Corona

Luftfilter: Stadt Leer lehnt kostenlose Leihgeräte für eine Klasse ab

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 17.10.2021 08:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Stadt Leer verzichtet auf das Angebot von Eltern, den Klassenraum ihres Kindes mit Luftfiltern auszustatten. Symbolfoto: Hoppe/dpa
Die Stadt Leer verzichtet auf das Angebot von Eltern, den Klassenraum ihres Kindes mit Luftfiltern auszustatten. Symbolfoto: Hoppe/dpa
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Die Eltern eines Schülers wollten der Daalerschule in Leer zwei Luftfiltergeräte für den Klassenraum ihres Kindes kostenlos zur Verfügung stellen. Die Stadt lehnt dieses Angebot ab – mit gutem Grund.

Leer - Das Angebot klingt ziemlich verlockend: Die Eltern eines Schülers wollen der Daalerschule zwei hochwertige Luftfilteranlagen für den Klassenraum ihres Kindes für das laufende Halbjahr kostenlos zur Verfügung stellen. Die Stadt lehnt diese Spende, deren Wert sie mit 4300 Euro beziffert, aber ab – mit der Zustimmung einer deutlichen Mehrheit der Ratsmitglieder. Die offizielle Begründung ist, dass nach „vorliegenden wissenschaftlichen Beurteilungen der Einsatz von Luftreinigern nicht erforderlich ist“. Andere Gründe wiegen aber womöglich noch schwerer.

Die Stadt habe sich bisher bei ihrem Vorgehen in der Corona-Pandemie auf wissenschaftliche Studien und Vorgaben des Landes gestützt, die zu dem Schluss kamen, dass eine keine zusätzliche Luftreinigung nötig ist, wenn die Klassenräume ausreichend gelüftet werden können. Ließe die Stadt es zu, dass in einer Klasse die Luft zusätzlich gefiltert werde, käme sie in Zugzwang, weitere Klassen auch in den anderen Schulen mit Luftfiltern auszustatten, heißt es in der Vorlage für die Sitzung des Stadtrats am Donnerstag, wo dieses Thema auf der Tagesordnung stand.

Angst um sozialen Frieden

Die Stadtverwaltung befürchtet außerdem eine Beeinträchtigung des sozialen Friedens, wenn offenbar wohlhabende Eltern dafür sorgen könnten, dass eine Klasse vermeintlich gesündere Luft atmet als die anderen Klassen der Schule. So käme es im schlimmsten Fall bei diesem emotionalen Thema zu einer Schlechterstellung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien. „Diese Diskussion kann die Stadt nicht fördern wollen“, heißt es in der Vorlage für den Rat. Ein ähnliches Angebot für die Grundschule Bingum sei in der Vergangenheit auch schon abgelehnt worden, so die Stadtverwaltung.

Diskutiert wurde das Thema in der Ratssitzung am Donnerstag nicht. Lediglich Ursula Stevens-Kimpel (Linke) zeigte sich überrascht, dass man überhaupt auf die Idee kommen kann, dieses Angebot abzulehnen. In Pandemiezeiten solle man alles nutzen, was die Situation erleichtern könne, appellierte sie: „Wenn uns so eine Spende angeboten wird, sollten wir sie unbedingt annehmen.“ Sie fand unter den Ratsmitgliedern aber nur acht Mitstreiter. 24 Ratsmitglieder folgten dem Vorschlag der Stadtverwaltung, auf die Leihgeräte zu verzichten. Zwei enthielten sich der Stimme.

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