Kultur
Wie wichtig sind die Büchereien heutzutage noch?
An diesem Sonntag ist der Tag der Bibliotheken. Wir haben Bibliothekarinnen gefragt, ob es bei E-Books und Internetleihe die Bibliothek als Gebäude noch braucht. Ihre Antwort ist eindeutig.
Ostfriesland - Seit 1995 findet jedes Jahr am 24. Oktober deutschlandweit der „Tag der Bibliotheken“ statt. Er wurde vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker ins Leben gerufen, wie der Deutsche Bibliotheksverband mitteilt.
Der Tag solle die Aufmerksamkeit auf die über 9000 Bibliotheken in Deutschland lenken. Wir haben den Tag zum Anlass genommen, um mit zwei Bibliothekarinnen zu sprechen. Petra Moneke von der Johannes a Lasco Bibliothek, einer Spezialbibliothek für Fachliteratur in Emden, und Antje Hamer-Hümmling von der Stadtbibliothek Leer haben unsere Fragen beantwortet.
Wie wichtig sind heutzutage Bibliotheken als Gebäude?
Um allen Menschen gleichberechtigt den Zugang zu Bildung zu geben, sind die Gebäude sehr wichtig, sagt Petra Moneke. „Zur Johannes a Lasco Bibliothek kommen Nutzer aus Oldenburg, Bremen und Münster. Für Studierende, Forscherinnen und Forscher und Interessierte kann das Internet die Beratung in der Recherche nicht ersetzen“, sagt sie. Man könne Bücher nebeneinanderlegen, Auflagen vergleichen, das sei online nicht möglich.
Chancengleichheit ist auch in der Stadtbibliothek Leer ein Thema: „Es gibt wenig Räume, wo sich Menschen unbegrenzt und umsonst aufhalten können“, sagt Antje Hamer-Hümmling. Das sei gerade für benachteiligte Personen unheimlich wichtig. „Es kommen Bürger, aber auch Touristen hier her. Sie können umsonst den Internetzugang nutzen, ihren Laptop mitbringen und in den Sitzecken arbeiten oder Magazine und Zeitungen lesen“, sagt sie. „Wir sind in Leer privilegiert, weil wir neben den Regalen Platz für den Austausch und Aufenthalt bieten können. Andere Bibliotheken müssen darum kämpfen.“ Neben dem Wohnort und dem Arbeitsplatz sei die Bibliothek ein sogenannter „Dritter Ort“, also eine Stätte des öffentlichen Lebens: neutral, offen, inklusiv. „Wo gibt es das sonst?“, fragt sie.
E-Book und Internetleihe: Inwiefern sind sie auf dem Vormarsch?
„Wir bieten den Nutzerinnen und Nutzern an, uns Anfragen zu schicken, und wir suchen die gewünschten Werke heraus, Fernleihe ist auch möglich“, sagt Moneke. Digitalisierte Datenbanken würden ebenfalls häufig für die Forschung und die Recherche genutzt. „Gerade als die Bibliothek geschlossen war im Lockdown, konnten wir so unserer Informationspflicht nachkommen“, sagt sie. Gleichzeitig sei es wichtig, Bücher zu digitalisieren. „E-Books tragen keine Gebrauchsspuren davon, wenn sie genutzt werden.“ Gerade, wenn es um sehr alte Drucke oder Originaldokumente mit handschriftlichen Ergänzungen gehe, müssten Wissenschaftler auf die gedruckte Variante zurückgreifen, aber eben nur zu Forschungszwecken.
„Häufig nutzen Leserinnen und Leser beides: das E-Book und das gebundene Buch“, sagt Hamer-Hümmling. 2009 habe man mit der Internetausleihe begonnen, sie sei kontinuierlich mehr genutzt worden, im vergangenen Jahr habe es eine Steigerung der Nutzung um 30 Prozent gegeben durch die Pandemie. „Manche Nutzer haben wir lange nicht gesehen. Wir haben die Nutzung vereinfacht. So kann man nun auch seinen Ausweis online verlängern. Bei manchen führt es dazu, dass sie auch jetzt, da es wieder geht, nicht mehr in die Bibliothek kommen. Manche sind vielleicht noch verunsichert. Es ist zu hoffen, dass sich das bald wieder ändert.“