Kultur

Historischer Backsteinbau wird Wassermuseum

Nora Kraft
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Von Nora Kraft
| 11.10.2021 18:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Werner Tapper erklärt auf der Baustelle des Waterhuus‘ die Raumaufteilung des neuen Museumsgebäudes. Foto: Kraft
Werner Tapper erklärt auf der Baustelle des Waterhuus‘ die Raumaufteilung des neuen Museumsgebäudes. Foto: Kraft
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Lange Zeit versorgte der Borkumer Wasserturm die Insulaner mit Trinkwasser. In Form eines Museums soll der Turm wieder zum Leben erweckt werden.

Borkum - Läuft man vom Bahnhof Borkum aus in nördlicher Richtung über die Boeddinghausstraße und biegt rechts in die Geert-Bakker-Straße ein, erblickt man bereits über die ersten Häuserdächer hinweg einen Baukran. Erst einige Meter weiter wird der Blick auf einen wuchtigen neoromanischen Backsteinbau frei: den Borkumer Wasserturm. 1900 errichtet, diente er bis 1976 dazu, die Insulaner mit Trinkwasser zu versorgen. In den Jahren nach der Stilllegung verkam das Wahrzeichen und ihm drohte der Verfall, bis sich im Jahr 2007 der Verein Watertoorn Börkum gründete und sich dem Erhalt des Turmes widmete. Der Verein, dessen Name im Hochdeutschen Wasserturm Borkum lautet, besteht aus etwa 470 Mitgliedern. Dem Verein gelang es, den Turm instand zu setzen, unter anderem finanziert mit Fördergeldern von Bund und Land sowie mit Geldern von Vereinsmitgliedern, Urlaubsgästen und Insulanern. „Das Thema Wasser ist ein wichtiger Teil der Geschichte Borkums“, sagt der Vereinsvorsitzende Werner Tapper, der bereits als Lehrling der Borkumer Stadtwerke viel Zeit im Wasserturm verbrachte. Das Museum werde das Thema Wasser auf verschiedene Weise thematisieren.

Was und warum

Darum geht es: Der Borkumer Wasserturm wird zum Wassermuseum umgebaut.

Vor allem interessant für: Insulaner und Borkumer Urlaubsgäste, die sich an dem Thema Wasserversorgung interessieren.

Deshalb berichten wir: Nächstes Jahr sollen die Bauarbeiten des Wassermuseums abgeschlossen werden. Wir haben nach der aktuellen Bausituation gefragt.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.kraft@zgo.de

Werner Tapper vor dem Borkumer Wasserturm. Foto: Kraft
Werner Tapper vor dem Borkumer Wasserturm. Foto: Kraft

Dieser Tage ist das Gelände vor dem Wasserturm von Bauzäunen umgeben und der Turm selber nur noch über eine Sprossenleiter zu erreichen. Der Turm soll wieder eine Bestimmung haben. „Und was liegt da näher als dort ein Wassermuseum zu errichten?“, so Tapper. Auch der Neubau des Turmkopfes, der Laterne, konnte 2014 denkmalsgerecht ermöglicht werden. Das Vorhaben sei gut angekommen, sagt Tapper. „Wir haben das nicht für uns Vereinsmitglieder gemacht. Es liegt uns am Herzen, den Turm wieder mit Leben zu füllen.“

Vor den Wasserturm wird das Waterhuus gebaut. Foto: Kraft
Vor den Wasserturm wird das Waterhuus gebaut. Foto: Kraft

Museumsbetrieb zum Erhalt des Turms

Nach sechsjähriger Planung entsteht derzeit ein Wasser-Erlebnis- und Bildungszentrum nach Vorlagen der Otte Architektur GmbH aus Neuenkirchen. Das Museum wird aus dem Wasserturm bestehen, der derzeit im Inneren umgebaut wird sowie aus einem zusätzlichen Gebäude, dem Waterhuus. Das Waterhuus werde energetisch gebaut und befindet sich auf der Fläche vor dem Deich, auf dem der Wasserturm steht. Die veranschlagten Kosten für den Museumsbau liegen bei etwa drei Millionen Euro. Hohe Summen Fördergelder erhielt der Verein vom Bundeswirtschaftsministerium sowie dem niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft. Ein Eigenkapital von etwa 273.000 Euro konnte durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Sponsoren erbracht werden. „Mit dem Betrieb des Museums müssen wir Geld verdienen, um jährliche Haltungskosten für den Turm zu decken“, sagt Tapper. Die Fertigstellung ist für den Spätsommer nächsten Jahres geplant. Das Waterhuus soll dann als Museumseingangsbereich dienen und neben Seminarräumen auch eine Wasserwerkstatt beinhalten. „Das wird ein Multiraum für kleine Experimente, sodass Museumsgäste nachforschen können, wie Wasser gefördert wird“, erklärt Tapper.

Teile einer alten Fertigtreppe von 1900 werden bestehen bleiben, um beispielsweise Exponate auf ihren Stufen auszustellen. Foto: Kraft
Teile einer alten Fertigtreppe von 1900 werden bestehen bleiben, um beispielsweise Exponate auf ihren Stufen auszustellen. Foto: Kraft

Das Waterhuus ist als ein barrierefreies, eingeschossiges Gebäude geplant. Denn die Ausstellungsfläche im Turm ist begrenzt und für Menschen mit Gehbehinderung nicht zu besuchen. „Im Waterhuus kann diesen Gästen der Turm dennoch erfahrbar gemacht werden“, sagt Tapper. Beispielsweise über Monitore im Eingangsbereich oder ein Modell des Turms. Im Waterhuus wird es zwar keine Gastronomie geben, in den Genuss des Borkumer Trinkwassers werden die Gäste durch Wasserspender dennoch kommen. „Das ist schließlich das beste Trinkwasser der Welt“ sagt Tapper und lacht.

Das Dach des Waterhuus soll begrünt werden. Noch finden Arbeiten zur Isolierung statt. Foto: Kraft
Das Dach des Waterhuus soll begrünt werden. Noch finden Arbeiten zur Isolierung statt. Foto: Kraft

Umgestaltung des Turminneren

In den Wasserturm kommen die Gäste dann entweder durch das Waterhuus oder über das Dach des neuen Gebäudes. Hier soll ein Steg über das Dach direkt zum Eingang des Turms führen. Das Dach befindet sich noch in Isolierungsarbeiten, wird dann aber begrünt und mit Photovoltaikanlagen versehen. Anschließend werden in das Gebäude Türen und Fenster eingebaut. Zwischen Turm und Waterhuus bleibt Platz für ein Atrium, dessen Sitze in die Düne gebaut werden. In den Wasserturm werden drei Ebenen eingezogen, die jeweils eigene Themenbereiche darstellen werden. Zurzeit wird im Treppenhaus gemauert, sodass eine Stahltreppe eingezogen werden kann. Über diese können die Besucher dann bis auf die Turmgalerie gelangen. „Wir sind sehr stolz drauf, dass wir das anbieten können“, sagt Tapper. Von dort habe man einen wunderbaren Blick über die Insel. „Leider ist nicht viel Material über den Wasserturm erhalten“, sagt Tapper. Ob Fotos oder alte Pumpe: Der Verein freue sich über alle Zeugnisse, die etwas mit dem Thema Wasserversorgung zu tun haben.

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