Berlin

Schweighöfer hat jetzt die Nummer eines Hollywood-Superstars

Sofia Flotho
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Von Sofia Flotho
| 12.10.2021 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 13 Minuten
Matthias Schweighöfer schauspielerte nicht nur für „Résistance“, er produzierte auch mit. Foto: Gerald Matzka/dpa
Matthias Schweighöfer schauspielerte nicht nur für „Résistance“, er produzierte auch mit. Foto: Gerald Matzka/dpa
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Im Film „Résistance“ (Start 14. Oktober) spielt Matthias Schweighöfer den Gestapo-Chef Klaus Barbie. Im Interview erzählt er, wieso er bei „Inglourius Basterds“ fehlte war und warum er seine Kinder impfen lassen würde.

Matthias Schweighöfer hat in letzter Zeit viel von sich hören lassen, vor allem durch internationale Produktionen. Im Interview spricht der Schauspieler über seinen neuen Film „Résistance - Widerstand“. Außerdem erklärter , warum er sich neuerdings mit Holz beschäftigt und wann er das nächste Mal auf Tour geht.

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Matthias, in dem Film „Résistance“ wird die Hauptrolle von Jesse Eisenberg gespielt, der unter anderem ja auch in dem bekannten Film „Zombieland“ zu sehen war. Du hast bei „Army of The Dead“ mitgespielt, da habt ihr euch als Zombieexperten bestimmt mal einen Zombiewitz erzählt.

Das haben wir nicht gemacht, da Jesse und ich uns beim Dreh nicht so oft gesehen haben. Jesse wollte mich immer erst in den Szenen treffen, wenn ich mein Kostüm anhatte. Wir haben uns bei einer Probe kennengelernt, er war bei einem Pantomime-Training. Jesse so: „Oh mein Gott, du bist ja total nett und lieb, jetzt weiß ich gar nicht mehr, wie ich das spielen soll.“ Das war interessant zu sehen, wie sehr er diesen Abstand brauchte, daher haben wir uns auch gar nicht über „Zombieland“ unterhalten.

Habt ihr denn Telefonnummern ausgetauscht, als der Dreh vorbei war?

Tatsächlich schreiben wir uns ab und zu, ja.

In „Résistance“ spielst du einen sadistischen Gestapo-Chef. Auch deine letzten Rollen waren eher ernsthafterer Natur. Ist jetzt Schluss mit Komödien?

Ich glaube, das Interessante ist ja, wenn man spielt, dass man alles spielen kann. Ich liebe lustige Rollen, genauso wie ich ernste Rollen liebe und es macht immer Spaß, Komödien zu drehen. Gerade das exakte Timing und die Choreografien mit dem Team und den anderen Schauspielern zu entwickeln, macht so einen Spaß. Das ist so schwer, weil es eben auch viel mit Handwerk zu tun hat, dass es mich eben auch interessiert. Was ist das für eine Disziplin, in der man Leute zum Lachen bringt über das, was man gemeinsam kreiert? Daher ist auf gar keinen Fall Schluss mit Komödien. Ich bin lieber daran interessiert, ein größeres Spektrum liefern zu können anstatt nur eine Schublade. In der Komödie gibt es ja auch viele Schubladen.

Was wusstest du denn vorher als bekennender Frankreich-Fan über Klaus Barbie und Marcel Marceau?

Tatsächlich kannte ich Klaus Barbie gar nicht, aber Marcel Marceau kannte ich natürlich. In der Schauspielschule hatte ich unter anderem einen Pantomime-Kurs, da Pantomime zur Schauspielerei ja auch dazugehört. Klar, da kannte jeder Marcel Marceau, der war ja eine Ikone.

Jetzt, da du dich ausführlich mit den Figuren befasst hast, wie schätzt du denn Klaus Barbie im Vergleich zu anderen NS-Tätern ein? Hatte er Spaß am Töten?

Ich kannte ihn nicht und ich kann mich da nur auf die Dinge berufen, die ich gelesen habe. Allein wie er in den Achtzigern in die Gerichtverfahren gegangen ist. Da hat er gesagt, er hat nichts getan. Jeder, der Täter war, war Täter, da gibt es keinen Unterschied. Entweder du bist es oder du bist es nicht. Was Barbie angeht, was ist denn sadistisch? Konzentrationslager, Straflager... Barbie sollte den Widerstand zerbrechen und dabei war er natürlich richtig brutal.

