Grusel

Mit Horror-Spinnen gegen die Phobie

Clarissa Scherzer
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Von Clarissa Scherzer
| 26.10.2021 18:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Am kommenden Sonntag ist Halloween: Familie Schneider aus Ostrhauderfehn hat aus diesem Anlass ihr Haus schaurig-schön geschmückt. Zu sehen sind beispielsweise abgeschlagene Köpfe, eine Monsterspinne oder blutige Knochen. Foto: Scherzer
Am kommenden Sonntag ist Halloween: Familie Schneider aus Ostrhauderfehn hat aus diesem Anlass ihr Haus schaurig-schön geschmückt. Zu sehen sind beispielsweise abgeschlagene Köpfe, eine Monsterspinne oder blutige Knochen. Foto: Scherzer
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Tanja Schneider aus Ostrhauderfehn schmückt ihr Heim gern jahreszeitlich passend. Zu Halloween beherrschen Untote, Geister und Gerippe den Vorgarten der Familie. Die Nachbarschaft ist begeistert.

Ostrhauderfehn - Ein gigantisches Spinnennetz spannt sich von Haus zu Haus. Fette Spinnen tummeln sich darin. Direkt davor liegt eine Monsterspinne auf der Lauer. Ihre giftgrünen Augen leuchten. Im Garten sind abgeschlagene Köpfe, aufgespießt auf Pfählen. Aus den Gräbern am Zaun steigen Untote, und der Wind weht lautes Heulen herüber. Es kommt von einem schaurig-schönen Geist mit blutigen Knochen in den Händen. Die Ostrhauderfehner Familie Schneider lebt derzeit in einem wahren Horror-Haus. Dekoriert ist alles passend zum für das aus Amerika rübergeschwappte Halloween-Brauchtum.

Tanja Schneider aus Ostrhauderfehn schmückt ihr Haus gerne – auch zu Halloween. Foto: Scherzer
Tanja Schneider aus Ostrhauderfehn schmückt ihr Haus gerne – auch zu Halloween. Foto: Scherzer

Schmücken zu Feiertagen wie Ostern, Weihnachten oder nun auch Halloween ist das Hobby von Tanja Schneider. „Ich habe meinem Mann beim ersten Treffen gesagt, dass ich gerne dekoriere, damit er gleich Bescheid weiß“, erzählt Tanja Schneider. Ihr Mann findet das okay, solange er nicht mitmachen muss. Schmücken ist ihr großes Hobby. Sie schmückt eben zu Ostern, Weihnachten und nun seit drei Jahren auch zu Halloween. Und das im großen Stil. Sie zog vor fünf Jahren mit ihrem Mann und dem Hund von Euskirchen nach Ostrhauderfehn. Wegen der Arbeit ihres Mannes und ihres Asthmas. „Die Luft hier oben tut mir richtig gut. Ich fühle mich hier sehr wohl, nur die Bus- und Bahnverbindung könnte besser sein“, sagt sie.

Spinnenphobie

Dass sie ihr Haus samt Garten zu Halloween derart gruselig schmückt, war für sie lange nicht selbstverständlich. Sie litt an einer ausgeprägten Spinnenphobie. Früher rief sie ihren Mann, wenn Spinnen auftauchten. Einmal war sie kurz davor, die Feuerwehr zu rufen, da sich eine Spinne im Küchentürrahmen abseilte und sie deswegen nicht mehr zurück zum Herd konnte. Schließlich erreichte sie einen Freund, der die Spinne entfernte. Die Kartoffeln in der Pfanne waren jedoch hinüber. Das ist nun anders. Und jetzt ist es ihr Mann, der sie bei Spinnenalarm ruft. „Das Leben auf dem Land war für mich eine gute Therapie. Hier sind oft mal Spinnen im und am Haus. Mein Mann ist beruflich viel unterwegs, da muss ich mir selbst helfen“, berichtet sie, „früher konnte ich nicht in einem Raum bleiben, in dem eine Spinne war, jetzt kann ich Spinnen auch anfassen und raus setzen. Als ich meiner Schwester erzählte, dass ich für Halloween schmücke, war sie echt erstaunt.“

