Seeltersk
Wörterbücher halten oft am Alten fest
Wörterbücher für kleine Sprachen wie Saterfriesisch, sind oft schon älter und nicht mehr auf dem neuesten Stand. Außerdem halten die Verfasser gern an den alten Formen fest. Sprache aber wandelt sich.
Keine Sprache wird so gesprochen, wie sie in den Wörterbüchern steht. Das kann damit zu tun haben, dass die Wörterbuchmacher einfach zu spät waren: Die Sprache hatte sich bereits verändert, als das Wörterbuch erschien. Für viele Sprachen erscheinen Wörterbücher auch nicht so oft wie für große Sprachen so wie Deutsch und Niederländisch. Wörterbücher für kleine Sprachen sind nicht selten schon etwas älter und daher nicht mehr auf dem neuesten Stand. Auch kann es sein, dass die Lexikografen, wie die Wörterbuchschreiber in ihrer Fachsprache heißen, Sprachwandel einfach nicht belegen wollen, weil sie es zu schade finden, dass alte Wörter nicht mehr verwendet und neue eingeführt werden.
Eine Sache, die mir im Saterfriesischen aufgefallen ist, ist dass die Wörterbücher für „kein“ alle nur die Wörter „neen“ und „naan“ verzeichnen. Das sind die alten friesischen Wörter: „neen“ steht vor weiblichen und sächlichen Wörtern und vor Wörtern im Plural, „naan“ vor einem männlichen Substantiv. Nordfriesisch hat mit „niinj“ und „nån“ fast die gleichen Wörter.
In älteren westfriesischen Texten findet man für „kein“ noch „nin“: ohne Geschlechtsunterschied, aber wie „neen“ und „naan“ mit n- am Anfang. Heutzutage sieht und liest man jedoch im Westfriesischen ausschließlich „gjin“ und „gin“ – je nach Mundart. Im Saterfriesischen hört man oft eine Form, die es im älteren Friesisch noch nicht gab und zwar „kien“. Diese Form ist in den Wörterbüchern nicht belegt. Warum, weiß ich nicht. Vielleicht ist sie zu neu oder wurde als „schlechtes Saterfriesisch“ angesehen. Mein Eindruck ist jedoch, dass man dieses „kien“ mindestens so häufig hört wie „neen“ oder „naan“. Ich vermute, dass es ein plattdeutsches Lehnwort ist.
Das mit den friesischen Sprachen eng verwandte Englisch hat die alte n-Form ebenfalls erhalten und zwar als „no“ oder „none“: ‚He had no car‘ = Er hatte kein Auto, „She had none“ = Sie hatte keines.
Kontakt: Seeltersk@ga-online.de
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