Wie verändert sich denn die Stimmung am Set, wenn man mit einer SS-Uniform zum Essen geht?

Na ja, man geht mit der SS-Uniform nicht zum Essen. Aber natürlich vergisst man in gewissen Momenten, wer man ist. Daher finde ich es wichtig, dass man auch zwischendurch immer wieder aus der Rolle herausschlüpfen kann und sie ablegt. Es ist sicher nicht gesund, wenn man da drinbleibt, aber ich bin auch kein Method Actor. Deswegen habe ich eben immer versucht, so viel wie möglich abzulegen, da die Rolle natürlich ganz schön extrem ist. Aber das Interessante an der Arbeit und dem Film war, wie ganz anders die Leute auf dich reagiert haben, wenn du mit dieser Uniform ans Set gekommen bist. Die wussten trotzdem, dass ich das bin, aber sie haben anders reagiert. Manchmal mit Angst oder mehr Respekt.

Hat es sich für dich denn auch anders angefühlt, wenn die Uniform diese Macht hat?

Wenn man Macht so definiert, finde ich, hat es unheimlich viel mit dem Ego zu tun. Die Macht, die du hast, zeigt, wie viel die Leute auf mich gucken und dass es um mich geht. Das war an diesem Set so absurd. Auch ich hatte früher ein großes Ego. Aber als ich dann diese Rolle gespielt habe, konnte ich sehen, wie schädlich so ein Ego ist und wie die Leute mich betrachten. Beantwortet es das?

Tut es. Hast du denn vom Set was mitgehen lassen?

Nein, das habe ich nicht.

Und bei früheren Filmen?

Manchmal habe ich schon was mitgehen lassen, aber ich habe meistens die Ausstatter gefragt, ob ich es auch haben darf. Du kannst ja nicht einfach was mitgehen lassen, sonst fragen die Ausstatter plötzlich: „Hey, wo ist denn jetzt dieses Bild hin, das war doch gerade noch da.“ Bei „Army of Thieves“ zum Beispiel habe ich neulich einen kleinen Tumbler [ein Drehrad] mitgenommen, mit dem man Safes knacken kann. Der war aber nur zur Probe da.

Du hast bei „Résistance“ ja nicht nur mitgespielt, sondern auch mitproduziert. Was war denn dein Job als Produzent bei dem Film?

In dem Fall war es tatsächlich so, dass es darum ging, wer die Förderung und die Finanzierung organisieren kann, damit man den Film gewuppt kriegt.

Gestalterisch also eher nicht.

Jonathan, der Regisseur, und ich sind das Drehbuch durchgegangen. Dann habe ich Jonathan nochmal über die Szene gesprochen, in der ich Klavier spiele. Ich habe gelesen, dass Barbie sich in sein Bier oft Cognac reingemacht hat und dabei dieses Lied gespielt hat, um dann die Leute zu erschießen. Das stand so vorher gar nicht im Drehbuch und ich meinte zu Jonathan: „Hey, schreib das rein“. Das hat er dann auch getan. Na ja, aber das ist natürlich auch nicht unbedingt Arbeit eines Produzenten.

Bei einer anderen Produktion, „Army of the Dead“, hast du mit Zack Snyder zusammengearbeitet. Mit welchem Regisseur würdest du denn noch gerne einen Film drehen?

Mit wem ich wirklich gerne einmal zusammenarbeiten würde, wäre Steven Spielberg. Oder Noah Baumbach oder Denis Villeneuve oder Jon Favreau.

Wie wäre es mit Quentin Tarantino?

Stimmt, der wäre toll.

Der hat bei „Inglourious Basterds“ auch ein paar Deutsche dazu geholt wie Til Schweiger, aber dich nicht. Was lief da schief?

Ich sollte zum Casting gehen, aber ich habe zu der Zeit „Der rote Baron“ gedreht. Wir waren für den Film acht Monate in Prag, währenddessen wurde „Inglourious Basterds“ gedreht. Deswegen war ich aus der Liste schon raus.

Hättest du den lieber gedreht?

Ne, denn durch den roten Baron habe ich meine Partner für meine Firmen kennengelernt. Aber klar, ich hätte gerne mitgespielt.

