Drogen

Debatte über Legalisierung von Cannabis nimmt Fahrt auf

Von Daniel Noglik
 | 13.10.2021 19:40 Uhr  | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kommt die Ampel-Koalition, könnten Joints legal werden. Archivfoto: Leukert/DPA
Kommt die Ampel-Koalition, könnten Joints legal werden. Archivfoto: Leukert/DPA
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In der Diskussion über den legalen Cannabis-Verkauf meldet sich SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu Wort. Julian Pahlke, Grünen-Abgeordneter aus Ostfriesland, hat eine klare Meinung dazu.

Berlin - Die Debatte über eine Legalisierung von Cannabis nimmt Fahrt auf. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich dafür aus, in einem möglichen Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP eine Legalisierung von Cannabis festzuschreiben. In einem Interview der „Rheinischen Post“ plädierte er dafür, eine kontrollierte Abgabe an Erwachsene zu erlauben.

Das Bundesgesundheitsministerium ist weiter gegen eine Legalisierung, wie ein Sprecher von Minister Jens Spahn (CDU) deutlich machte. Bei Cannabis handle es sich um eine gefährliche Substanz, eine Legalisierung sei daher nicht angezeigt, sagte er. In bestimmten medizinischen Fällen könne die Verwendung von Cannabis helfen.

Weltärztebund-Chef warnt

Lauterbach sagte der Zeitung: „Jahrelang habe ich eine Cannabis-Legalisierung abgelehnt. Mittlerweile komme ich als Arzt aber zu einem anderen Schluss.“ Immer häufiger werde dem illegal verkauften Straßencannabis neuartiges Heroin beigemischt, das sich rauchen lasse. „Damit werden Cannabis-Konsumenten schnell in eine Heroin-Abhängigkeit getrieben.“ Dieses Phänomen sei neu und verändere die Lage. Mit einer Legalisierung von Cannabis ließe sich der Handel mit verunreinigtem Haschisch unterbinden, sagte der SPD-Politiker. „Ich bin deswegen dafür, dass wir in einem möglichen Koalitionsvertrag mit Grünen und FDP einen Passus zur legalen und kontrollierten Abgabe von Cannabis an Erwachsene formulieren.“

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Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnte hingegen vor einer Legalisierung. Den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sagte er: „Aus medizinischer Sicht ist die Freigabe von Cannabis deutlich abzulehnen.“ Es gebe keine medizinische Notwendigkeit, Cannabis – über die zulässigen Indikationen hinaus – zu legalisieren. „Es mag hierzu soziale oder strafpräventive Überlegungen geben. Die haben aber nichts mit Medizin zu tun, sondern sind politisch begründet.“

„Legalisierung ist der völlig richtige Schritt“

Der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, Jens Teutrine, sprach sich für eine Entkriminalisierung von Cannabis aus. „Die Cannabislegalisierung ist eine überfällige Selbstverständlichkeit. Stigmatisierung, Prohibition & Kriminalisierung sind gescheitert“, schrieb der FDP-Bundestagsabgeordnete am Mittwoch auf Twitter. Zugleich machte er deutlich, dass es für eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP mehr brauche als „legales Kiffen“. Teutrine nannte eine Agenda für den sozialen Aufstieg, eine BaföG-Reform, eine „enkelfitte Rente“ und die Erhöhung der Minijobgrenze.

Der Grüne Julian Pahlke, der für den Wahlkreis Unterems zum neuen Bundestag gehört, schrieb der Redaktion auf Nachfrage: „Die Legalisierung ist der völlig richtige Schritt, um den Konsum sicherer zu machen und Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten viele Bagatelldelikte zu ersparen.“ Zu einer Drogenpolitik gehöre das im 21. Jahrhundert dazu. Er habe in den vergangenen Monaten auffallend viele E-Mails zu dem Thema bekommen – und er habe den Eindruck, dass er und die Verfasser „ziemlich einer Meinung sind“.

Einer Expertin zufolge wäre Ostfriesland im Falle einer Legalisierung ein geeigneter Anbau-Standort – und die Landwirte sind nicht abgeneigt.

Mit Material von DPA

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