Planung
Immer mehr suchen sich Grab und Totenhemd selbst aus
Die Zahl der Menschen, die ihre eigene Beerdigung organisieren, steigt auch in Ostfriesland kontinuierlich. Bei der Erledigung der Aufgaben helfen Checklisten aus dem Internet.
Ostfriesland - Manchmal ist es eine schwere Erkrankung, manchmal ein verstörender Vorfall im Freundeskreis. Egal, was den Anstoß gegeben mag: Immer mehr Menschen organisieren ihre eigene Beerdigung. Seit die Krankenkassen 2004 das Sterbegeld abgeschafft haben, sei deren Zahl unaufhörlich gestiegen, sagen Kenner der Branche. Auch im traditioniell zurückhaltenden Ostfriesland sei das der Fall. Heinrich Emkes etwa hat diese Beobachtung gemacht. Der Geschäftsführer des Trauerhauses von Halle in Aurich kann die Entwicklung sogar annähernd quantifizieren: Seien noch 2011 im Jahr zwei Menschen mit diesem Wunsch an ihn herangetreten, seien es aktuell im Schnitt 20.
Was und warum
Darum geht es: Ostfriesen überlassen immer häufiger ihre Bestattung nicht anderen.
Vor allem interessant für: Alle, für die der eigene Tod kein Tabuthema ist,
Deshalb berichten wir: Eine Freundin in Düsseldorf erzählte, dass sie wegen der Planung ihrer Beerdigung beim Bestatter war. Das hat mich neugierig gemacht, wie verbreitet die Organisation der eigenen Beerdigung in Ostfriesland ist. Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Sehr viele Alleinstehende finde man darunter. Menschen also, die nach ihrem Tod nicht Fremde oder entfernte Bekannte mit der Organisation einer Beerdigung belasten wollten. Der Vorteil daran, selbst tätig zu werden: Wichtige Details der Beerdigung werden nicht dem Zufall überlassen. „Wer zu uns kommt, kann die Bestattung nach seinen Wünschen planen“, sagt Heinrich Emkes. Das beginne mit der Wahl einer Feuer-, Erd- oder Seebestattung und ende bei der Musikbegleitung für Trauerfeier. Sehr beliebt sei gerade bei älteren Menschen immer noch das klassische Orgelspiel. Auch die langfristige Grabpflege könne geregelt werden. Damit alles wie abgesprochen abläuft, macht das Beerdigungsunternehmen mit dem Kunden einen Bestattungsvorsorgevertrag abschließen, der alle Modalitäten regelt.
Für die Organisation gibt es Checklisten
Damit man nicht vergisst, Details zu organisieren, kann man eine Checkliste nutzen. Etliche Vordrucke sind im Internet verfügbar. Sie heißen „meine Beisetzung“ und „Todesfall-Checkliste“. Darin sind unter anderem folgende Fragen zu beantworten: Wie soll der Sarg oder die Urne aussehen, welches Material und Dekor sind gewünscht? Wird eine Trauerrede gewünscht oder eine Beerdigung in aller Stille bevorzugt? Wer soll die Rede halten? Wer wird eingeladen? Welche Blumen sollen das Trauergesteck und den Kranz schmücken? Schließlich kann man sogar auswählen, welche Kleidung man im Sarg tragen möchte. Nicht zu vergessen: die Inschrift für den Grabstein, wenn es eine Erdbestattung sein soll.
Wenn alle Dinge festgelegt sind, erstellt der Bestatter ein Angebot. Auf dieser Grundlage schließt der Kunde einen Treuhandvertrag zur Bestattungsvorsorge ab. Die Zahlung erfolgt über den Bestatter oder direkt an die Treuhand. Das Kapital werde dann verzinslich angelegt, erläutert Stephan Neuser, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter mit Sitz in Düsseldorf. Die Höhe des Treuhandvermögens wird dem Vorsorger mindestens einmal im Jahr über den Bestatter mitgeteilt.
Gerade für Alleinstehende wichtig: Mit einer Totenfürsorge kann man regeln, wer das Recht und zugleich die Pflicht, sich um die Bestattung des Verstorbenen zu kümmern. Dieses Totensorgerecht lässt sich auch auf den Bestatter übertragen. Ohne diese Verfügung müssen sich die nächsten Verwandten darum kümmern.