Mal was ganz anderes: Wie ist es dir denn in der Corona-Pandemie ergangen?

Toi, toi, toi, ganz gut. Ich fand es eine sehr interessante Zeit, da es sehr zum Minimalismus und zur Stille zurückging. Das fand ich irgendwie auch gut, da diese unglaubliche Entschleunigung stattfand, zumindest auf mich bezogen. Man hatte einfach Zeit.

Wie hast du die denn genutzt?

Viel. Ich habe mich viel mit Holz beschäftigt, mit meinen Kindern und auch viel mit meiner Freundin. Wir sind spazieren gegangen und im Wald wandern. Sowas haben wir noch nie gemacht. Aber man musste sich Pläne machen, was man mit der Zeit anfängt, damit man nicht durchdreht. Allein was ich sage, ist schon wieder falsch, denn warum sollte man durchdrehen, wenn man Zeit hat? Man ist so abhängig davon, dass sich alles bewegt.

Du hast dich mit Holz beschäftigt?

Als wir „Army of Thieves“ gedreht haben, habe ich begonnen, mich mit diesen Aussteigern zu befassen, die im Wald leben. Die bauen viel mit Holz. Da gibt es einen Typen in Kanada, der heißt auf YouTube „My Self Reliance“. Großartig. Das ist eine Doku, da siehst du ihn hämmern und jagen. Das isst der dann so mit seinem Hund in dieser völligen Ruhe und das war so geil. Da dachte ich mir: „Das ist echt cool.“ Daraufhin habe ich angefangen, mir Äxte zu bestellen und mich mit Holzsorten zu beschäftigen. Was da am besten brennt und mit was man baut.

Ein paar Schauspielkollegen von dir konnten der Pandemie nicht so viel abgewinnen wie du und haben sich mit "#allesdichtmachen“ negativ über die Corona-Politik der Bundesregierung geäußert. Wurdest du für die Aktion auch angefragt?

Nein.

Hättest du gerne teilgenommen?

Ich bin grundsätzlich kein Freund davon, Politisches und die eigene Meinung ständig nach außen zu tragen. Ich finde es natürlich gut, wenn man sich für etwas einsetzt, wenn es das Richtige ist. Aber ich muss nicht jedem da draußen, nur weil ich öffentlich bin, meine Meinung auf den Tisch legen und sagen: „Ich habe auch was zu sagen“. Wenn man mich aber danach fragt, klar.

Til Schweiger hat kürzlich davon gesprochen, dass er die Impfung für Kinder ablehnt. Was sagst du denn dazu, auch als Vater?

Ich finde natürlich, dass man Kinder schützen muss. Gerade wenn man weiß, dass es gefährlich wird, definitiv. Ich bin mir auch sicher bei den Impfstoffen, die draußen sind. Aber ich weiß auch, dass Novavax bald auf den Markt kommt und das wird interessant. Bis dahin werde ich gucken, dass meine Kids safe sind und auch nicht andere Leute anstecken können, wenn sie es kriegen würden. Aber ich würde jetzt in meine Kinder auf jeden Fall auch keine Chemie reinpumpen. Allerdings ist das eine Sache, die jeder für sich selbst entscheiden muss. Das heißt aber nicht, dass ich meine Kinder nicht impfen lassen würde. Ich würde das natürlich machen, wenn du weißt, dass es Impfstoffe gibt wie die, die man als Kind auch schon gekriegt hat. Novavax ist da eine interessante Mischung. Schon mal was davon gehört?

Hauptsächlich Gerüchte. Wenn das denn mal zum Thema zwischen Til Schweiger und dir werden würde, was würdest du ihm denn dann sagen?

Wie gesagt, dazu kann ich das Gleiche sagen. Til hat eine Meinung und bringt die immer gerne raus. Ich bin jemand, ich halte das eher zurück und muss das nicht immer mit der Öffentlichkeit teilen.

Da wir gerade bei Kollegen sind, es gab länger keinen Film mit Florian David Fitz. Ist da mal wieder etwas in Planung?

Ja, Flo und ich reden eigentlich immer darüber, was wir als nächstes machen können. Ich liebe Flo und bin immer gerne mit ihm zusammen, daher freue ich mich immer, wenn wir zusammenarbeiten.

Aber noch nichts Konkretes.

Ne.

