Bei Kaiserwetter erlebten am Sonnabend 1000 Zuschauer einen 9:4-Sieg von Ostfriesland gegen die DDR. Einen der schönsten Momente beim „Länderspiel“ in Emden gab es schon vor dem Anpfiff.
Tag der Legenden: Ralf Ammermann versucht, Stephan Prause auszuspielen.
Emden - Einen der schönsten Momente beim ostfriesischen „Länderspiel“-Debüt gab es schon vor dem Anpfiff zu erleben. Als die Melodie von „Wir sind Ostfriesenkinder“ nicht vom Band laufen wollte, stimmte der Auricher Vor-Sänger Nico Weerts im Friesenhemd gekleidet einfach ohne Playback-Unterstützung die „Hymne“ an. Die „Nationalspieler“ hinter ihm hakten sich ein, schunkelten, das Publikum sang lautstark mit – da zuckte sogar manch DDR-Spieler sein Handy. Im Anschluss nutzte Ostfriesland seinen Heimvorteil, gewann 9:4 und schenkte Initiator Kai Schoolmann seinen so gewünschten Ostfriesen-Sieg.
Hatte viel zu organisieren: Kai Schoolmann. Foto: Doden
„Dieser Tag hätte nicht besser laufen können“, sagte der 49-jährige Emder, der die Partie mit einem kleinen Kreis von Unterstützern fast im Alleingang organisiert hatte. Dass er seine Maibaum-Idee mit viel Herzblut, Liebe zum Detail und zahlreichen Promis tatsächlich in die Tat umgesetzt hatte, nötigte nicht nur Oberbürgermeister Tim Kruithoff bei seinem Grußwort kurz vor dem Anpfiff großen Respekt ab. Timo Schultz, aus Esens stammender Trainer des Zweitliga-Tabellenführers FC St. Pauli, sagte nach dem Spiel. „Die Veranstaltung war einfach nur überragend.“
„Einfach nur überragend“
Schoolmann erfüllte dem 44-Jährigen damit auch einen Wunsch, den der Erfolgstrainer im November 2020 im NDR-Fernsehen geäußert hatte: „Ich wäre auch gerne mal Nationalspieler gewesen. Ostfriesland war leider nie ein eigenständiger Staat. Von daher gab‘s da für mich keine Chance.“
Zahlreiche Banner von Fußballfans aus ganz Deutschland waren auf der Gegentribüne angebracht worden. Foto: Doden
Schultz ist mit dem Statement für den Fußballspruch des Jahres nominiert worden, Schoolmann hätte sich eine für das kreativste Fußballspiel des Jahres verdient. Mit seiner Idee, bekannte ostfriesische Fußballer gegen ehemalige Spieler aus der DDR spielen zu lassen, die nach der Wende nach Ostfriesland kamen und zum Teil sogar blieben, traf bei Spielern und Zuschauern ins Schwarze. Schon anderthalb Stunden vor dem Anpfiff hatten die zahlreichen Bierwagen bei Kaiserwetter viel Arbeit. Im Spiel musste Schoolmann sogar Nachschub ordern.
„Wir sind die wahren Ossis“
Wer während der Partie sich ein frisch Gezapftes holte, der drohte Tore zu verpassen. Denn wie bei solchen Spaß-Benefizspielen (zugunsten des Emder Hospizvereins) zu erwarten, fielen reichlich davon. „Wir sind die wahren Ossis“, hatte der langjährige Sky-Moderator und gebürtige Auricher Rolf Fuhrmann vor der Partie ins Mikrofon gesagt. Buhrufe im Gästeblock (Ostblock): „Liebe Ossis, ihr seid auch Ossis.“
Hymnensänger Nico Weerts. Foto: Doden
Video
Ostfriesland spielte gegen die DDR
09.10.2021
Der erste Torschuss im „Ossi-Duell“ gehörte den in stilechten weißen DDR-Trikots auflaufenden Gästen durch Stephan Prause. Dann wurde aber schnell deutlich, wohin die sportliche Reise an diesem Nachmittag gehen würde. Der 35-jährige Jens Wemmer (Ex-Profi) und der 43-jährige Ingo Ukena hatten mit einem Doppelschlag Ostfriesland nach vier Minuten 2:0 in Führung gebracht. „Ihr habt gut eingekauft“, sagte Köln-Trainer Steffen Baumgart (früher Aurich/DDR) vor der Partie launig ins Interview, als er auf den jüngeren Kader der Ostfriesen-Ossis schielte. Im DDR-Ossi-Aufgebot war Markus Winkler, Sohn von „Nationaltrainer“ Frank Winkler, mit 33 Jahren mit Abstand der Jüngste im Feld von vielen Mitte Fünfzigern.
Es schloss sich die dritte Halbzeit an
So führten die Ostfriesen zum Ende der nur 40-minütigen ersten Halbzeit mit 5:1. Nach der zweiten 50-minütigen Halbzeit – in Ostfriesland ticken die Uhren anders – stand es schließlich 9:4. Ein paar Kabinettstückchen wurden auch gezeigt, gewechselt wurde permanent. Der frühere Stürmer Steffen Baumgart spielte über weite Strecken Verteidiger und musste nach dem Spiel Dutzende Fotowünsche erfüllen.
Nach dem dritten Tor von Ingo Ukena (rechts) zum 7:1 gab es Glückwünsche von Steffen Baumgart. Foto: Doden
Auch einige Selfies mit Timo Schultz waren gefragt, der nach der verspäteten Dusche gut gelaunt Richtung Partyzelt marschierte. „Wir haben die erste Halbzeit gewonnen, die zweite auch. Für die dritte einigen von uns am besten im Vorfeld auf ein Unentschieden“, sagte der 42-Jährige, dem trotz einiger Schussversuche kein „Nationaltor“ gelang. Aber immerhin ist er nun ja „Nationalspieler“. „Dann muss ich Montag nun meinen Briefkopf ändern lassen.“