Frankfurt (Main)

Warum der Abstieg von Greuther Fürth auch eine Chance sein kann

Udo Muras
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Von Udo Muras
| 20.10.2021 17:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Spvg. Greuther Fürth könnte ein Vorbild für andere abstiegsbedrohte Klubs sein, meint Kolumnist Udo Muras. Foto: dpa/Daniel Karmann
Die Spvg. Greuther Fürth könnte ein Vorbild für andere abstiegsbedrohte Klubs sein, meint Kolumnist Udo Muras. Foto: dpa/Daniel Karmann
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Der Abstieg der Spvg. Greuther Fürth aus der 1. Fußballbundesliga scheint jetzt schon besiegelt. Doch daraus ergeben sich auch Chancen, meint Kolumnist Udo Muras.

Nach einem Wochenende, das für einige schon wieder das Ende der Bundesliga gewesen zu sein scheint, freue ich mich über einen Zuwachs an Interesse. Mag ja sein, dass die Bayern wieder durchmarschieren, aber wer nach neun Jahren noch nicht abgesprungen ist, schaut sich das auch ein zehntes noch mal an.

Schlauchboot gegen Yachten

Nebenher empfiehlt sich ja schon länger der Blick ans andere Ende der Tabelle und da haben wir allmählich eine echte Attraktion. Die Spielvereinigung Greuther Fürth firmiert seit Samstag als schlechteste Mannschaft aller Bundesligazeiten, jedenfalls nach acht Spielen. Ein Punkt, 15 Tore mehr bekommen als geschossen. Noch schlechter als alle dachten, die sie schon gar nicht erst rein lassen wollten ins Oberhaus, für das sie sich aber nun mal astrein sportlich qualifiziert hatten. Ihr Aufstieg war eine Zumutung für jene, die das Wort von der Verzwergung der Bundesliga schon seit Jahren im Munde führen - als wenn aus der 2. Liga gefälligst nur schlafende Riesen kommen dürften.

Von denen gibt es fraglos einige und derzeit mehr denn je, aber die haben eben auch Riesenschulden und einen Haufen Fehler gemacht. Fürth nicht, nur den einen, aus Versehen aufzusteigen mit einem Etat, mit dem sie keinen Stammspieler der Bayern bezahlen könnten. Müssen sie auch nicht, aber wer ganz ohne Gehaltsmillionäre in der Bundesliga spielt, paddelt eben im Schlauchboot gegen Yachten.

Im Fußball gibt es kein Aufgeben

Nun stehen sie da unten und haben den letzten Platz schon sicher, glaubt man den Statistiken. Nur drei andere Mannschaften starteten mit einem Zähler aus acht Spielen und stiegen natürlich ab. Fußball ist zwar immer noch keine Mathematik, aber wer jetzt mit Fürths Abgang rechnet, erntet nicht mal einen Hauch von Beachtung.

Die Frage ist nun: wie sehen die Franken das selbst und was tun mit der angebrochenen Saison? Im Boxen kann man das Handtuch werfen, im Krieg die weiße Fahne hissen. Aber im Fußball? Dass Mannschaften zurückziehen kennt man nur aus der Kreisliga oder bei insolventen Regionalligisten. Tasmania Berlin, bisher die Lachnummer der Bundesliga, war 1965 fast schon so weit und spielte nur weiter als es vom DFB aus einem Solidarfonds Überbrückungsgeld bekam. Dann fällt mir noch die Geschichte aus der WM-Qualifikation 1954 ein, als die Polen nach Zulosung von Ungarns Wunderteam gar nicht erst antraten. Vielleicht ein Fehler? Die DDR-Sportführung hatte vor der WM 1974 denselben Gedanken. Lieber nicht gegen den Westen spielen, als schlecht spielen und verlieren, war die Parole für ein paar bange Stunden am Tag der Auslosung. Sie kamen dann doch und was am 22. Juni 1974 im Hamburger Volksparkstadion passierte, muss ich hier ja wohl nicht mehr ausführen. Darauf ein Sparwasser.

In Würde absteigen?

Die Fürther werden jedenfalls nicht zurückziehen, das wäre ja albern. Immerhin können sie sich wie im ersten Bundesligajahr 2012/13 die Taschen voll machen und schon mal für eine gute Zweitligamannschaft sparen. Wie sie sich bis Saisonende verkaufen, wird indes zunehmend interessanter. Schaffen sie endlich eines Tages den ersten Heimsieg, den sie schon im Premierenjahr nicht feierten und werden dann noch Zuschauer da sein? Wird der Trainer bis zum bitteren Ende bleiben, werden keine Köpfe rollen und Scheiben eingeschmissen, keine Busse blockiert? Steigen sie etwa in Würde ab, was den Großen - ich will hier keine Namen nennen außer vielleicht Schalke, HSV, Frankfurt oder Köln - nie so recht gelingen wollte? Das wäre doch mal was. Der Fürther Weg könnte Vorbild für viele andere werden und dann war ihr Ausflug in die Bundesliga nicht umsonst. Auf geht’s, Kleeblatt!

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