Du hast einen eigenen Streamingdienst, eine Produktionsfirma, machst Musik, führst Regie, jetzt fehlt nur noch ein Buch, oder?

Hm, jetzt fehlt nur noch ein Buch. Dafür habe ich später vielleicht viel Zeit, wenn es dann wieder ein bisschen stiller wird. Aber jetzt ein Buch zu schreiben, die Muße habe ich nicht.

Dann nur hypothetisch, um was würde es sich denn drehen? Hättest du eher auf einen Roman oder eine Biografie Lust?

Gute Frage, ich habe keine Ahnung.

Dann kommen wir nochmal zur Musik. Dein zweites Album „Hobby“ ist 2020 herausgekommen.

War das schon 2020? Oh mein Gott, so lange ist das schon her.

Was inspiriert dich zu deinen Songs?

Das mit „Hobby“ ist eigentlich schade, denn ich habe ursprünglich Musik gemacht, um live gehen zu können. Ich bin jetzt kein Sänger, aber es war eben cool mit den Leuten auf den Konzerten. Das hat Spaß gemacht. Als Corona dann so krass war, war es wie gesagt schade für das Album „Hobby“, dass es nie die Chance hatte, groß rauszukommen. Ich habe ja auch noch gedreht. „Hobby“ war aber eine gute Idee und da waren gute Sachen drin, ein gutes Pop-Album. Aber ich habe es lange nicht mehr gehört, ich muss da mal wieder reinhören.

Ich habe es mir heute angehört. Im ersten Lied verteidigst du ja deine Leidenschaft, die Musik. Trifft es dich, wenn Leute dir sagen, dass du bei der Schauspielerei bleiben sollst?

Ich glaube, das erste Lied ging generell gegen alles, was man an Kritik sofort so bekommt, wenn man etwas anfängt. Dieses „Schuster, bleib bei deinen Leisten“, anstatt sich damit zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. Dieses Land ist manchmal so, dass man sich wirklich für die Dinge entschuldigen muss, die man macht. Manchmal nervt das auch. Es sind wenige Türen so offen, dass man sagen kann: „Ey, ich habe die und die und die Idee“ und andere sagen: „Das ist cool und geil, erzähl mal“. Sondern es ist eher so: „Ah ja, bist du sicher und wenn was schief geht?“ Das wollte ich damit sagen in „Anfang“, dass es eben immer einen Anfang gibt.

Der letzte Song heißt ja dann Ende. Also endet damit die Karriere als Musiker?

Naja, das Hauptding in „Ende“ ist ja „Mach, was du liebst und was dein Herz dir zeigt“. Das soll ermutigen zu sagen: „Hey, bleib bei dir, nicht vergleichen, einfach weitergehen. Auch nicht zu viel hoffen, damit gibt man Verantwortung ab, aber bleib bei dir und mach dein Ding“. Denn das macht dich glücklich und es geht ja nur um dich letztendlich. Irgendwann stellt man sonst fest, dass man selbst unglücklich wird, wenn man nur andere Leute glücklich machen will. Erstmal kommt aber kein neues Album, weil ich mich jetzt gerade wieder ein bisschen mehr auf die Filmlandschaft konzentrieren möchte.

Hauptberuflich Musiker ist also eher nichts für dich.

Rein aus Erfahrung, es braucht natürlich genauso viel Aufmerksamkeit wie einen Film zu machen. So ein Album rauszubringen, sind zwei Jahre deines Lebens und bedeutet auch hundert Konzerte. Dafür habe ich aber zu viele Filme gemacht und bin zu filmisch unterwegs.

Hast du denn noch vor, Konzerte mit dem jetzigen Album zu spielen?

Wir haben überlegt, ob wir nochmal ein großes Konzert spielen. In der Wuhlheide vielleicht. Oder ob man nochmal eine kleine Tour macht, eine Abschiedstour, damit man dem Album nochmal eine Chance lässt.

Meine letzte Frage: Wenn du nicht Schauspieler geworden wärst, welchen Beruf hättest du wohl gewählt?

Hm, die Frage hat sich zum Glück nie gestellt. Es war einfach immer so. Ich bin in diesem Haushalt mit Schauspielern aufgewachsen und zum Glück gab es nie etwas anderes. Das einzige, was ich anders gemacht hätte, wenn ich nicht Schauspieler geworden wäre, wäre ich Regisseur.

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