Haushaltstipps

Sauber mit Efeu und Kastanie

Susanne Risius-Hartwig
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Von Susanne Risius-Hartwig
| 23.10.2021 10:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Inge Kruse stellt ihr Waschmittel selbst her. Foto: Risius-Hartwig
Inge Kruse stellt ihr Waschmittel selbst her. Foto: Risius-Hartwig
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Die Papenburgerin Inge Kruse stellt ihr Waschmittel selbst her. Dafür nutzt sich unter anderem Efeu und Kastanien.

Papenburg - Wäsche waschen mit Efeu statt mit Pulver? Inge Kruse aus Papenburg hat damit gute Erfahrungen gemacht. Hier verrät sie ihre Rezeptur für das umweltfreundliche Waschmittel. Die Papenburgerin verarbeitet gerne Wildkräuter. In verschiedenen Kursen und Fortbildungen hat sie auch Pflanzen kennengelernt, die sich zum Waschen von Wäsche eignen.

Als einen großen Vorteil beim Waschen mit Pflanzen nennt Kruse die Vermeidung von Plastikverpackung. Auch Phosphate, optische Aufheller und Duftstoffe kommen im selbst gemachten Waschmittel nicht vor. Waschnüsse könnte man aus Indien importieren. Sie haben wegen des langen Weges aber keine gute Ökobilanz, darum hat die naturverbundene Emsländerin sie bisher noch nicht getestet.

Das Rezept

Kruses Rezept für Efeu-Waschmittel: Etwa 50 Efeublätter für etwa zehn Minuten in zwei Liter Wasser kochen, filtern und die Lösung luftdicht aufbewahren. Pro Waschladung drei Esslöffel der Lösung verwenden. „Man kann aber auch Efeublätter mittig zerreißen und in einem Wäschenetz direkt in die Trommel geben“, weiß Inge Kruse. Dann sollte man zehn dicke Blätter pro Waschgang verwenden. Die in den Blättern enthaltenen Saponine lösen sich gut, und die Efeublätter färben die Wäsche nicht grün.

„Der Vorteil beim Efeu-Flüssigwaschmittel gegenüber dem Waschen mit Blättern im Wäschesack ist, dass es griffbereit neben der Waschmaschine steht und man nicht erst in den Garten gehen muss, um Efeu zu pflücken. „Das ist vor allem toll, wenn ich ganz spontan abends noch die Waschmaschine anstelle und es draußen schon dunkel ist oder es regnet“, ist ihre praktische Überlegung.

Danach Weichspüler

Und nach der Wäsche Weichspüler benutzen? Essig ist die bessere Alternative, findet die Papenburgerin. Ein Schuss Tafelessig im Weichspülfach sorgt dafür, dass Seifen- und Kalkreste ausgespült werden. So wird die Wäsche nicht kratzig und ergraut weniger. „Und man belastet nicht unnötig die Umwelt“, ist für Kruse ein weiterer wichtiger Punkt.

Das pflanzliche Waschmittel hat bei der Papenburgerin auch den Langzeit-Test bestanden: „Ich wasche jetzt seit gut zwei Jahren immer weniger mit industriell hergestellten Waschmitteln. Weichspüler habe ich tatsächlich noch nie benutzt.“ Wäsche und Waschmaschine sind mit dieser Behandlung gut klargekommen, bestätigt Kruse. Seitdem sie nicht mehr berufstätig ist, beschäftigt sich die 60-Jährige intensiver damit, was Pflanzen alles können. „Dazu hat der Austausch in verschiedenen Kräuterkursen, zum Beispiel bei der Landwirtschaftskammer, beigetragen. „Und nicht zuletzt durch die Imkerei bekommt man einen anderen, intensiveren Blick auf die Natur“, erläutert Kruse.

Waschen mit Efeu, zum Beispiel mit Blättern im Wäschesäckchen, kann industriell hergestelltes Waschpulver ersetzen. Foto: Risius-Hartwig
Waschen mit Efeu, zum Beispiel mit Blättern im Wäschesäckchen, kann industriell hergestelltes Waschpulver ersetzen. Foto: Risius-Hartwig

Und es gibt sogar noch weitere Alternativen, die sie selbst beim Waschen ausprobieren möchte. Zum Beispiel das Seifenkraut. Die Samen der Pflanze warten schon darauf, im Garten der Kruses am Papenburger Untenende ausgesät zu werden.

Waschen mit Kastanien ist ebenfalls möglich. Bei dunkler und bunter Kleidung eignet sich die Rosskastanie, so Kruse. Dazu im Herbst etwa ein Kilogramm Kastanien ohne Schale sammeln, in kleine Stücke schneiden und für etwa eine Stunde in drei Liter Wasser kochen, danach filtern. Pro Waschladung drei Esslöffel zur Wäsche geben. Das Mittel ist biologisch abbaubar, Kleidung und Haut bleiben frei von Chemikalien. Außerdem betont die Papenburgerin: „Kastanien sind kostenlos, regional und ohne lange Transportwege verfügbar.“

Zur Person

Inge Kruse hat 42 Jahre bei Banken in Papenburg, Bremen, Ludwigshafen und im Kreis Leer gearbeitet – bis Mitte 2019. Danach hat die heute 60-Jährige sich zur Imkerin ausbilden lassen. Ihren engen Bezug zur Natur lebt sie in ihrem Garten und in der Verarbeitung von Wildkräutern aus. Mit ihrem Mann zusammen hat Inge Kruse vor den Toren Papenburgs eine Streuobstwiese mit 82 unterschiedlichen Obstbäumen angelegt. Dort stehen ihre fünf Bienenvölker. Deren Honig bekommt man bei Kruses im Hoek 34a. Mit Bienenwachs stellt die Papenburgerin Kerzen her. Auch das Weben und Spinnen hat sie sich angeeignet, denn alte Techniken und Handwerke interessieren sie sehr. „Es ist wirklich spannend wiederzuentdecken, was Generationen vor uns wussten.“

Waschen mit Efeu

In Foren im Internet wird vor giftigen Saponinen im Efeu gewarnt. Der Fachdienst Stadtentwässerung der Stadt Papenburg gibt allerdings Entwarnung: Saponine aus Pflanzen seien lange Zeit verwendet worden. Heute noch würden sie in marktgängigen Waschmitteln und Kosmetika eingesetzt und fließen der Kläranlage in unbekannten Konzentrationen zu. „Im Hinblick auf die Fischtoxizität von Saponinen gibt es keine wissenschaftlich gesicherten umfassenden Erkenntnisse, es werden aber in der Regel Konzentrationen im Bereich mehrerer mg/l genannt. Grundsätzlich müssen Saponine vollständig biologisch abbaubar sein, da es sonst im Laufe der Zeit zu einer Anreicherung in unserer Umwelt und damit auch im Grund- und Oberflächenwasser gekommen wäre“, teilt die Pressestelle der Stadt mit.

„Darüber hinaus ist festzuhalten, dass Probleme in Kläranlagen oder Fischsterben infolge hoher Saponingehalte in Kläranlagenausläufen nicht bekannt sind. Daher sehen wir bei ,normalem‘ Gebrauch von saponinhaltigen Waschmitteln kein Problem, da wir davon ausgehen können, dass diese in unserem Klärwerk vollständig abgebaut werden.“