Corona in Ostfriesland
Ungeimpfte Schüler: Corona-Infektionen stiegen um 652 Prozent
Die Corona-Infektionen unter Sechs- bis Elfjährigen in Ostfriesland haben nach den Sommerferien – im Vorjahres-Vergleich – um 652 Prozent zugenommen. Kultusminister Grant Hendrik Tonne sieht die Schulen „gut aufgestellt“.
Ostfriesland/Hannover - „Gut aufgestellt mit Kombination aus Präsenzunterricht plus Sicherheitsnetz“ sieht Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) die Schulen, wenn am Montag der Unterricht nach den Herbstferien beginnt. Mit dem „Sicherheitsnetz“ meint er, dass sich die Schülerinnen und Schüler an den ersten fünf Tagen auf eine Corona-Infektion testen müssen, ehe sie zur Schule dürfen – und sie in dieser Zeit Mund-Nasen-Bedeckungen im Schulgebäude tragen müssen.
Was und warum
Darum geht es: In den nächsten Wochen wird es sich zeigen, wie Niedersachsens Schulen mit relativ wenigen Raumluftreinigern durch den Corona-Winter kommen.
Vor allem interessant für: Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern.
Deshalb berichten wir: Weil am Montag die Schule nach den Herbstferien wieder losgeht. Den Autor erreichen Sie unter: a.ellinger@zgo.de
Mobile Raumluftreiniger gehören derweil nur im Einzelfall zu Tonnes Corona-Schutz-Kombination. Obwohl der Landeselternrat solche Geräte seit mehr als einem Jahr für jedes Klassenzimmer fordert – plus Spuckschutzwände zwischen den Schüler-Sitzplätzen.
Zwei Wochen nach den Herbstferien 2020 stiegen die Infektionszahlen
Jetzt beginnt die Pandemie-Phase, für die diese Investitionen zum Schutz der Kinder und Jugendlichen verlangt worden waren. Um neuerliche Schulschließungen zu vermeiden. Im vergangenen Jahr sei zwei Wochen nach den Herbstferien, im November, „ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen gewesen“, erinnert Emdens Stadtrat Volker Grendel. Damals sei es „zu umfangreichem Infektionsgeschehen an den Schulen und Kindertagesstätten“ gekommen. „Derzeit befinden wir uns noch in einer Vorphase mit deutschlandweit schon jetzt deutlich höheren Zahlen als zum selben Zeitpunkt im Vorjahr.“
Gerade Schulen sind Orte mit massenhaft Ungeimpften. Weil sich unter zwölf Jahren noch niemand gegen das Corona-Virus impfen lassen kann. Und weil die Ständige Impfkommission erst seit 16. August für alle Zwölf- bis 17-Jährigen ausdrücklich eine Corona-Impfung empfiehlt. Hinzu kommt die Delta-Variante des Virus, die seit Monaten bekannt ist, noch ansteckender als die vorangegangenen Corona-Varianten ist und inzwischen fast für alle Neuinfektionen in Deutschland verantwortlich ist.
Wie die Infektionszahlen nach den Sommerferien 2021 gestiegen sind
Die Sommerferien haben in Niedersachsen am 1. September geendet, in der 35. Kalenderwoche. Unsere Zeitung hat sich in der Statistik des Robert-Koch-Instituts die Neuinfektionen in Ostfriesland von der 35. bis inklusive der 43. Woche angeschaut – also bis Ende Oktober. Und zwar für die Jahre 2020 und 2021. Das heißt, im Jahr 2021 endet der Betrachtungszeitraum mit den Herbstferien. Im vergangenen Jahr waren die Ferien zwei Wochen früher – das heißt, im Betrachtungszeitraum 2020 sind sogar schon zwei Schulwochen nach den Ferien enthalten.
Ostfriesland: Viel mehr Virus-Infektionen als im Vorjahr
Ostfriesland: Mehr infizierte Senioren als im Vorjahres-Herbst
In der Altersklasse von sechs bis 17 Jahren – also den Kindern und Jugendlichen im Schulalter – hat das RKI in den genannten neun Wochen des Jahres 2020 von den Gesundheitsämtern in Aurich, Emden, Leer und Wittmund 100 Corona-Infektionen gemeldet bekommen. Im Jahr 2021 waren es 320. Das heißt, die Zahl der infizierten Schülerinnen und Schüler ist ungefähr um 220 Prozent gestiegen. „Ungefähr“ deshalb, weil etliche 18-Jährige auch noch zur Schule gehen, während 17-Jährige teilweise schon eine Berufsausbildung machen. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass im Herbst 2020 an Schulen noch keine Antigen-Schnelltests gemacht wurden. Und wenn mehr getestet wird, werden auch mehr Infizierte entdeckt – weil manche keine Krankheitssymptome haben.
Wie es den ungeimpften Kindern von sechs bis elf Jahren ergeht
Nur die Altersklasse von sechs bis elf Jahren betrachtet, ist der Unterschied noch größer: 25 Infektionen in den neun Wochen des Jahres 2020 stehen 188 Infektionen im Jahr 2021 gegenüber. Das ist eine Steigerung von 652 Prozent – unter den Schülerinnen und Schülern, die ungeimpft sind, trotzdem meist in Klassenzimmern ohne Luftfiltergerät sitzen und deshalb dem Corona-Virus besonders schutzlos ausgesetzt sind. Während der Sommerferien, in den Kalenderwochen 33 und 34, haben sich in Ostfriesland sechs und elf Kinder dieser Altersgruppe angesteckt. Mitte der Kalenderwoche 35 begann die Schule. Die Wochenbilanz: 33 Infektionen. In der 36. Kalenderwoche steckten sich 29 ostfriesische Kinder in diesem Alter an. In der 37. Kalenderwoche waren es nur zehn – in der 40. Kalenderwoche wieder 23.
Die Auricher Kreisverwaltung hat seit den Sommerferien in zwei Schulen Corona-Ausbrüche registriert. Es sei für Klassen oder Lerngruppen Quarantäne angeordnet geworden. Darüber hinaus gebe es „immer mal wieder Einzelfälle“, die aber nicht statistisch erfasst würden. Die Emder Stadtverwaltung verzeichnete seit den Sommerferien 15 Infektionen in Schulen und 38 Quarantänemaßnahmen. Die Wittmunder Kreisverwaltung berichtet von rund 70 Infektionen bei Schülern – „mit einem größeren Ausbruchsgeschehen vor den Herbstferien“. Und: „Derzeit flaut das Infektionsgeschehen in diesem Bereich wieder ab (Herbstferien).“ Der Landkreis Leer führt hingegen keine Statistik, aus der die Corona-Fälle an Schulen hervorgehen würde, wie die dortige Kreisverwaltung mitteilt.