Emden
Einkaufen außerhalb der Öffnungszeiten? So funktioniert es im Combi-Markt in Emden
Digitalisierung im Supermarkt gibt es nicht nur in den Großstädten. In Emden können Combi-Kunden jetzt auch autonom außerhalb der Öffnungszeiten einkaufen. So funktioniert es – und diese Möglichkeiten könnte es bald zusätzlich im Norden geben.
Von außen sieht die Combi-Filiale in der Emder Innenstadt auf den ersten Blick aus wie jede andere. Hinter den automatischen Schiebetüren aus Glas liegt der Eingangsbereich, Einkaufskörbe stehen dort und der Kunde betritt wie gewohnt durch eine kleine Schranke den Supermarkt. Links liegt das frische Gemüse in grünen Boxen, weiter hinten sieht man schon die großen Kühlschränke der Kühlabteilung. Rund 8000 Artikel findet der Kunde insgesamt auf 500 Quadratmetern in den Regalen der Gänge und den Kühlschränken. Etwa 300 von ihnen kommen aus der Region.
Und doch ist diese City-Filiale in der rund 50.000-Einwohnerstadt im Nordwesten Niedersachsens etwas Besonders. Denn auch wenn die Kassen nur von 8 bis 18 Uhr besetzt besetzt sind - vorher und nachher kann der Kunde den Supermarkt eigenständig betreten, ohne dass Personal anwesend ist. Es ist Bünting zufolge der erste hybride Supermarkt dieser Größenordnung in Deutschland. „Innovation müssen nicht immer in der Metropole beginnen. Wir kommen aus der Region, deshalb testen wir das Modell auch hier“, sagt Johannes Aumann, der bei Bünting für die Entwicklung neuer Einkaufsformate verantwortlich ist.
Kunde kann sich selbst in den Combi-Markt reinlassen
Ein kleines Terminal rechts vor der Eingangstür, das manch einer vielleicht von Bankfilialen kennt, macht den Einkauf außerhalb der regulären Öffnungszeiten möglich.
Dort meldet sich der Kunde mit seiner Bünting-Punktekarte, der Moin-Card, oder seiner Bankkarte an. Auch über einen Scanner an der Schranke im Innenraum muss der Kunde seine Karte ziehen, um letztlich Zugang zum Markt zu bekommen. Jetzt kann es losgehen.
Die sogenannte „Pick & Go“-Technologie, die Lebensmittelhändler Rewe in einer Filiale in Köln testet, kommt bei Bünting in Emden allerdings noch nicht zum Einsatz. Dabei kann der Kunde Ware aus dem Regal herausnehmen und den Laden verlassen, ohne an der Kasse zu zahlen. Kameras und Sensoren registrieren den Einkauf, sodass der Bezahlvorgang entfällt.
Lesen Sie auch: Bünting-Chef: Der Kunde will Bio - am Ende entscheidet aber oft der Preis
Bezahlung erfolgt am Self-Checkout
Zwar gibt es auch im Emder Combi-Markt mehr Kameras als in einem normalen Markt zur Überwachung, wie Johannes Aumann erklärt. Am Ende seines Einkaufs scannt der Kunde seine Produkte jedoch am sogenannten Self-Checkout ein und bezahlt dort wie an einer Kasse.
„Wir müssen die Kunden langsam an die Technik heranführen“, sagt Markus Buntz, Chef der Leeraner Unternehmensgruppe. So lerne dieser die Vorteile der Digitalisierung kennen - und schätzen.
Das gilt nicht nur in Emden. Seit rund einem Jahr hat Bünting neben dem Oldenburger City-Markt einen 24/7-Automaten in Betrieb. Dort wählt der Kunde seine Produkte an einem überdimensionalen Tablet aus und ein Roboterarm greift sie aus dem Regal. Über ein kleines Förderband gelangen die Produkte dann zum Kunden in den Verkaufsraum.
Noch ein Einkaufen 24 Stunden sieben Tage die Woche
Das Angebot werde weiterhin gut angenommen, sagt Buntz, insbesondere außerhalb der Öffnungszeiten. Wie die Resonanz auf das autonome Einkaufen in Emden ausfällt, wollen man in den nächsten Monaten austesten. Konkrete Erwartungen verknüpft Bünting mit dem Angebot noch nicht. „Das ist für uns ein Lernprozess“, sagt Buntz. Auch dahingehend, wie benutzerfreundlich und intuitiv die digitalen Angebote sind.
Allerdings: Wie am Automat in Oldenburg an sieben Tagen die Woche 24 Stunden einkaufen kann der Kunde autonom in Emden noch nicht. Mit der Stadt sei zunächst eine ab 6 und bis 23 Uhr vereinbart. Zur Verfügung steht dabei das gesamte Sortiment des Marktes. Allerdings: Um alkoholhaltige Getränke oder Süßwaren einkaufen zu können, muss sich der Kunde ähnlich wie an einem Zigarettenautomaten noch einmal separat mittels eines Führerscheins oder Personalausweises ausweisen.
Erst dann erhält er Zutritt zu entsprechenden Produkten. Ob der Personalausweis auch wirklich der Person gehört, die vor der Schranke steht, kann das System dabei allerdings nicht überprüfen. Hier setzt Bünting auf die Eigenverantwortung der Kunden.
Weitere Digitalprojekte
Der hybride Supermarkt ist nicht das einzige Digitalprojekt der Leeraner Unternehmensgruppe. Unter anderem im ostwestfälischen Bielefeld geht Bünting in Sachen digitalem Einkauf noch einen Schritt weiter. Dort hat die Unternehmensgruppe jüngst mit repräsentativen Testkunden erprobt wie es beim Kunden ankommt, seinen Einkauf über eine Smartphone-App selbst zu scannen und am Ende nur noch den Bezahlvorgang an der Kasse auszulösen - eine Weiterentwicklung der „easy Shopper“, die zu Edeka gehörende Marktkauf-Märkte ihren Kunden anbieten.
Ob die digitalen Lösungen am Ende zu mehr Ladendiebstählen führen? Auch das will Bünting mit den Angeboten testen. Einer Studie des EHI Retail Institutes zufolge erhöhen Self-Checkout-Kassen und Self-Scanning-Lösungen allerdings selten die Diebstahlquote.