheiten sind hier in den vergangenen Jahren am Ufer des Dümmer entstanden. Ferienhäuser, große und kleine, Appartements, Spielplätze, eine Skaterbahn. Vorne am Ufer Restaurants und Läden, noch im Bau das große Spa und Konferenzzentrum mit Premiumblick aufs Wasser.
Überhaupt, das Wasser: Ziemlich imposant ist der Dümmer mit seinen gut fünf Kilometern Länge und 4 Kilometern Breite. Allerdings auch flach, was ihm zusammen mit den Nährstoffeinträgen aus der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten nicht unbedingt gutgetan hat. Blaualgen und Badeverbote in dem durchschnittlich nur 1,4 Meter tiefen See waren die Folgen.
Dem Dümmer geht es besser
Die Negativschlagzeilen, die der Dümmer in den vergangenen Jahren gemacht hat, sind zuletzt weniger geworden. Es gibt ein Sanierungsprogramm für den See, und paradoxerweise hat ausgerechnet der Tourismus dazu geführt, dass mehr politische Aufmerksamkeit und damit auch mehr Geld zur Renaturierung in die Region flossen.
Und auch der Ferienpark, der in seinen 472 Einheiten sagenhafte 2500 Menschen beherbergen kann, fügt sich auf wundersame Weise gut in die vorhandene Landschaft ein. Die Häuser sind dunkel geklinkert, mit klaren Formen, es dominieren die Farben grau, braun und grün.
Ein bisschen sieht es aus wie in einem dänischen Neubaugebiet, und ganz weit hergeholt ist diese Assoziation auch nicht, wie sich herausstellt: „Die Architektin ist zwar Spanierin, aber unsere Chefs sind ja beide Dänen“, erklärt Generalmanagerin Susanne Adrian und lacht.
Investoren erwarten attraktive Renditen
Skandinavische Designsprache finde sich auch in den Häusern wieder: „Die Häuser und Appartements sind sehr hochwertig ausgestattet“, betont Adrian. Es gibt Möbel der dänischen Designschmiede HAY, einen Bio-Ethanolkamin und jeweils einen Weber-Grill. Die kleineren Häuser verfügen je über eine eigene Sauna, die großen gar über einen Pool. „Unsere Zielgruppe sind Familien, aber auch Freundegruppen“, sagt Adrian. Für Paare gibt es auch eine ganze Reihe kleinerer Appartements.
Vermarktet werden die Ferienimmobilien unter anderem durch den Großanbieter Novasol. Sowohl Großinvestoren als auch Einzelanleger haben sich hier eingekauft - sie erwarten hier am Dümmer, der bislang nicht als Premiumdestination galt, offenbar eine attraktive Rendite. Um die 1300 Euro kostet ein kleines Haus für eine Woche im Juli - in der Nebensaison sind die Preise zum Teil deutlich niedriger.
Pasta statt Schweinskopfsülze
Dass nicht nur die Dimension des neuen Ferienparks ein großer Wurf ist, sondern auch für die Region eine Zeitenwende bedeuten könnte, zeigt sich im nahegelegenen Lembruch. Hier ist noch der alte Dümmer zu finden, wie er bisher wohl immer war: Ohne Seesauna, aber mit Badestrand und kulinarisch mit krokettig-heimeliger Atmosphäre.
Hier gibt es Fischbrötchen, Pommes und Currywurst im „Strandimbiss Achtern Diek“. Im Hotel „Strandlust“ nebenan steht schon der Grünkohl auf der Karte und natürlich „Deterts Schweinskopfsülze“ - ein Gericht, das man beim schicken Italiener im Ferienpark wohl vergeblich auf der Karte suchen dürfte.
Wie sich das Alte und das Neue am Dümmer verträgt? Die Häuser und Wohnungen des Ferienparks waren in ihren ersten beiden Sommern trotz des immer noch andauernden Baubetriebs jedenfalls gut gebucht. Das lag natürlich auch an den Folgen der Corona-Pandemie, als die meisten Menschen lieber ihren Urlaub im eigenen Land verbracht haben, als in ausländische Risikogebiete zu fliegen.
Aber sie ist zuversichtlich, dass sich der Dümmer dank der neuen Attraktion an seinem Ostufer künftig als besonders naturnahes Reiseziel etablieren wird.
Dafür spricht auch, dass der Ferienpark keine „Gated Community“ mit hohem Zaun ist: Die öffentlichen Bereiche sind allen zugänglich. Restaurants und Wellnessangebote werden auch von den Einheimischen genutzt, und auch der Skaterpark war während der Pandemie für viele Jugendliche vor Ort eine willkommene Abwechslung.
Schwitzen in der Seesauna
Ab dem nächsten Sommer kommt dann auch im Ferienpark das dazu, wofür der Dümmer immer schon bekannt war: Wassersport. An der Steganlage vor dem Strand sollen dann Tretboote und Kajaks festmachen, die die Gäste mieten können.
Gleich nebenan schwebt über dem Dümmer die Seesauna mit spektakulärem Panoramablick aufs Wasser. Wer hier schwitzt und sich anschließend im Naturtauchbecken direkt im See abkühlt, wähnt sich zwar noch nicht automatisch am schwedischen Vätternsee. Wie in der Nähe von Vechta sieht es hier aber auch nicht aus.