Kinderbetreuung

Schritt in die Selbstständigkeit mit Mini-Krippe

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 29.10.2021 14:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Tina Sczech (von links), Tatjana Schütte und Martina Geertsema werden Anfang kommenden Jahres die Großtagespflege „Regenbogenmäuse“ eröffnen. Foto: Gettkowski
Tina Sczech (von links), Tatjana Schütte und Martina Geertsema werden Anfang kommenden Jahres die Großtagespflege „Regenbogenmäuse“ eröffnen. Foto: Gettkowski
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Früher war Tatjana Schütte Mitarbeiterin im Kindergarten Midlum. Jetzt wagt sie den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnet eine Großtagespflege als Ergänzung zum Betreuungsangebot in Jemgum.

Jemgum - Früher hat Tatjana Schütte im Kindergarten Midlum gearbeitet. Jetzt will die 40-Jährige den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. „Aus Überzeugung und weil mir die Arbeit mit Kindern wichtig ist“, sagt die Sozialassistentin entschlossen. Gemeinsam mit ihren zwei ehemaligen Midlumer Kolleginnen Martina Geertsema und Tina Sczech will sie in Jemgum eine Großtagespflege eröffnen.

Was und warum

Darum geht es: In der Gemeinde Jemgum gibt es bislang keine Tagesmütter, die die Betreuung von Kindern übernehmen, wenn Plätze in Krippen oder Kindergärten belegt sind, oder berufstätige Eltern auf eine Kinderbetreuung außerhalb der regulären Öffnungszeiten der Einrichtungen angewiesen sind.

Vor allem interessant für: Eltern, die ab dem kommenden Jahr eine Kinderbetreuung suchen, nicht nur aus der Gemeinde Jemgum.

Deshalb berichten wir: In Jemgum ist eine neue Krippe geplant. Kritiker halten die Einrichtung mit vier Gruppen für überdimensioniert. Jetzt entsteht mit der Großtagespflege ein weiteres Angebot. Wir haben uns gefragt, ob dadurch ein Konkurrenzkampf entsteht.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

„Die Arbeit in einer Großtagespflege habe ich in Holtland kennengelernt“, erzählt Tatjana Schütte, die schließlich die Idee hatte, selbst solch ein Angebot zu schaffen. „In Jemgum gab es ja bislang kein Tagesmütterangebot.“ Ein Standort war schnell gefunden. „Ich habe die ehemalige Kleiderkammer in der Oberfletmer Straße 31 gepachtet“, erzählt sie. Die Umbauarbeiten in dem 145 Quadratmeter großen Gebäude sind in vollem Gange. „Im Januar kommenden Jahres wollen wir loslegen.“

Flexible Betreuungszeiten

Die drei Frauen sehen das neue Angebot nicht als Konkurrenz zur geplanten Krippe in Jemgum, sondern eher als Ergänzung dazu. Wenn zu den gewünschten Zeiten alle Plätze in Krippen oder Kindergärten belegt sind, oder berufstätige Eltern auf eine Kinderbetreuung außerhalb der regulären Öffnungszeiten der Einrichtungen angewiesen sind, kann die Großtagespflege ihnen eine Alternative bieten. Zunächst soll eine Betreuungszeit von 7 bis 17 Uhr angeboten werden. „Wenn sich ein anderer Bedarf entwickelt, werden wir flexibel darauf reagieren“, sagt Tatjana Schütte.

„Dadurch, dass wir zu dritt sind, sind wir nicht nur flexibler bei den Betreuungszeiten, sondern können auch mehr Kinder aufnehmen“, erzählt Martina Geertsema. Eine Tagesmutter dürfe in einer Großtagespflege in ihrem Privathaushalt nicht mehr als fünf Kinder gleichzeitig betreuen. Bei den Regenbogenmäusen dagegen können zehn Kinder im Alter von sechs Monaten bis zu sechs Jahren gleichzeitig betreut werden. Während es für Krippen und Kindergärten feste Einzugsbereiche gibt, können in der neuen Großtagespflege in der Oberfletmer Straße Kinder von überall aufgenommen werden. Es gibt nach den Worten der Erzieherinnen schon erste Anfragen. Interessierte Eltern können sich unter 0151/17848445 melden.

Keine Konkurrenz

Insgesamt können bis zu 20 Kinder aufgenommen werden. „Das ist fast wie eine kleine Krippe“, sagt die Erzieherin. Aber eben nur fast. Die Großtagespflege soll mehr den Charakter eines häuslichen Umfelds als das einer Betreuungseinrichtung haben. Anders als in einem Privathaus gibt es bei den Regenbogenmäusen aber extra kleine Toiletten und Waschbecken. „Wir werden mit den Kindern basteln, malen, Spaziergänge unternehmen, tanzen und ihnen vorlesen“, erzählt Tatjana Schütte. Es gebe auch einen Garten und einen Ruheraum fürs Mittagsschläfchen.

Im Gegensatz zu den meisten Tagesmüttern haben die Betreuerinnen der Regenbogenmäuse alle eine Ausbildung zur Erzieherin oder Sozialassistentin. „Theoretisch können wir sogar Kinder mit Beeinträchtigungen aufnehmen“, macht sie deutlich. Denn mit Tina Sczech gehört eine Erzieherin mit integrativer Zusatzausbildung zum Team.

Die Fraktion Jemgum 21 hatte seit jeher schon gefordert, in der Gemeinde Jemgum ein Angebot von Tagesmüttern zu schaffen. Die Fraktion hält den auf vier Gruppen ausgerichteten Krippenneubau für überdimensioniert und hat sich für eine Drei-Gruppen-Krippe eingesetzt. Ist zu befürchten, dass in Jemgum zwischen Großtagespflege und Krippe ein Kampf um die Kinder entbrennt? Diese Gefahr sieht Dieter Gottwald, einer der beiden Vorsitzendes des Freundeskreises Kindergarten Niederrheiderland, nicht. „Ich sehe das nicht als Konkurrenz“, so Gottwald, „man kann zusammenarbeiten und sich ergänzen.“ Er habe keine Zweifel, dass es gelingen werde, die geplanten vier Gruppen vollzukriegen. Laut Gottwald soll möglichst noch in diesem Jahr der Bauantrag gestellt werden. „Unser Ziel ist es, die Krippe 2022 zu eröffnen.“

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