Die Auffahrt gleicht einer Geisterbahn. Foto: Scherzer
Die Auffahrt gleicht einer Geisterbahn. Foto: Scherzer

Seit sie denken kann, liebt Schneider alles, was aus Amerika kommt. Dort ist es Brauch, Halloween als großes Fest zu feiern. Diese Tradition holte sie in ihr Heim nach Ostrhauderfehn. Für ihr Halloween-Haus bastelte sie Spinnen aus Wasserbällen, Hasendraht und Rohren. Die gepfählten Köpfe im Vorgarten sind aus Styropor, Masken und Bauschaum gemacht. Das Blut ist Acrylfarbe. Anregungen und Materialien findet sie im Internet.

Ton- und Lichteffekte

Damit es richtig schön gruselig wird, kommen auch Ton- und Lichteffekte zum Einsatz. Eine Puppe wurde kurzerhand zu einem Geist, der heulend aus einer Tonne kommt. Wichtig ist, dass die Dekoration wetterfest ist und man Abwechslung reinbringt. Die Nachbarschaft findet es toll. „Die Nachbarn sagen, du kannst auch bei mir schmücken. Dieses Jahr habe ich die Garage vom Nachbarn mit Spinnenweben dekoriert. Sie sind alle hellauf begeistert. Vor allem die Kinder. Sie haben erst mal Angst. Ich zeige ihnen, wie ich das gebastelt habe, dann ist die Angst weg“, verrät Frau Schneider. Sobald alles geschmückt ist, kommen die Brüder Maxim (9 Jahre) und Alexander (5 Jahre) mit ihrer Mutter fast jeden Abend zum Halloween-Haus. „Ich finde es hier schön und gruselig. Der Zerhackte auf dem Rasen macht mir ein bisschen Angst. Zu Halloween verkleide ich mich am liebsten als Zombie“, schildert Maxim.

Rund um das Haus in Ostrhauderfehn hat Tanja Schneider dekoriert. Foto: Scherzer
Rund um das Haus in Ostrhauderfehn hat Tanja Schneider dekoriert. Foto: Scherzer

Sein Bruder findet die große Spinne mit den leuchtenden Augen und den Geist sehr lustig. „Wir haben schon Halloween-Chips und Halloween-Lollys gekauft. Und ich verkleide mich gerne als Fledermaus oder Dracula“, erzählt Alexander. Aus der Nachbarschaft kommen sehr viele Kinder und auch Erwachsene zum Gruseln vorbei. Da ihr Haus etwas abgelegen in einer Neubausiedlung steht, postet Tanja Schneider bei Facebook Fotos vom fertigen Halloween-Haus. Das Feedback ist fast durchgängig positiv. Und viele fragen nach der Adresse.

Süßes oder Saures

„Ich habe unser Haus auch zu den schlimmsten Corona-Zeiten geschmückt. Ich finde es wichtig, etwas Schönes in dieser traurigen Zeit für mich und für andere zu haben. Viele fuhren einfach mit dem Auto ein paar Runden an unserem Haus vorbei, um es anzusehen“, erinnert sich Tanja Schneider.

Auch Zombies, die aus Gräbern steigen, gehören zur Dekoration. Foto: Scherzer
Auch Zombies, die aus Gräbern steigen, gehören zur Dekoration. Foto: Scherzer

Am 31. Oktober ist es wieder soweit. Wie viele andere auch verkleidet sich Tanja Schneider an diesem Tag sehr gerne. Vielleicht als Hexe, als Skelett oder als Fledermaus. Für alle Kinder, die zum Halloween-Haus kommen und rufen „Süßes, sonst gibts Saures!“, hat sie ganz besondere Leckereien vorbereitet: Es gibt starrende Glubschaugen, Lollys am Knochen, Spinnen, Totenköpfe und Skelette aus Weingummi oder Schokolade. Das Halloween-Haus befindet sich in Ostrhauderfehn, Am Idafehnschloot 18.

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