Umfrage
Fast alle da in den Bauämtern des Landkreises Leer
Sind die Bauämter im Kreis Leer eigentlich gut besetzt? Gibt es offene Stellen und sind Jobs in der Privatwirtschaft für die Bauexperten eigentlich interessanter? Wir haben nachgefragt.
Landkreis Leer - Hier ein Neubau, da eine Sanierung – einen Handwerker derzeit zu bekommen? Ein fast aussichtsloses Unterfangen. Der Bau-Boom ist im Landkreis Leer nicht zu übersehen. Die Zeiten sind dank der EZB-Niedrigzins-Politik günstig und mit Immobilien schaffen viele Menschen ihre Schäfchen ins Trockene.
Was und warum
Darum geht es: Der Bau-Boom ist derzeit nicht zu übersehen. In den Bauämtern des Landkreises Leer ist man fast überall aber mit voller Besetzung darauf eingestellt.
Vor allem interessant für: Leute, die bauen wollen oder sich dafür interessieren.
Deshalb berichten wir: Das Thema Bauen und Wohnen umtreibt viele Leserinnen und Leser. Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de
Doch bevor die Mörtelkelle geschwungen werden kann, ist der Papierkram zu erledigen. Bauanträge, Bebauungspläne, Flächennutzungspläne – all das steht vor dem eigentlichen Projekt und wird in der Regel in den Bauämtern von Landkreisen, Städten und Gemeinden erstellt und bearbeitet. Wie sind die eigentlich besetzt? Das hat diese Zeitung nachgefragt.
Gibt es Personalmangel in den Bauämtern?
Nein, eigentlich nicht. Das ergab eine Umfrage in den zwölf Mitgliedsgemeinden der Landkreises Leer und bei der Landkreisverwaltung selbst. Sechs Gemeinden gaben an, keine offenen Stellen im Bauamt zu verzeichnen. In Rhauderfehn und Moormerland gebe es jeweils eine Stelle, die aufgrund einer längeren Erkrankung nicht besetzt sei. In Moormerland ist eine weitere Stelle vakant. In der Stadt Leer wechselt der stellvertretende Bauamtsleiter, Christoph Busboom, zum 1. November nach Jümme und wird Bürgermeister. Außerdem ist die Stelle des Stadtbaurats derzeit in Leer vakant. Zusätzlich sollte in Leer eine Stelle geschaffen werden, die sich um den grauen Wohnungsmarkt kümmert. Diese Stelle ist ausgeschrieben, aber zurzeit noch nicht besetzt, teilt die Stadt mit. Die Gemeinde Hesel hat auf die Anfrage dieser Zeitung nicht reagiert.
Kommt es aufgrund von fehlendem Personal zu Verzögerungen in der Bearbeitung?
Auch hier sagen die Kommunen mehrheitlich nein. Bürgermeister Geert Müller aus Rhauderfehn räumt allerdings ein, dass es zu Verzögerungen kommt beziehungsweise es zumindest eine ständige Prioritätenfestlegung, welches Projekt zuerst abzuarbeiten ist, gibt. Die Stadt Leer erklärt, dass die Aufgaben der Mitarbeitern intern anders verteilt werden und daher keine Verzögerungen entstünden. Bettina Stöhr, Bürgermeisterin in Moormerland, sagt klar, dass es zu Verzögerungen aufgrund der zwei fehlenden Kräfte kommt. Hans-Peter Heikens, Bürgermeister von Jemgum, erklärt, warum der Bürger oft einen anderen Eindruck hat. „Die Anforderungen an die Anträge im Bauamt werden immer komplexer und umfangreicher. Daher dauert es immer länger“, erklärt er.
Ist die Suche nach Fachkräften für das Bauamt im Hinblick auf den Bauboom schwieriger?
Ja, finden die meisten der Gemeinde- und Städtevertreter in der Umfrage. „Fachkräfte für die Bauabteilung zu gewinnen, ist nicht immer einfach, weil der öffentliche Dienst mit der Privatwirtschaft konkurriert. Die Gemeinde Westoverledingen ist allerdings aktuell relativ gut mit Personal im Bauamt besetzt. Neben fünf Ingenieuren beziehungsweise Architekten gibt es zwei technische Fachkräfte. Diese sieben Fachkräfte arbeiten teilweise in Teilzeit“, teilt zum Beispiel Kirsten Beening, Sprecherin der Gemeinde Westoverledingen mit. Aber das Problem mit der Fachkräftesuche gelte nicht nur für die Bau- und Planungsabteilungen. Alle Fachbereiche seien betroffen, teilt Kerstin Beier, Sprecherin der Stadt Weener mit. Dies bestätigen Ralf Möhlmann von der Gemeinde Jümme, Geert Müller, Bürgermeister Rhauderfehn, und Heinz Trauernicht, Bürgermeister der Gemeinde Uplengen.
Ist die Privatwirtschaft für die Fachleute interessanter?
Ja, das bestätigen fast alle Teilnehmer der Umfrage. Allerdings haben nicht alle die Erfahrung gemacht, dass Mitarbeiter wirklich in die Privatwirtschaft gewechselt sind. Dennoch seien die Anreize für die Bau-Experten außerhalb des öffentlichen Dienstes attraktiv. „Die Privatwirtschaft hat die Möglichkeit, mit höheren Entgelten, Leistungen neben dem Gehalt, wie Dienstfahrzeugen, 13 oder 14 Monatsgehältern oder anderen vergünstigten Angeboten zu locken, was im öffentlichen Dienst nur in sehr eingeschränktem Maß möglich ist. Und die immer wieder hervorgeholte Arbeitsplatzsicherheit als großes Plus des öffentlichen Dienstes ist mittlerweile in der Privatwirtschaft genauso gegeben. Gute Leute werden auch in der Privatwirtschaft nur äußerst selten entlassen“, fasst Günther Harders, Bürgermeister der Gemeinde Ostrhauderfehn das Problem, das viele Kommunen haben, zusammen.
Wie unterscheiden sich die Tätigkeiten des Bauamts im Kreis von denen in den Kommunen?
Gemäß der niedersächsischen Bauordnung nehmen laut Kreis Leer die Landkreise, die kreisfreien Städte sowie die großen selbständigen Städte (im Kreis Leer ist das ist die Stadt Leer) die Aufgaben der unteren Bauaufsichtsbehörde wahr. Die Aufgaben einer unteren Bauaufsichtsbehörde sind insbesondere die Erteilung von Baugenehmigungen und die Bauüberwachung. Die Bauämter der Städte und Gemeinden befassen sich vorrangig mit der Bauleitplanung, zum Beispiel der Aufstellung von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen. Außerdem gehört die Planung gemeindlicher Bauvorhaben sowie der Verwaltung und Unterhaltung eigener Immobilien zu ihren Aufgaben.