Kolumne: Intern

Amazon und der Papierpreis

Joachim Braun
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Eine Kolumne von Joachim Braun
| 08.10.2021 09:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Joachim Braun
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Warum die Zeitung in der Herstellung wieder einmal teurer wird, davon aber das E-Paper und auch unsere Webseite nicht betroffen sind, darum geht es in der heutigen Freitags-Kolumne „Intern“.

Amazon hat einen schlechten Ruf: Die Plattform verdrängt lokalen Einzelhandel, verstopft mit Auslieferungswagen die Straßen, zahlt niedrige Löhne, und wenig oder keine Steuern hierzulande, lauten die bekanntesten Vorwürfe. Und jetzt sorgt der amerikanische Gigant auch noch dafür, dass die Zeitung teurer wird. Denn die aktuellen Preissteigerungen beim Zeitungspapier, über die wir gestern ausführlich auf der Wirtschaftsseite berichteten, haben ganz viel mit dem Boom des Onlinehandels zu tun.

Zur Person

Joachim Braun (55) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeiger und der Borkumer Zeitung. Davor leitete er die Redaktionen der Frankfurter Neuen Presse und des Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. 2012 wurde er von einer Fachjury zu Deutschlands „Regional-Chefredakteur des Jahres“gewählt.

Um den 15. September herum bekam unser Geschäftsführer Robert Dunkmann einen Anruf von der Druckerei in Nordhorn, dass zum 1. Oktober die Preise für Zeitungspapier um 20 Prozent steigen und zum 1. Januar 2022 nochmal um über 30 Prozent. Der Papierpreis ist wesentlich für die Kalkulation des Zeitungsabos, da Druck und Zustellung der Zeitung deutlich über 50 Prozent der Kosten ausmachen.

Dabei ist der Markt für Zeitungspapier, das im Übrigen zu 80 Prozent aus Altpapier hergestellt wird, ein weltweiter Markt. Sinkende Auflagen, dazu reduzierte Umfänge in der Coronazeit wegen fehlender Werbung, sind ein Faktor für die gegenwärtig knappen und darum teuren Kapazitäten. Ein anderer Faktor ist, dass der boomende Onlinehandel wie ein Staubsauger wirkt und die Produktion von Wellpappe und Kartonagen zulasten des Zeitungsdruckpapiers angekurbelt hat.

Deshalb treiben nun Amazon & Co. die Preise für Zeitungen in die Höhe. Und nicht nur das, da Zeitungspapier ein „Just in time“-Produkt ist, also eines, das nach Bedarf geordert und geliefert wird und für das es in der Regel keine langfristigen Liefervereinbarungen gibt, fehlt es auch an den Mengen. Jährliche Kontrakte, wie sie zum Beispiel die Lufthansa für Flugbenzin abschließt, um von Preisschwankungen verschont zu bleiben, gibt es bei Zeitungsdruckereien nicht.

Zum 1. November steigen also auch bei uns die Abopreise. Da wir unsere Leser damit aber nicht allein lassen wollen, geben wir künftig unseren Print-Abonnenten einen Zugang für unsere Onlineseite kostenfrei mit dazu.

Kontakt: j.braun@zgo.de

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